Messerstecher-Mordprozess Blutige Hausschuh-Abdrücke im Todes-Keller belasten den angeklagten Ehemann

Zweibrücken · Am Landgericht Zweibrücken ist der Prozess gegen einen 37-Jährigen fortgesetzt worden, der seine angeblich untreue Ehefrau Ende 2023 „aus Wut und Eifersucht“ mit 16 Messerstichen hinterrücks umgebracht haben soll.

 Der Angeklagte – für den bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt – bei einem früheren Prozesstag mit seinem Verteidiger, dem Zweibrücker Rechtsanwalt Markus Freyler.

Der Angeklagte – für den bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung gilt – bei einem früheren Prozesstag mit seinem Verteidiger, dem Zweibrücker Rechtsanwalt Markus Freyler.

Foto: Rainer Ulm

Dem Angeklagten wurden die Augen feucht. Tränen flossen über seine Wangen, als am Mittwoch im Saal 3 des Landgerichts Zweibrücken auf einem Monitor die Tatortfotos gezeigt wurden – zu sehen: seine an Hals und Kopf übel zugerichtete, in ihrem Blut liegende tote Ehefrau.

Die 33-Jährige war am späten Abend des 4. Dezember 2023 im Keller eines kleinen Zweifamilienhauses im Zweibrücker Stadtteil Bubenhausen, in dem auch der 37-Jährige mit seiner jungen Familie gelebt hatte, von einem Mitbewohner leblos aufgefunden worden.

Bald war damals deren Ehemann, der als Anlagenbetreuer bei einem Homburger Automobilzulieferer gearbeitet hatte, in Verdacht geraten, etwas mit dem gewaltsamen Tod seiner Gattin zu tun zu haben. Der Deutsche (ohne Migrationshintergrund) kam zweieinhalb Wochen später, konkret am 21. Dezember 2023, in Untersuchungshaft.

Aber hat der 37-jährige Zweibrücker tatsächlich seine Ehefrau umgebracht – womöglich aus Eifersucht, weil sie zu einem Arbeitskollegen in einer mehr als nur freundschaftlichen Beziehung gestanden hatte? Dieser Frage geht die als Schwurgericht tagende Erste Große Strafkammer seit dem 27. Mai nach.

Zum Prozess-Auftakt hatte Staatsanwalt Rouven Balzer dem 37-Jährigen zur Last gelegt, seine Ehefrau „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben“. Demnach habe sich „das spätere Tatopfer“ am Abend des 4. Dezember 2023 in den Keller „des gemeinsam bewohnten Anwesens“ begeben. Dorthin sei ihr der Mann gefolgt, um sie „überraschend von hinten“ anzugreifen und ihr „mit einem Gegenstand derart heftig gegen den Kopf“ zu schlagen, „dass sie wehrlos zu Boden fiel“. Dann habe er der Frau „mit einer unbekannten Tatwaffe 16 Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen im Gesichts- und Halsbereich“ versetzt. Als Tatmotiv komme „Wut und Eifersucht“ infrage, nachdem er „von einer Affäre seiner Ehefrau“ erfahren habe, hieß es weiter.

Diesen möglichen Tathergang bestätigten am Mittwoch, dem nunmehr vierten Verhandlungstag, gleich drei Ärzte des Homburger Instituts für Rechtsmedizin. Demnach deuteten die Blutspuren darauf hin, dass die Frau im Heizungskeller des Zweifamilienhauses erst durch zwei kräftige Schläge gegen ihre Schläfen bewusstlos geworden, daraufhin zusammengebrochen und dann mit einem Messer 16 Mal an Hals und Kopf schwer verletzt worden sei. „Die Stichgewalt ist am Boden erfolgt“, war Rechtsmediziner Dr. Frank Ramsthaler sicher. Er vermutete, dass bei der Tat „ein besonderes Aggressionspotenzial vorgelegen hat“. Dafür sprächen vor allem die Verletzungen im Gesicht, die „verstümmelnd und entstellend“ gewesen seien.

Letztlich sei die ansonsten gesunde 33-Jährige – vor allem wegen der hohen „Dichte“ der Verletzungen und insbesondere wegen eines Schnitts in den Kehlkopf – „innerhalb weniger Minuten“ erstickt und verblutet, sagte der 60-jährige stellvertretende Institutsleiter auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Andreas Herzog. Es sei wohl alles sehr schnell und überraschend passiert: Abwehrverletzungen habe er während der Obduktion der Getöteten nicht feststellen können. Als Tatort bestimmte der Facharzt den Heizungsraum, wo eine Blutlache unter einem Wäscheständer gefunden worden war. Von dort aus zog sich eine einige Meter lange blutige Schleifspur über den Kellerflur bis in den Waschraum hin, wo die Leiche aus unbekanntem Grund neben einer Waschmaschine abgelegt worden war. Die Todeszeit der Frau liege – „grob geschätzt“ – zwischen 20 und 22.30 Uhr, grenzte Dr. Ramsthaler ein.

Neben mehreren Beamten der Polizeiinspektion Zweibrücken, die noch in der Nacht per Notruf zum Leichenfundort gerufen worden waren, sagten am Mittwoch auch mehrere Kriminalisten aus. Darunter ein 27-jähriger Beamter aus Kaiserslautern, der von mehreren „rautenförmigen“ Schuhabdrücken berichtete, die unmittelbar neben der blutigen Schleifspur sichergestellt und forensisch ausgewertet worden seien. Dabei hätten er und seine Kollegen die Abdrücke nicht nur den später im Wohnzimmer gefundenen Hausschuhen des Angeklagten zuordnen („Er war wohl der Spurenverursacher“), sondern an den Schuhsohlen auch „Anhaftungen“ von menschlichem Blut feststellen können.

Ist das das einzige Indiz für die Täterschaft des Angeklagten? Vermutlich nicht. Staatsanwalt Balzer ließ am Mittwoch durchblicken, weitere Pfeile im Köcher zu haben.

Aber auch die Gegenseite gab sich kämpferisch. Der Verteidiger des bisher schweigsamen Angeklagten, der Zweibrücker Anwalt Markus Freyler, will am 24. Juni, dem nächsten Verhandlungstag, eine Erklärung abgeben.