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Bündnis Buntes Zweibrücken organisiert Menschenkette: Protest gegen Neonazis

Menschenkette, Kundgebung und Mahnwache gegen „Trauermarsch“ von „Nationalem Widerstand Zweibrücken“ : Drei Demos gegen rechtsextremen Marsch

Das „Bündnis Buntes Zweibrücken“ ruft unter dem Motto „Jetzt reicht’s! Schluss mit rechter Gewalt“ die Bürger auf, am Samstag in der Fußgängerzone eine Menschenkette zu bilden (mit Zwei-Meter-Abstand-Schals). Angekündigt hat sich auch der gesamte Stadtvorstand.

„Die Nazis hinterließen in Deutschland und Europa verbrannte Erde und nun laufen sie schon wieder mit Fackeln durch unsere Stadt.“ Das empört die Bürgerinitiative „Bündnis Buntes Zweibrücken“. Denn am Samstagabend, 19. September, holt der rechtsextremistische „Nationale Widerstand Zweibrücken“ seinen am 14. März coronabedingt ausgefallenen „Trauermarsch“ anlässlich des 75. Jahrestags der Bombardierung Zweibrückens im Zweiten Weltkrieg nach.

Das Bündnis ruft deshalb unter dem Motto „Jetzt reicht’s Schluss mit rechter Gewalt!“ zu einer Menschenkette in der Fußgängerzone auf. Damit dabei der Corona-Schutz gewahrt bleibt, sollen alle Teilnehmer Masken tragen – und zwei Meter lange bunte Bänder oder Schals mitbringen, die dann zwischen die Menschen gespannt werden. „Jeder kann sich auch spontan einreihen, wir haben ein paar Bänder dabei“, sagt die Bündnis-Vorsitzende Ingrid Satory. Sie rechnet mit 50 bis 100 Teilnehmern. Treffpunkt ist am Samstag um 11 Uhr am Brunnen auf dem Hallplatz.

Rechtsextremisten hätten seit 1990 in Deutschland 208 Menschen getötet, erinnert Satory. Beunruhigend finde sie auch aktuelle Berichte über Waffenfunde sowie rechtsextreme Netzwerke bei Bundeswehr und Polizei. Ist auch die Tötung eines 40-jährigen Nachbarn durch einen langjährigen Aktivisten des „Nationalen Widerstands Zweibrücken“ ein Anlass für den Aufruf „Schluss mit rechter Gewalt!“? Satory antwortet: „Nein – weil man noch nicht weiß, ob das einen politischen Hintergrund hatte.“ Auf dem Hallplatz werde für das Bündnis der stellvertretende Vorsitzende Klaus Weber eine kleine Rede halten, sagte Satory am Donnerstagmittag.

Weber wird aber nicht der einzige Redner bleiben: Am Nachmittag teilte die Zweibrücker Beigeordnete Christina Rauch (CDU) mit, Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) werde „als Vertreter der Stadt Zweibrücken ein Grußwort halten“. Auch sie und Bürgermeister Christian Gauf (CDU) „werden an der Kundgebung teilnehmen“.

Für den 14. März hatten Stadt und Bündnis eine gemeinsame Kundgebung „Gesicht zeigen – genau hinsehen“ geplant, doch dann kam Corona dazwischen. Damals wollte Rauch für den Stadtvorstand sprechen, da Wosnitza in Australien war. Rauch schreibt nun auf Merkur-Anfrage: „Wir strebten an diesem Tag an, zusammen Gesicht zu zeigen und hinzuschauen, um gegen das Vergessen anzukämpfen, Missstände aufzuzeigen und gemeinsam für eine bessere Gesellschaft zu handeln. Unser aller Auftrag ist es, unsere gewachsene Demokratie mit Leben zu füllen, sie besser zu machen, für unser großartiges Konstrukt bei Jung und Alt zu werben und sie gegen antidemokratische Strömungen zu verteidigen und ihre Ausbreitung zu unterbinden. Zum Glück lässt es die aktuelle Situation wieder zu, solche Kundgebungen durchzuführen, zusammen vor Ort Gesicht zu zeigen. Persönlich freut mich das.“

Die „Linksjugend ’solid Zweibrücken-Pirmasens“ (Jugendorganisation Die Linke) demonstriert von 14.30 bis 17 Uhr auf dem Alexanderplatz unter dem Motto „Solidarität statt Hetze! – Gegen Naziaufmärsche in Zweibrücken und überall“ und rechnet mit 100 Teilnehmern. In dem Aufruf heißt es: „Wenn die Braunen aufmarschieren, ist es an uns allen, dagegen entschieden zu widersprechen und uns im öffentlichen Raum sichtbar und lautstark zu positionieren.“ Als Redner fest stehen bislang Christian Fink (’solid), Thorsten Spelten (Die Linke) und Walter Rimbrecht (SPD).

„Die Partei“ ruft für 16 bis 20 Uhr zu einer „Mahnwache des bewaffelten Widerstands“ auf. „Wir möchten an die Gewaltbereitschaft des NWZ sowie die Gräueltaten ihrer geistigen Großväter erinnern“, heißt es in dem Aufruf. „Hierzu laden wir alle Demokratieliebenden in die Ritterstraße (an der ehemaligen Synagoge) ein, mit uns ein Zeichen gegen nationalsozialistische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu setzen.“ Die Satirepartei rechnet mit 10 bis 15 Teilnehmern. Bündnis-Sprecherin Satory hofft, dass die Mahnwache verhindert, dass der Neonazi-Fackelmarsch am Standort der 1938 von den Nazis abgebrannten Synagoge vorbeikommt.

Der „Trauermarsch“ der Kameradschaft „Nationaler Widerstand Zweibrücken“ (18 bis 20.30 Uhr) steht unter dem Motto „Im Gedenken an den Massenmord durch die Alliierten am deutschen Volk. Kein Vergeben, kein Vergessen“. Die laut Anmeldung 35 Teilnehmer ziehen vom Schlossplatz aus durch die Innenstadt bis zum Alexanderplatz.

Coronaschutz-Auflagen wie Abstand halten und Mund-Nasen-Bedeckung gelten für alle vier Demonstrationen.