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Bürger für Flughafen-KooperationDéjà-vu-Erlebnis mit neuer Perspektive

Bürger für Flughafen-KooperationDéjà-vu-Erlebnis mit neuer Perspektive

Zweibrücken/Ensheim. "Noch keine Vorentscheidung ist gefallen, wo künftig welche Flüge stattfinden, sagte der rheinland-pfälzische Staatssekretär" über die angestrebte Kooperation der Nachbarflughäfen Saarbrücken-Ensheim und Zweibrücken. Gemeinsam mit dem Saarland wolle man "prüfen, wie die Flughäfen in einer gemeinsamen Gesellschaft zusammengeführt werden können"

Zweibrücken/Ensheim. "Noch keine Vorentscheidung ist gefallen, wo künftig welche Flüge stattfinden, sagte der rheinland-pfälzische Staatssekretär" über die angestrebte Kooperation der Nachbarflughäfen Saarbrücken-Ensheim und Zweibrücken. Gemeinsam mit dem Saarland wolle man "prüfen, wie die Flughäfen in einer gemeinsamen Gesellschaft zusammengeführt werden können". Einig waren sich die Politiker, "an keinem Ort den Flughafen zu schließen und das Gebäude für andere Zwecke zu nutzen", auch wenn das Gutachter wirtschaftlich für sinnvoll gehalten hatten. Ziel sei vielmehr "eine Vorwärtsstrategie, um Zweibrücken und Saarbrücken unter einem Dach zusammenzubringen", sagten die Landes-Verkehrsminister. Der "Saar-Pfalz-Airport" solle "ein Flughafen mit zwei Standorten werden, um Synergien zu nutzen". Durch eine gemeinsame Geschäftsführung könne man jährlich bis zu 750 000 Euro sparen.Zitate aus der gemeinsamen Presseerklärung der Saarbrücker und Mainzer Verkehrsministerien von diesem Mittwoch? Nein. Auch wenn dort inhaltlich das Gleiche steht. Sondern Zitate aus dem Pfälzischen Merkur Ende 2001/Anfang 2002, als die Nachbarländer schon einmal mit großem Trara eine Flughafen-Ehe angekündigt hatten. Doch der Streit wurde schon in den Flitterwochen so heftig, dass weiter von einem "Flughafen-Krieg" gesprochen wurde.

Jetzt, ein knappes Jahrzehnt später, also ein neuer Anlauf. Nur Polit-Theater, um die Steuerzahler in den beiden Ländern zu beruhigen, die die Defizite (im Jahr 2009 in Zweibrücken 4,2 Millionen Euro, in Ensheim 9,3 Millionen Euro) tragen müssen? Nein. Denn seit 2002 haben sich die Rahmenbedingungen entscheidend verändert. Zum einen fliegerisch: Der Flughafen Zweibrücken, damals praktisch ohne Linien- und Charterflugverkehr, ist heute dank Tuifly d e r Ferien-Airport für Pfälzer wie Saarländer. Und Tuifly hat den Wechsel von Ensheim nach Zweibrücken mit der höheren Wirtschaftlichkeit (und Sicherheit) durch die längere Bahn in Zweibrücken begründet. Der Druck zur Kooperation im Saarland ist also gewachsen, wenn man am Ende nicht ganz ohne Einfluss auf einen Flughafen dastehen will.

Zum anderen ist der Druck zur Kooperation auch politisch entscheidend gewachsen. In Rheinland-Pfalz regieren jetzt die Grünen mit, die seit Jahren für eine Streichung der Flughafen-Subventionen kämpfen - ein Damoklesschwert über Zweibrücken. Hinzu kommt die Schuldenbremse, welche die "Nehmerländer" Rheinland-Pfalz und Saarland besonders hart trifft. Vor allem das hoch verschuldete Saarland - dort gibt es neuerdings beim Sparen heute keine Tabus mehr: Von Millionen-Kürzungen im Bildungsbereich bis hin zur Schließung der Mediziner-Ausbildung reichen die Vorschläge der Spar-Gutachter.

Die 2001 begonnenen Kooperationsbemühungen hatte Rheinland-Pfalz 2007 abgebrochen, weil das Saarland trotz laufender Verhandlungen Pläne vorantrieb, für 50 Millionen Euro die Ensheimer Landebahn zu verlängern. Das ist schon lange vom Tisch. Der neue Kooperations-Anlauf wird zu keiner Liebes-Hochzeit führen. Aber ein Zweckbündnis ist näher denn je.Zweibrücken. Die Flughäfen Zweibrücken und Saarbrücken sollen kooperieren, haben die Verkehrs-Staatssekretäre beider Länder angekündigt. Möglichst nach dem Modell "ein Flughafen, zwei Landebahnen". Diese Nachricht wurde gestern in der Zweibrücker Fußgängerzone mit Zustimmung, teils aber auch Skepsis aufgenommen.

Wolfgang Schwarz (Fotos: lf) ist schon von beiden Flughäfen aus geflogen: "Zweibrücken ist für mich günstiger, weil ich hier wohne. Außerdem kosten die Parkplätze hier ja nichts - vorläufig." Eine Kooperation mit zwei Standorten fände er sinnvoll, aber: "Ich glaube nicht daran, denn die Region ist zu klein für zwei Flughäfen." Schon heute parkten am Zweibrücker Airport sehr viele Saarländer.

Rudi Agne aus Contwig kann sich "nicht vorstellen, wie ein Flughafen mit Landebahnen an zwei verschiedenen Orten funktionieren soll - eine gemeinsame Verwaltung wäre aber okay". Skeptisch ist der 63-Jährige, ob eine Kooperation insgesamt mehr Flugverkehr bringt: "Wie soll das funktionieren?" Er erwartet, "dass sich am Ende doch herauskristallisiert, dass ein Standort bevorzugt wird."

Eugen Zwenger aus Pirmasens fände eine Kooperation "gar nicht mal so schlecht, Zweibrücken hat ja richtig Potenzial, und auch in Saarbrücken kann sich ja noch mehr entwickeln".

Gerhard Schmidt aus Battweiler hält eine Kooperation für sinnvoll, doch müsse es eine klare Absprache über das Geschäft geben, damit sich die Kooperation rechne: "Der eine macht Fracht, der andere Passagiere." Für Letzteres sei Saarbrücken wegen "der besseren Infrastruktur wahrscheinlich besser geeignet".

Heidi Beer aus Zweibrücken sagt über eine Kooperation: "Schön wäre es, wenn man nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeitet - aber in der Vergangenheit haben sich die Gespräche ja schon mal festgefahren." Man solle die jeweils vorhandenen Flugstrecken erhalten, könne bei einer Kooperation sicher aber auch neue Ziele anfliegen, statt sich auf den gleichen Routen Konkurrenz zu machen. Manfred Bastian aus Breitfurt sagt mit Galgenhumor: "Dank des herausragenden Egoismus gebe ich der Kooperation so wenig Chancen wie dem Steuervereinfachungskonzept des Professors aus Heidelberg. Die Politik ist zu eingefahren. Auch der Bahnstrecke Zweibrücken-Homburg hat es ja ,sehr geholfen', dass jetzt im Saarland Jamaika und in Rheinland-Pfalz Rot-Grün regiert." Er befürchte, dass auch die neuen Kooperationsgespräche "im Sande verlaufen, denn keiner will doch was abgeben".

Petra Schäfer aus Zweibrücken meint: "Man hätte die Kooperation schon viel früher machen sollen. Ob es jetzt noch klappt?" Zweibrücken habe dabei "die längere Bahn und bessere Bedingungen". Realistischer als zwei Standorte fände sie einen regionalen Flughafen.

Hintergrund

Steuergeld sparen: Der Zweibrücker Flughafen-Geschäftsführer Werner Boßlet bewertete die Kooperationsgespräche mit Saarbrücke positiv: "Man sollte jede Chance, Steuergelder zu sparen, ergreifen." Darum müsse nun alles mit aller Ernsthaftigkeit durchdacht und überprüft werden. Das erklärte Ziel sei es, beide Flughafen-Standorte zu stärken.

Standorte unverzichtbar: Der rheinland-pfälzische Infrastruktur-Staatssekretär Jürgen Häfner betont in seiner gemeinsamen Presseerklärung mit seinem saarländischen Kollegen Peter Hauptmann (wir berichteten), der Flughafen Zweibrücken sei mit seinem Vier-Säulen-Konzept aus Flugbetrieb, Multimedia-Internet-Park, Style Outlets und dem Freizeit- und Tourismussektor "ein bundesweit beachtetes Vorzeigemodell und für die Entwicklung des Gewerbestandortes unverzichtbar". Hauptmann hob hervor, der Flughafen Saarbrücken sei "ein entscheidender Standortfaktor und eine wichtige Säule der saarländischen Verkehrsinfrastruktur, jetzt und in der Zukunft". gda/lf