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Bluttat in der Marienstraße: Bester Freund des Opfers berichtet von großer Anteilnahme

Bluttat in der Marienstraße : „Ich habe keine Tränen mehr“

Brutale Messerattacke bewegt die Menschen. Das 40 Jahre alte Opfer starb in den Armen seines besten Freundes Andreas Maurer.

In der Stadt Zweibrücken bestimmte auch am Donnerstag die brutale Messerattacke auf einen 40 Jahre alten Mann in der Marienstraße die Gespräche vieler Bürger. Die Anteilnahme ist groß. Immer mehr Details zu den Hintergründen der Messerattacke, bei der der 40-Jährige sein Leben lassen musste, wurden derweil am Donnerstag bekannt.

Der Pfälzische Merkur bat Andreas Maurer um eine Stellungnahme. Maurer wohnte zusammen mit dem Opfer in dem Haus gegenüber des Tatortes. Beide spielten gemeinsam in der Band Auszeit. Nicht nur das: „Es war mein bester Freund“, sagte Maurer im Gespräch mit unserer Zeitung. Maurer erklärte sich bereit, mit uns über die schreckliche Tat zu sprechen. „Damit alle sehen, was für ein feiner Mensch mein Freund war“, sagt Maurer.

Ihm kommt alles wie ein schrecklicher Albtraum vor. Unwirklich. „Am Sonntag hatten wir noch einen gemeinsamen Auftritt“, berichtet er. Die Band Auszeit war für ein Gastspiel in Birkweiler gebucht. Dort fand beim Weingut Siener ein Hoffest statt. Auszeit reiste mit großem Tross nach Birkweiler. Ein Bus mit 50 Anhängern der Band war gebucht, gemeinsam ging es von der Rosenstadt aus in den Winzerort.

„Der Auftritt in Birkweiler war für uns das kulturelle Highlight des Jahres“, sagt Maurer. Alle hätten sich darauf gefreut. „Das Weingut war voll, es war super Stimmung. Wir bekamen viel Beifall für unseren Auftritt.“

Wenige Stunden später geschieht dann das Unvorstellbare. Im Nachbarhaus ist, mal wieder, Schreierei. Die Mutter des Täters war bei diesem zu Besuch. „Dort gab es immer wieder Streitigkeiten, wenn die Mutter da war“, sagte Maurer. Er habe das in der Vergangenheit schon öfter mitbekommen.

Diesmal blieb es offenbar nicht bei einem verbalen Streit – „der Täter verdrosch seine Mutter“, sagte Maurer. Das habe ihm sein bester Freund an dem Abend gesagt. Und habe erklärt, dass er jetzt da rüber gehe, in der Hoffnung, den Streit schlichten zu können. Es war gegen 23.30 Uhr.

Der 40-Jährige ging in das Haus, aus dem die Schreie kamen. Was dann genau geschah, versuchen die Ermittler jetzt mühsam herauszufinden. Nach dem jetzigen Erkenntnisstand war die Mutter des 34 Jahre alten Täters nicht mehr anwesend, als der 40-Jährige das Haus betrat. Womöglich war sie da schon vor ihrem Sohn geflüchtet.

Plötzlich kam der 40-Jährige aus dem Haus. Er wankte. Blut trat aus einer massiven Wunde. Andreas Maurer und ein weiterer Mitbewohner waren inzwischen in Sorge über den Streit in der Nachbarschaft auf die Straße geeilt. Der 40-Jährige wankte Andreas Maurer entgegen. „Er starb in meinen Armen“, sagt Maurer.

Das Geschehene könne er kaum verarbeiten. Er habe psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Warum musste das geschehen? Warum musste es seinen besten Freund treffen?

Die Anteilnahme sei enorm. Über Facebook und WhatsApp seien inzwischen hunderte Beileidsbekundungen eingegangen. Der Bekanntenkreis des 40-Jährigen war groß. Alleine schon durch seine Tätigkeit als Musiker kannte er viele Menschen. Und die, die ihn kannten, scheinen ihn sehr gemocht zu haben. In den Beileidsbekundungen ist die Rede davon, welch ein toller Mensch der 40-Jährige war. Dass er hilfsbereit war. Sich um andere immer Gedanken machte.

Maurer sagte, viele würden fragen, wie man helfen könne. Schließlich hinterlasse sein bester Freund zwei Kinder. Es tue in all dem Schmerz gut, zu sehen, wie aufmerksam und hilfsbereit viele seien.

Was weiß Andreas Maurer von dem Täter aus der Nachbarschaft? Maurer sagt, der 34-Jährige habe sich immer wieder mit seiner Mutter gestritten. Er sei von Beruf Fleischer. Es sei bekannt gewesen, dass der 34-Jährige Mitglied beim rechtsradikalen „Nationalen Widerstand“ war. Er habe einen absolut unbeherrschten Eindruck gemacht.

Tatsächlich hat der 34-Jährige ein Schlachtermesser gezückt und es dem 40-Jährigen in die linke Brust gestochen. Ein unfassbar gewalttätiger Übergriff – den der Täter gegenüber dem Haftrichter damit erklärt, dass er in Verteidigungsabsicht gehandelt habe (wir berichteten).

Die Ermittler haben viel Arbeit vor sich. Das Ergebnis der Obduktion, das an diesem Freitag vorliegen soll, muss abgewartet werden. Ebenso ein psychologisches Gutachten des Täters. Und der Staatsschutz der Polizei prüfe inzwischen, ob es ein mögliches fremdenfeindliches Motiv gab.

Aktuell sieht Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann dieses nicht, wie er am Donnerstag dem Merkur erklärte. Aus der Biographie des Opfers ergebe sich derzeit kein Migrationshintergrund – was ein Motiv sein könnte.

Der Staatsschutz prüfe, ob, wie in Sozialen Medien diskutiert, der Täter noch beim „Nationalen Widerstand“ mitmischt. Nach eigener Aussage sei er seit 2016 nicht mehr dabei. Unserer Zeitung vorliegende Fotos zeigen ihn allerdings auf Demos des „Widerstandes“ bis Ende 2019.

Lißmann sagte, inzwischen kristallisiere sich heraus, dass es offenbar tatsächlich einen massiven Streit zwischen dem Täter und seiner Mutter gegeben hat und dass dies offenkundig Anlass für das 40 Jahre alte Opfer war, das Haus zu betreten. An diesem Freitag will der Oberstaatsanwalt weitere Details zu der Bluttat bekanntgeben.