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Bürger-Wut über Ausbaupläne für Deponie

Bürger-Wut über Ausbaupläne für Deponie

Mit zahlreichen Sach-Erläuterungen warben Fachleute gestern beim Infoabend in Mörsbach um Verständnis für den Ausbau der Mülldeponie. Mehrere Bürger-Fragen nach den politischen und wirtschaftlichen Gründen hierfür ließen Stadtspitze und UBZ unbeantwortet.

Jung und Alt, Männer und Frauen: Das Publikum gestern in Mörsbach war für eine Bürgerversammlung ungewohnt vielfältig. Foto: lf Foto: lf

Die beiden Pläne für eine Erweiterung der Mülldeponie bei Mörsbach sowie die Behandlung gefährlicher Stäube in der neuen "Konditionierungsanlage" sind gestern bei einem Informationsabend in dem Zweibrücker Vorort auf massive Bürger-Proteste gestoßen. Die Sitzplätze reichten nicht aus in der Mörsbacher Sporthalle, etwa jeder Dritte der rund 200 gekommenen Bürger musste stehen.

Bereits beim ersten Vortrag schlugen die Wellen der Empörung hoch. Detlef Asmus von der "Asmus + Prabucki-Ingenieure Beratungsgesellschaft" betreut als Projektsteuerer die Erweiterung. Asmus versuchte anhand zahlreicher Daten und Erläuterungen deutlich zu machen, warum keinerlei Gefahr von der Erweiterung ausgehe. Doch Asmus wurde schon früh von teils erregten Fragen unterbrochen. Der erste Bürger, der sich meldete, sagte: "Sie haben technisch erklärt - aber nicht, warum das nötig ist!" Die Deponie sei zu einem "Moloch" gewachsen: "Wenn jetzt gebaut wird, wird wieder neuer Müll von irgendwoher angekarrt. Mörsbach ist für ewig verdammt, den Stoff aus ganz Europa, den keiner will, hier aufzunehmen." Später fragten noch mehrere weitere Bürger, warum in Zweibrücken nicht nur Müll aus der Region deponiert werde, sondern zum Beispiel auch aus Italien. Der Anteil des auswärtigen Mülls solle öffentlich beziffert werden. Antworten zu all diesen politischen Fragen gab es keine: UBZ-Vorstandschef Werner Boßlet (der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken betreibt die Deponie) sagte kein einziges Wort, und auch Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) äußerte sich nicht inhaltlich zu den Deponie-Plänen. Der Bürger-Unmut darüber wurde in mehreren Fragen, Zwischenrufen und Gesprächen nach dem Veranstaltungsende deutlich. Ungehört verhallte auch der Bürger-Appell: "Wir reden jetzt schon eine Stunde über den Bauplan einer Mülldeponie. Wir sollten endlich zu dem Punkt kommen, um den es geht!" Asmus erklärte lediglich, Deponien seien verpflichtend ("Sie müssen den Müll aus der Region entsorgen können") und deutete an, Deponien kosteten viel Geld: Unternehmen wie der UBZ müssten, wenn sie die Müllgebühren nicht erhöhen, "auch wirtschaftlich bleiben". Ein Bürger formulierte das so: "Die Stadt ist hoch verschuldet, deshalb brauchen wir die Deponie-Erweiterung, das ist die Sache! Das sagt Boßlet doch auch in der Zeitung. Das sind die Totengräber von Mörsbach!"

Erweitert werden soll die Deponie in einem früher bereits genutzten Bereich. Der Müll dort (drei Millionen Kubikmeter) musste wegen mangelnder Abdichtung von 1996 bis 2011 umgelagert werde. Hier sollen künftig bis zu vier Millionen Kubikmeter neue Abfallstoffe abgelagert werden. Auf dem bisherigen Deponiegelände ist laut Asmus nur noch Platz für 0,9 Millionen Kubikmeter. Mehr Anliefer-Verkehr drohe nicht durch die Erweiterung. Und 95 Prozent der Laster (von insgesamt täglich 80) führen nicht durch Mörsbach, sondern kämen von Zweibrücken, versuchte Asmus die Bürger zu beruhigen. Auf den Geländetrichter würden mehrere Lagen Abdichtungen mit unterschiedlichen Materialien aufgebracht, sodass kein belastetes Wasser versickern könne. Erweitert werden in Mörsbach "mit hohen Sicherheitsstandards nach dem aktuellen Stand der Technik", das sei ganz anders als früher: "Die Abfälle werden heute so behandelt, dass es keinerlei Auswirkungen auf die Umgebung gibt." Ein Bürger meinte, er glaube ja, dass alle Grenzwerte und Gesetze eingehalten würden. Aber: "Was ist denn, wenn im Betrieb menschliche Fehler passieren oder es einen Brand gibt?" Asmus antworte: "Die Thematik, dass es brennt, ist 20 Jahre her" - und erntete damit angesichts mehrerer Brände in der Mörsbacher Deponie in den letzten Jahren ungläubiges Gelächter.

Am Deponie-Eingang hat die Homburger Firma Terrag bereits eine 2013 gebaute "Konditionierungsanlage" in Betrieb genommen. Darin werden vor allem schwermetallhaltige Flugaschen und Rückstände aus Gießereien oder Kohlekraftwerken mit Wasser gebunden, sodass sie danach deponiert werden können, erläuterte Terrag-Geschäftsführer Gerhard Scherer. Der Betrieb mit nicht gefährlichen Stoffen ist bereits genehmigt. Überschreiten diese bestimmte Mengenkonzentrationen, gelten sie nach EU-Recht als gefährlich, hierfür läuft nun das Genehmigungsverfahren. > Bericht folgt