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Bismarck-Denkmal in Zweibrücken bekommt Infotafel

Diskussion um Denkmäler : Nachdenken, erinnern, mahnen

Die Beigeordnete Christina Rauch möchte Denkmäler schützen. Aber die Zeugnisse ihrer Zeit mit Infotafeln kommentieren.

Haben Denkmäler und Ehrungen für historische Gestalten, die aus heuter Sicht in einem nicht mehr ganz so strahlenden Licht leuchten, noch einen Platz auf unseren Plätzen und Stadtplänen? Eine Frage, über die in letzter Zeit wieder verstärkt diskutiert wird. In Zweibrücken ist dabei – nicht zum ersten Mal – das Bismarck-Denkmal Streitpunkt.

Denkmäler sollen zum Nachdenken anregen, sollen Geschichte in Erinnerung rufen und auch mahnen, kommentiert die Beigeordnete Christina Rauch den Umgang mit den „Zeugnissen ihrer Zeit“. An den Erinnerungsorten setzten sich die Betrachter mit der Geschichte auseinander und damit werde die heutige Demokratie mit den Werten wie Menschenrechte, Toleranz, Gleichheit oder Vielfältigkeit gestärkt. In diesem Sinne versteht sich Rauch als „Denkmalschützerin“ und wendet sich gegen eine „Geschichtsschleifung“.

Denkmäler müssten aus ihrer Entstehungszeit verstanden werden, erklärt die Historikerin. Allerdings sei es wichtig die Denkmäler zu kommentieren. Dazu habe sie zusammen mit der Leiterin des Stadtmuseums Charlotte Glück eine Informationstafel für das Bismarck-Denkmal entworfen. „In Zweibrücken wurden schon an anderen Stellen Informationstafeln angebracht, um an Ereignisse zu erinnern“, stellt Rauch klar, dass eine solche Tafel am Bismarck-Denkmal keine Besonderheit sei. Die erklärende Tafel sei schon auf den Weg gebracht.

Auf der Tafel werden die historischen Hintergründe, die zur Aufstellung des Denkmals vor 124 Jahren führten, sowie die historische Persönlichkeit Bismarcks dargestellt. „Es geht nicht um das Heroisieren einer Person, sondern darum, die eigene Geschichte zu kennen“, sagt die Beigeordnete. In den 1890er Jahren wurden im gesamten Deutschen Reich Bismarckdenkmäler aufgestellt. Für die national gesinnten Deutschen war Bismarck der Reichsgründer.

Wenngleich die Reichsgründung nicht, wie es die Hambacher 1832 oder die Paulskirchen-Abgeordneten 1848 wollten, auf friedlichen Weg erfolgte, sondern die Folge des Krieges von 1870/71 gegen Frankreich war. In den Artikeln der Zweibrücker Zeitung der Jahre 1895 und 1896 spielte das keine Rolle. Es wurde an den Reichsgründer gedacht. Und die von den Stiftern gewünschte Darstellung als Kriegsherr mit Pickelhaube und Säbel betonen den militärischen Aspekt. „Im späten 19. Jahrhundert bestimmte das Militär das gesellschaftliche Leben“, erklärt Rauch.

Die Begeisterung für Bismarck zeigt auch ein weiterer Blick in die Ausgaben der Zweibrücker Zeitung. So zählte der Bismarck-Denkmals Verein bei der Gründung im Dezember 1895 bereits 293 Mitglieder. Erst fast zwei Jahre zuvor hatte Rechtsanwalt König ein solches Denkmal vorgeschlagen. Und am 6. September 1896, dem Sedanstag, wohnten viele Zweibrücker auf den Herzogplatz der Enthüllung bei. In der Zeitung hieß es am 7. September 1896: „Doch der gute Deutsche fürchtet Gott und sonst niemand auf der Welt. Und so ließen sich auch die Zweibrücker nicht durch das Wetter stören.“

Auf der Tafel soll nach Auskunft Rauchs an die widersprüchlichen Aspekte der Bismarckschen Politik erinnert werden. Auf der einen Seite standen das allgemeine Wahlrecht oder die Sozialgesetzgebung, auf der anderen Seiten der Krieg gegen Frankreich, der Kulturkampf oder die Sozialistengesetze. Die Verfolgung der Sozialdemokraten und Gewerkschaften fand offensichtlich bei den Denkmals-Stiftern Zustimmung. Denn Rechtsanwalt König stellte bei der Enthüllung fest, dass Bismarck bei allen Deutschen beliebt sei, außer bei denen, die das Wort Vaterland aus ihrem Programm gestrichen hätten.

Schon bei der Abstimmung im damaligen Stadtrat, wo das Denkmal aufgestellt werden soll, setzten sich diejenigen durch, die es mitten auf den Herzogplatz wollten. Nur fünf wollten es vor die Lindenallee, den heutigen Goetheplatz, stellen. Nach zweimaligem Umzug wegen Umgestaltungen des Herzogplatzes steht es jetzt an der Stelle, den eine Minderheit bereits vor 125 Jahren vorgeschlagen hatte.

„Ein Bismarck-Denkmal auf dem Goetheplatz steht einem Denkmal für die Demokratiegeschichte an einem anderen exponierten Standort nicht im Wege“, sagt die Kulturdezernentin. Denkmäler müssten dabei nicht zwangsläufig bronzene oder steinerne Skulpturen sein. So sei die Museumsleiterin im Moment dabei zu überlegen, wie man Demokratie-Geschichte deutlich machen könne. Für die Beigeordnete sind die Dauerausstellung „Schau.Platz.Freiheit“ oder Sonderausstellungen wie über Anne Frank oder die geplante „Nanu? Geschlechtervielfalt in der Pfalz“ auch Denkmäler im Sinne von „Denk mal nach“.

Denkmäler seien auch die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. 2012 wurde der erste an der Alten Steinhauser Straße verlegt. Im vergangenen Jahr folgten weitere zehn Steine an der Wallstraße. „Und in der kommenden Woche werden an der Karlstraße und in der Mühlstraße weitere drei Stolpersteine verlegt“, kündigte Rauch an. Mit den Steinen soll an die Zweibrücker Juden Otto Escales und das Ehepaar Emil und Chana Dellheim erinnert werden. „Es können auch weitere Denkmäler errichtet werden“, sagt Rauch. Wobei das „auch immer eine Frage des Geldes sei“, wie sie als für Kultur zuständige Beigeordnete bedauernd zur Kenntnis nehmen müsse. Dabei denkt die Historikerin an das Ebert-Erzberger-Rathenau-Denkmal auf dem Hilgardplatz.

Im September 1932 wurde das Denkmal mit einer Kundgebung für Freiheit und Demokratie, an dem 15 000 Menschen zusammenkamen eingeweiht. Ein halbes Jahr später wurde das Denkmal umgeworfen. Für die Nationalsozialisten waren die drei Politiker unterschiedlicher Parteizugehörigkeit verhasste Vertreter des demokratischen Parlamentarismus. Über den Wiederaufbau sei in der Vergangenheit schon nachgedacht worden. Bis dahin könnte zumindest eine Informationstafel daran erinnern. Im Sinne von: Denk mal nach.