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Bluttat in Marienstraße: Freund des Getöteten sagt vor Gericht aus

Totschlags-Prozess vor Landgericht Zweibrücken : „Er ist in meinen Armen verblutet“

Das Landgericht Zweibrücken hat am Mittwoch die Verhandlung gegen einen 35-Jährigen fortgesetzt, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, einen 40-jährigen Nachbarn erstochen zu haben.

„Der hat meine Wohnung gestürmt. Sowas kann ich mir doch nicht bieten lassen“, waren die ersten Worte nach seiner Festnahme, die der 35-jährige Metzger gegenüber einer herbeigerufenen Streifenwagenbesatzung an jenem Sommerabend des 16. August 2020 geäußert hatte.

Als die Beamten den Beschuldigten später im Polizeiauto darüber informierten, dass der zuvor von ihm attackierte Mann verstorben sei, habe der 35-Jährige gesagt, es täte ihm „im Nachhinein leid“, wie ein 36-jähriger Hauptkommissar der Polizeiinspektion in Zweibrücken am Mittwoch vor dem Landgericht Zweibrücken berichtete. Er war einer jener Beamten, die zuerst in der Marienstraße eingetroffen und nach Zeugenhinweisen die Verfolgung des Beschuldigten aufgenommen hatten. Der 35-Jährige habe sich etwa 120 Meter vom Tatort entfernt „widerstandslos“ festnehmen lassen, sagte der Polizist.

Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann hatte dem Zweibrücker zum Prozessauftakt Totschlag vorgeworfen. Demnach soll der 35-Jährige einen 40-Jährigen, der in einem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnte, mit einem Fleischermesser ins Herz gestochen haben. Der Bluttat soll „ein lautstarker Streit“ des Angeklagten mit seiner Mutter vorausgegangen sein, was die Nachbarschaft gegen ihn aufgebracht hatte. Dies habe unter anderem das spätere Opfer veranlasst, den Metzger aufzufordern, zu dieser späten Stunde Ruhe zu geben. Zu diesem Zeitpunkt hatte die 51-jährige Mutter nach aktuellem Ermittlungsstand die Wohnung ihres Sohnes bereits wieder verlassen.

Außer dem Polizeibeamten hörte das Gericht am Mittwoch, dem dritten Verhandlungstag, weitere Zeugen der Bluttat. So den Freund des getöteten 40-Jährigen, der gemeinsam mit ihm und dem Hauseigentümer den zunächst lautstark mit seiner Mutter streitenden und dann weiterhin schreienden Metzger beruhigen wollte, wie der 41-jährige Unternehmer vor Gericht angab. An jenen Abend seien er und sein Freund, mit dem er gemeinsam in einer Band spiele, von einem Auftritt in Birkweiler an der Südlichen Weinstraße zurückgekehrt. Beide Männer leben im selben Haus in der Marienstraße, das dem Unternehmer gehört und in dem sowohl er als auch der 40-Jährige je eine Wohnung haben – der eine im Erdgeschoss, der andere zur Miete unterm Dach. Als aus der Wohnung des Metzgers im Haus auf der anderen Straßenseite weiterhin „Geschreie“ zu hören war, habe sich das Duo auf Initiative seines Freundes entschlossen „rüberzugehen“, um den Ruhestörer zur Räson zu bringen. Zumal, wie sein Freund ihm erzählt habe, der Mann von gegenüber nicht „nur“ laut, sondern auch gewalttätig sei. Der 40-jährige habe beim Rübergehen behauptet: „Der schlägt seine Mutter.“

Wie sich dann aber herausstellte, hatte der Metzger an jenem Abend nicht der Mutter, sondern seinem Vermieter, einem 41-jährigen selbständigen Koch, eine Ohrfeige verpasst, als er ihn an dessen Wohnungstür aufgefordert hatte, doch endlich Ruhe zu geben. Gemeinsam mit dem Vermieter, der sein Haus inzwischen wieder verlassen hatte, habe man sich entschlossen, zu dritt „reinzugehen“.

Vor der Wohnungstür sei es dann zu einem Gerangel mit dem Krakeeler gekommen, der die drei Männer zunächst schubsend zurückdrängen und die Wohnungstür wieder zumachen konnte. „Dann haben wir alle gemeinsam die Tür eingetreten“, sagte der 41-Jährige. Die Tür sei „oben abgebrochen“ und dieser Teil dann in den Flur der kleinen Erdgeschosswohnung gestürzt.

Er und sein Freund hätten schließlich kurz die Wohnung betreten und auf den Mieter eingeredet, um sie „angeekelt“ schnell wieder zu verlassen: „Es war eine Messie-Wohnung, es hat gestunken, und überall stand Müll und nicht abgewaschenes Geschirr herum.“

Warum sein Freund dann umgekehrt und allein in die Wohnung des 35-Jährigen zurückgekehrt sei, könne er sich nicht erklären, sagte der 41-Jährige: „Irgendwas muss ihn getrieben haben.“ Wenig später sei sein Freund torkelnd aus der Metzger-Wohnung gekommen, von seinem Vermieter und einem weiteren Nachbarn aufgefangen und mitten auf die Straße gelegt worden. Dann, so der 41-jährige Unternehmer, sei das bis heute Unfassbare passiert: „Mein Freund ist in meinen Armen verblutet.“

Fortgesetzt wird die Verhandlung am Montag, 8. Februar, um neun Uhr.