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Bismarck-Denkmal in Zweibrücken hat nichts mit Stadtgeschichte zu tun

Kommentar zum Zweibrücker Bismarck-Denkmal : Völlig falsches Denkmal im Herz der Stadt

Was hat Bismarck mit Zweibrücken zu tun? Nichts – abgesehen von einstiger Verehrung durch Deutschnationale. Dabei platzt Zweibrücken fast vor deutlich erinnernswerterer eigener Geschichte.

Zweibrücken ist eine Stadt, die so reich an Geschichte ist wie kaum eine andere Stadt dieser Größe in Deutschland. Im Guten, leider aber auch im Schlechten. Positiv herausragend ist vor allem die Rolle Zweibrückens bei der Entwicklung einer freien Presse und liberalen Demokratie in Deutschland, so wurde von hier aus das Hambacher Fest geplant. Herausragend sind – mit kritischen Fußnoten, weil das Volk oft zu wenig davon profitierte – auch die kulturellen und wirtschaftlichen Blütejahre zur Zeit des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Ein Herzogtum, das zeitweise fast schon etwas wie das Zentrum einer kleinen Europäischen Union war: Von hier aus wurden Schweden und Bayern mitregiert, es gab Verbindungen nach Frankreich und Polen. Zahlreiche Erfinder stammen aus Zweibrücken. Den Nationalsozialismus dagegen begrüßten die Zweibrücker besonders eifrig, ohne dass dies bis heute richtig aufgearbeitet wurde. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Zweibrücken durch Bombenangriffe dem Erdboden gleichgemacht, wurde aller Unkenrufe zum Trotz schnell wieder aufgebaut, wurde zur Garnisonsstadt für vier (!) Nationen und bewältigte die Konversion nach dem Abzug der drei ausländischen Armeen auf eine auch international bewunderte Art und Weise.

Und mit was für einem Denkmal gedenkt die Stadt dieser Geschichte im Herz der Stadt? Mit einem Denkmal für Vorkämpfer für Demokratie und Pressefreiheit? Für den ehrenwertesten Herzog? Ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus? Für die erfolgreiche Konversion von einer Militär- zu einer Zivil-Stadt? Rosen oder Rösser? Nichts von alledem: Zweibrücken hebt Bismarck auf den Sockel.

Der „Eiserne Kanzler“ thront seit 1896 (mit ein paar Monaten Unterbrechung nach politischen Diskussionen 1986) auf dem Sockel, mit strengem Blick gen Rathaus und dem bunten Treiben auf dem Hallplatz.

Was hat Bismarck mit Zweibrücken zu tun? Nichts! Er stammt nicht von hier, er hat hier nie gelebt, ja selbst das Denkmal wurde weder in der Region gegossen noch entworfen. Deutschnationale haben das Denkmal initiiert, reiche Industrielle gespendet.

Historisch ist Bismarck eine umstrittene Figur, man kann zwar durchaus Einiges an ihm positiv sehen. Aber er steht eben auch für die traurige deutsche Kolonialgeschichte, für Hass auf Franzosen, (Sozial-)Demokraten und Katholiken – also für alles andere, als Zweibrücken als weltoffene Stadt im Herzen Europas heute steht. In einer Zeit, in der weltweit Denkmäler historisch fragwürdiger Männer kritisch hinterfragt oder sogar gewaltsam vom Sockel geholt werden, wird es Zeit auch für eine engagierte Diskussion darüber, ob im Herz unserer Stadt nicht besser ein Denkmal stehen sollte, das an etwas (Ge)denkenswertes aus der Zweibrücker Geschichte erinnert.