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Bürgerinitiative „ZW vernetzt“ zum Thema Schnee und Streuen

Biologin Tanja Neumann zum Thema Streuen : Salzfrei und sicher durch den Winter

Mitglieder der Bürgerinitiative „ZW vernetzt“ haben sich angesichts der Streugewohnheiten im Winter mit dem Thema Umweltschutz und Trittsicherheit beschäftigt. Biologin Tanja Neumann erklärt vor und Nachteile fachlich.

„Das kann doch nicht gut sein für die Umwelt“, sagte sich Tanja Neumann, nachdem sie auf der Autobahn hinter einem Salz schleudernden Streufahrzeug fuhr und ihr Auto nach dem Überholen gefühlt in eine Salzkruste gehüllt war. Ist das vorgeschrieben oder überhaupt erlaubt? Und vor allem: Was gilt für die Bürgerinnen und Bürger in Zweibrücken?

Das neue Mitglied der Bürgerinitiative „ZW vernetzt“ machte sich auf die Suche und stellte fest: Womit gestreut werden darf, regelt jede Kommune für sich. Unter dem Oberbegriff „Satzung“ wurde sie auf der Seite des zuständigen Umwelt- und Servicebetriebs Zweibrücken (UBZ) fündig. Dort steht, den Regelung des Gemeinde- und Städtebunds zum Thema Streumittel folgend: „Gestreut werden darf nur mit abstumpfenden Stoffen, wie zum Beispiel Asche, Sand, Sägemehl; die Verwendung von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen ist grundsätzlich verboten. Ihre Verwendung ist nur erlaubt in:

1. besonderen klimatischen Ausnahmefällen (zum Beispiel Eisregen), in denen durch Einsatz von abstumpfenden Mitteln keine hinreichende Streuwirkung zu erzielen ist,

2. an gefährlichen Stellen an Gehwegen, wie zum Beispiel Treppen, Rampen, Brückenauf- oder -abgängen sowie starken Gefälle- und Steigungsstrecken.

Für die Biologin ist klar, weshalb die Verwendung von Streusalz bis auf die genannten Ausnahmefälle verboten ist. Die studierte Biologin erklärt: „Streusalz (auch „Auftausalz“ oder „Tausalz“) fließt mit dem Schmelzwasser in die Kanalisation ab und gelangt nach Durchlaufen der Kläranlage in Bäche und Flüsse. Wasser mit erhöhter Salzkonzentration ist gesundheitsschädlich bis toxisch (giftig) für die darauf angewiesenen Tiere und unsere Pflanzenwelt.

Zusätzlich kann Streusalz mit dem Schmelzwasser direkt ins Grundwasser sickern. Versalzenes Grundwasser kann nicht mehr als Trinkwasser benutzt werden. Jede Zelle von Menschen, Tieren und Pflanzen (bis auf wenige Ausnahmen im Salzwasser) könne unbeschadet lediglich eine minimale Salzmenge aufnehmen. Pflanzen in unserem Lebensraum würden sowohl durch den direkten Kontakt mit Streusalz oder die Anreicherung im Boden nach dem Tauen gefährdet. Zusätzlich beeinträchtigten hohe Salzgehalte die gesundheitliche Stabilität des Bodens und schaden den Bodenlebewesen. Abgesehen davon, dass Salz alle Materialien angreife, von Schuhsohlen bis hin zu Fahrzeugen und Bauwerken. „Unsere Katze hat in Schneewintern regelmäßig entzündete Pfoten“, beschreibt Tanja Neumann weitere Nachteile des ebenso verbotenen wie an den meisten Stellen völlig überflüssigen Einsatzes von Streusalz.

Tanja Neumann und viele andere Mitglieder der Bürgerinitiative bevorzugen die einfachste und kostengünstigste Lösung: zeitnah nach dem Schneefall schippen, bevor der Schnee festgetreten ist und vereist, am besten noch mit einem groben Straßenbesen nachkehren. Meist brauche man bei uns dann überhaupt nicht zu streuen. Ansonsten bewirkten abstumpfende Mittel wie Sand, Splitt oder umweltfreundliches Granulat (erkennbar an dem blauen Umwelt-Engel auf der Verpackung), dass Schnee und Eis trittfest würden und damit die Rutschgefahr sinke.

„Holzspäne tun dies nicht in ausreichendem Maß und sind deshalb ungeeignet“, hat die dreifache Mutter ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm recherchiert. Sand, zum Beispiel Quarzsand, verbinde sich ideal mit dem Umfeld, reichere die Ritzen zwischen den Bodenplatten an oder den Erdboden, was ihn unter Umständen sogar verbessere. Split lasse sich zusammenkehren und beim nächsten Schneefall wiederverwenden, setzt „ZW vernetzt“ auch hier auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. Was im Falle von eigens hergestelltem Granulat oder energieintensiv hergestelltem Streumittel wie Blähton nicht der Fall sei.

Nähere Infos gibt es auf www.zw-vernetzt.de sowie unter www.ubzzw.com.

Richtlinen des UBZ: Weder Gesetzgebung noch Rechtsprechung geben ein bestimmtes Streugut zwingend vor. Es ist aber darauf zu achten, als Streumittel grundsätzlich solche einzusetzen, die zur Gefahrenbeseitigung beitragen. Insoweit ist die wichtigste Anforderung an den Streustoff, dass er wirksam sein muss, die Glätte zumindest deutlich zu vermindern. Andererseits soll der Streustoff auch Umwelt und Umfeld schonen. Diesen Anforderungen genügen in der Regel abstumpfende Mittel, insbesondere Asche, Sand, Sägemehl, Granulat.

Die Grundstückseigentümer müssen ab 7 Uhr bis 20 Uhr die Gehwege von Schnee und Eis befreien. Der UBZ weist darauf hin, dass nach der Straßenreinigungssatzung ordnungswidrig handelt, wer der Schneeräumungs- und Streupflicht nicht oder nicht in vollem Umfang und nicht in der vorgeschriebenen Art nachkommt.

Der UBZ selbst startet mit den Streu- und Räumarbeiten an den verkehrswichtigen und gefährlichen Straßen je nach Wetterlage morgens um vier Uhr, an Sonn- und Feiertagen um sechs Uhr. Abends endet der Winterdienst spätestens um 22 Uhr. Das Taumittel in den Streufahrzeugen ist eine Salz-Lauge Mischung, sogenanntes Feuchtsalz 30 (das Mischungsverhältnis beträgt 30 Prozent Sole und 70 Prozent Auftausalz). Bei Temperaturen bis minus fünf Grad werde eine reine Lauge (Salz-Wassermischung ) verwendet. Da die Salzlösung später gefriere als reines Wasser, senkt die Lauge den Gefrierpunkt ab.