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Kooperation mit dem Saarland im Gespräch: Bombenverdachts-Fälle schneller klärbar?

Kooperation mit dem Saarland im Gespräch : Bombenverdachts-Fälle schneller klärbar?

Nach Alarm bei John Deere: Christoph Gensch regt Kooperation mit dem Saarland an. Päckchen-Herkunft noch unklar.

Wer hat Donnerstagnacht gegen 3.30 Uhr das leere Weihnachtspäckchen vor dem Zweibrücker John-Deere-Werk abgelegt, das stundenlang die Produktion lahmlegte, weil befürchtet worden war, es könne eine Bombe enthalten? Auf diese Frage hatte die Zweibrücker Polizei auch am Tag danach noch keine Gewissheit. Bislang haben sich keine Zeugen gemeldet. Inspektionsleiter Matthias Mahl wiederholt auf Merkur-Anfrage zwar, es sei „wahrscheinlich“, dass das Päckchen vom Ernstweiler Weihnachtsbaum stamme. „Aber das ist nicht ganz sicher, weil dort an den Päckchen das Verpackungsmaterial und auch die Schleifen etwas anders sind.“

Weil das Ablegen eines leeren Päckchens „kein Straftatbestand“ sei, führe die Polizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft keine Ermittlungen im strafrechtlichen Sinn. Allerdings werde noch geprüft, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliege, „und wir haben das Paket sichergestellt und werden es auch noch spurentechnisch untersuchen“.

Dass sich der Päckchen-Deponierer selbst noch nicht gemeldet hat, könnte nicht nur an der Sorge vor einem Bußgeld liegen: Der Polizei-Einsatz – neben Zweibrücker Polizisten waren auch Beamte des Landeskriminalamts (LKA) aus Mainz vor Ort – war nämlich teuer. Wie teuer, will Mahl nicht öffentlich machen. Sollte der Ableger gefunden werden, werde die Polizei aber „sicher prüfen, das demjenigen in Rechnung zu stellen“. John Deere habe zwar die Polizei gerufen, bekomme aber „sicher keine Rechnung, weil sie ja nicht der Verursacher des Alarms waren.“ Es sei in Fällen wie diesen auch auf jeden Fall richtig, die Polizei zu informieren erklärt Mahl. Er rate Firmen und auch Bürgern, „wenn sie in irgendeiner Form unsicher sind, ob wegen eines unbekannten Gegenstands eine Gefahr besteht, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die Polizei anzurufen“.

John Deere ist noch dabei, die Kosten des über vierstündigen Produktionsausfalls – das Werk wurde bis zur Entwarnung durch das LKA evakuiert – zu beziffern, berichtet Werkleiter Linus Baumhauer auf Anfrage. Gegen solche Fälle höherer Gewalt könne man sich auch nicht versichern. Dass die verlorene Zeit nachgearbeitet werden müsse (wir berichteten), bedeute nur, dass die liegengebliebene Arbeit an neuen Landmaschinen nachgeholt werden müsse: „Natürlich kriegen unsere Leute aber Geld für die Zeit“ am Donnerstag, als sie nicht arbeiten konnten. Die rund 700 betroffenen Mitarbeiter hätten sich „alle vorbildlich verhalten“, lobt Baumhauer. Dass bei John Deere als Firma aus den USA die Vorsicht bei einem Anschlagsverdacht besonders hoch sei, „glaube ich weniger, die komplette Gesellschaft ist da sensitiver geworden“, sagt Baumhauer. Wie wohl alle großen Firmen in Deutschland habe auch das Zweibrücker John-Deere-Werk für Fälle wie den Fund eines verdächtigen Objektes „Standardprozesse und eine Meldekette, der wir auch diesmal gefolgt sind und die jährlich überprüft wird – denn die Sicherheit der Mitarbeiter steht bei uns an allererster Stelle“.

Betriebsrat Roland Heitmann berichtet über „großes Unverständnis in der Belegschaft, dass jemand mit dem abgelegten Päckchen so einen ,Scherz’ macht – wir haben nur Nachteile durch so eine Sache, müssen eventuell deshalb sogar eine Samstags-Schicht machen“. Was laut Baumhauer aber wohl vermieden werden kann.

Der Produktionsausfall wäre deutlich kürzer gewesen, hätten nicht erst die LKA-Beamten anderthalb Stunden aus Mainz anfahren müssen. Zweibrückens Polizeichef Mahl sagte zu dieser Frage, mobile Durchleuchtungsgeräte habe nur das LKA, im Polizeipräsidium Westpfalz gebe es keins. Landes-Innenministerium und LKA klären derzeit noch, wer auf Merkur-Anfrage hierzu Stellung nimmt. Hält der Zweibrücker Landtagsabgeordnete es für sinnvoll, auch in der Westpfalz ein solches Röntgengerät vorzuhalten? Christoph Gensch (CDU) antwortet mit einer anderen Option: „Das ist für mich ein weiteres Beispiel, wo eine länderübergreifende Zusammenarbeit sinnvoll wäre. Wenn es in Saarbrücken ein solches Gerät gibt, wäre der Weg nach Zweibrücken deutlich kürzer als von Mainz – wegen eines verdächtigen Päckchens 140 Kilometer aus Mainz hierherzufahren, ist eine unverhältnismäßig weite Strecke, wenn man eine Alternative hätte“.