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Boden in Luitpoldstraße chemisch belastet

Boden in Luitpoldstraße chemisch belastet

Der Interessent für das Ex-Raiffeisen-Gelände in der Luitpoldstraße muss sich noch eine Weile gedulden. Der Boden dort ist mit Düngemittel-Schadstoffen belastet, Raiffeisen muss ihn sanieren. Und auch die Stadt hat noch Aufgaben zu machen, Stichwort: Einzelhandelskonzept.

Es war eine Randnotiz im Zweibrücker Stadtrat, die am Mittwoch hellhörig gemacht hat: Der Boden im früheren Raiffeisen-Gelände an der Luitpoldstraße ist mit Schadstoffen stark belastet, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd eingeschaltet.

Dieses Verfahren in der Schwebe verhindere mit, dass die Stadt die Grenzen der Innenstadt in einem überarbeiteten Einzelhandelskonzept erweitert. Und das Ex-Raiffeisen-Gelände damit für Unternehmen relevant macht, die dort wegen des gültigen Einzelhandelskonzepts und der Zweibrücker Liste ihre Waren im Moment nicht anbieten dürfen. Immerhin, so konkretisierte Stadtsprecher Heinz Braun gestern die Ausführungen von Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) aus der Ratssitzung, wollte sich seit 2014 ein Unternehmen genau an dem Standort gegenüber der Firma Weinmann ansiedeln.

Doch was steckt hinter den Bodenverschmutzungen und welche Gefahren gehen von ihnen aus? Stadtsanierer Harald Ehrmann hatte in der Ratssitzung erklärt, dass die Stadt das Gelände 2004 von der Bahn gekauft habe. Bewirtschaftet wurde es von Raiffeisen, das es nach dem Umzug an den Etzelweg zurückgebaut habe. Die Stadt ließ das Gelände als Neubesitzer umwelttechnisch durchchecken - und fand Auffälligkeiten. Die SGD Süd teilt dazu auf Anfrage mit, dass sie seit vergangenem Jahr eine rechtliche Prüfung durchführt, darunter einen Erlass eines Sanierungsbescheides gegenüber der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ). SGD-Sprecherin Nora Schweikert erläutert, dass man dort, wo früher das Düngemittellager untergebracht war - also im Ex-Raiffeisenmarkt schräg gegenüber von Weinmann an der Einmündung der Ritterstraße -, eine "flächenhafte Belastung mit Düngernährstoffen nachgewiesen" habe. Der Boden sei mit Chlorid, Ammonium und Nitrat belastet, das oberflächennahe Grundwasser zusätzlich mit Sulfat, wie jährliche Untersuchungen zwischen 2011 und 2014 ergeben hätten.

Schweikert: "Eine gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung besteht nicht, denn das tiefe Grundwasser ist nicht betroffen." Noch. Denn ohne entsprechende Maßnahmen drohen die Schadstoffe genau dorthin vorzudringen. Daher hat die SGD Süd laut Schweikert der RWZ ins Aufgabenbuch geschrieben, Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. Diese könnten darin bestehen, dass der Boden komplett abgetragen und durch neuen ersetzt wird. Oder dass in den Boden eine wasserundurchlässige Oberflächenversiegelung eingezogen wird - ähnlich der, die man von der Mülldeponie kennt. Dann könnte das Gelände neu bebaut werden, wenngleich laut Schweikert weiter überwachende Grundwasseruntersuchungen nötig würden. Die RWZ habe ein Ingenieurbüro beauftragt, das einen genehmigungsfähigen Sanierungsplan erarbeite. Wie lange das dauert, wusste Schweikert nicht.