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Birgit Kunz aus Zweibrücken stellt in Saarbrücken aus

Birgit Kunz stellt in Saarbrücken aus : Die Faszination der Märchen

Märchen und ihre Botschaft dahinter haben die freischaffende Künstlerin Birgit Kunz schon immer interessiert. Die vielseitige Dozentin an der VHS Zweibrücken stellt aktuell Bilder zu ihrem Lieblingsthema im Museum in St. Arnual aus.

Wer das Haus von Birgit Kunz betritt, sieht sofort: Hier ist die Kunst zu Hause. Unzählige Bilder der freischaffenden Künstlerin zieren die Wände. Wie viele Werke sie geschaffen hat, vermag die gebürtige Saarländerin, die seit 1985 in Zweibrücken lebt, nicht zu schätzen. Denn als junge Mutter entschied sie sich, statt sperriger Ölgemälde auf Leinwand doch lieber wieder Aquarelle zu erschaffen, die deutlich einfacher aufzubewahren sind.

Bereits mit 18 war der Abiturientin klar: „Ich studiere Kunst.“ Bis dahin hatte das junge Mädchen bereits den 25. Europäischen Schülerwettbewerb für Bildhaftes Gestalten gewonnen und interessierte sich einfach für alles, was mit künstlerischem Schaffen zusammen hing. „Ich war immer in den Werkstätten, habe alles aufgesogen wie ein Schwamm und alles mitgenommen an Techniken, was ich lernen konnte: Radierung, Linolschnitt, Farb- und Buchdruck, Buchbinden, , Stein- und Kunststoff-Bearbeitung, Lithografie, Kupfertreiben, Schmieden, Schweißen, Zeichnen sowie Malen mit Pastell-Kreide, Auquarell, Öl oder Ei-Tempera“, erinnert sie sich an die glückliche Studienzeit an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe von 1978 bis 1985.

In dieser Phase des Sich-selbst-Ausprobierens malte die begeisterte Künstlerin vorwiegend gegenständlich sowie Akte oder Porträts. Später, mit der Umstellung auf die zarten Aquarelle, gestaltete sie ihre Bilder halb-abstrakt. „Die hatten auch keine Titel. Ich wollte, dass sich die Betrachter selbst damit auseinander setzen und nichts vorgeben.“

Dem Betrachter fällt auf, dass die heute 64-Jährige nicht nur die Schwingung der Umgebung aufnimmt, sondern ihre Bilder farblich abstimmt auf die Jahreszeiten. Lachend bestätigt sie: „Ich kann aus dem Kopf nicht arbeiten!“ Auch Serienproduktionen liegen Birgit Kunz fern, weshalb sie sich am Anfang ihrer Karriere gegen Radierungen entschied. Später jedoch wollte auch diese Technik von ihr verwirklicht sein. Wegen der technischen Möglichkeiten belegte sie anfangs Kurse, etwa an der Sommerakademie in Blieskastel.

Mittlerweile entstehen auch die Drucke der freischaffenden Künstlerin in ihrem Heimatelier. Allerdings nach wie vor als Unikate, ganz gleich, ob uni mit einer Farbe oder mehrfarbig mit mehreren Platten. Hin und wieder allerdings spielt sie dabei mit den Farbschwingungen, allein, um ihren Betrachtern den Unterschied zu demonstrieren.

Seit genau 20 Jahren profitieren zudem die Schüler von Birgit Kunz an der VHS Zweibrücken von ihrer überdurchschnittlichen Vielseitigkeit. Schnell erkannte sie ihren Weg als Dozentin: „Ich gebe nichts vor, sondern begleite meine Kursteilnehmer dabei, ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen.“ Kein Wunder, dass sie zahlreiche Stammkunden bereits aus ihrer Anfangszeit hat. Neben dem Rentner aus Saarbrücken schult sie Hobbyzeichner ebenso wie angehende Kunststudenten, die bei ihr ihre Bewerbungsmappen fertigen.

Die Werke von Birgit Kunz bereichern zahllose Ausstellungen, unter anderem in Zweibrücken die StadtGalerie oder die Bibliotheca Bipontina. Doch Birgit Kunz definiert sich nicht über die Anzahl ihrer Ausstellungen oder prominente Orte. Ihr Anliegen ist es, Mensch zu bewegen und anzuregen: zum Nachdenken und dazu, tiefer zu schauen. So zeigt sie aktuell in Sankt Arnual einen Teil ihrer Radierungen zum Thema „Allerlei Geschichten“. Diese Bilder tragen Titel, die keineswegs unbedingt den direkten Bezug zu dem jeweiligen Märchen, von Kunstmärchen des nordischen Christian Andersen bis zu den Sammlungen der Gebrüder Grimm oder Evergreens wie dem „Dschungelbuch“ herstellen, sondern die Betrachter zu eigenen Überlegungen führen wollen.

„Mich hat schon immer interessiert, was hinter den Märchen steckt, welche Botschaft sie haben“, erklärt die vielseitig interessierte Zweibrückerin. Um zu einer Betrachtung „dahinter“ einzuladen, habe sie bewusst unbekannte Szenen ausgewählt und verewigt. Am meisten freut sie, wenn die Besucher sich darauf einlassen mögen.

Knapp 40 ihrer bislang insgesamt 65 Werke zu diesem Thema haben in der familiären Atmosphäre des Museums Platz gefunden. Doch die anhaltende Faszination von Birgit Kunz lässt sie weitere Märchen-Werke in Aussicht stellen. Sie findet: „Märchenbilder passen so wunderschön in dieses urige Museum.“ Während der Öffnungszeiten am Sonntagnachmittag von 15 bis 18 Uhr ist die freischaffende Künstlerin anwesend, um mit Besuchern persönlich ins Gespräch zu kommen.

Die Radierungen von Birgit Kunz zu „Allerlei Geschichten“ im Museum Augustiner Straße 7 in Saarbrücken sind noch bis einschließlich 20. Februar zu bewundern. Öffnungszeiten: Sonntag von 15 bis 18 Uhr sowie auf Anfrage.

www.birgit-kunz.de