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Brisanter Fund unter Himmelsbergbrücke

Brisanter Fund unter Himmelsbergbrücke

Arbeiter stoßen auf Tausende illegal entsorgte Spritzen, davon zahlreiche benutzte. Es gibt noch keine Hinweise auf Täter.

Kraftakt: Hannes Proft zieht mit der Seilwinde die von Daniel Sievers gerade gelöste Baumwurzel an der Böschung nach oben. Im Hintergrund das neue Stahlnetz. Fotos: Volker Baumann

Einen Schock erlebten die Arbeiter an der Himmelsbergbrücke in den vergangenen Tagen: Beim Beseitigen des Gestrüpps stießen sie auf eine gewaltige Menge an Spritzen und Kanülen. Zum Teil lagen sie in offenen Plastikbeuteln unter der Brücke, zum Teil sind sie dort lose entsorgt worden. Gefährlich war der Fund, weil zahlreiche der Spritzen und Kanüle benutzt waren.

"Zum Glück haben wir Spezialschuhe bei unserer Arbeit an, aber selbst unsere Handschuhe hätten den Einstich einer Spritze nicht verhindern können", berichtete Hannes Proft von der Firma Königl aus Würzburg, die für die Befestigungsarbeiten an der zu sanierenden Himmelsbergbrücke zuständig ist, bei einem Baustellenbesuch unserer Zeitung. Glücklicherweise sei nichts passiert, sagte der Arbeiter. Zudem seien die Männer, als sie auf die ersten Spritzen und Kanülen stießen, extrem vorsichtig gewesen.

Rasch wurde den Arbeitern klar: Die Himmelsbergbrücke unterhalb des Evangelischen Krankenhauses hat nicht nur Fußgängern zum Überqueren des Bahneinschnitts an der alten B 10 gedient, sondern ist auch wiederholt Tatort illegaler Müllentsorgung gewesen: Denn offensichtlich wurden die Spritzen und Kanülen von der Brücke aus weggeworfen. Neben diesen gefährlichen Hinterlassenschaften stießen die Arbeiter in den vergangenen Tagen auch auf alle mögliche Arten von Hausmüll.

Polier Daniel Sievers sagte gestern im Gespräch mit dem Merkur, dass sein Unternehmen nicht für die Entsorgung all dieses illegal weggeworfenen Mülls zuständig sei. Die Bauleitung sei informiert worden, sagte Sievers.

Tausende Spritzen und Kanülen, zahlreiche davon benutzt im Gestrüpp und Untergrund - ein gefährlicher Fund. Doch weder Ordnungsamt noch Polizei noch Gesundheitsamt konnten gestern auf Anfrage dazu etwas sagen - allesamt erfuhren sie erst vom Merkur davon. Heinz Braun, Sprecher der Stadtverwaltung, zeigte sich verwundert. Der UBZ überwache die Arbeiten an der Brücke, der zuständige Ingenieur des Umwelt- und Servicebetriebs sei erst gestern Mittag noch an der Brücke gewesen, um dort nach dem Rechten zu schauen, er habe nichts davon mitbekommen.

Das bei der Kreisverwaltung in Pirmasens angesiedelte Gesundheitsamt, das auch für Zweibrücken zuständig ist, werde prüfen, inwiefern die Behörde nun gefragt sei, erklärte Ulla Eder, Sprecherin des Kreises.

Die Brücke aus den 60er Jahren ist marode, sie muss abgerissen und durch eine neue ersetzt werden. Mitte April starteten die Arbeiten, die bis November dauern sollen und mit zwei Millionen Euro veranschlagt sind. Zunächst musste die Böschung am Bahneinschnitt auf einer Länge von 30 Metern mit einem Fangzaun gesichert werden, um die Gefahr durch herunterfallendes Gestein zu vermeiden. Aktuell wurde dieses Stahlnetz fertiggestellt, es wurde in den vergangenen Tagen errichtet und gespannt. Das Netz ist mit 500 Kilojoule belastbar, es halte extrem lange, nicht nur bis zur Fertigstellung der neuen Brücke, erklärten die Arbeiter.

Eine Gefahr für den unter der Brücke verlaufenden Bahnverkehr habe nie bestanden, erklärten die Arbeiter gestern weiter.