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Bibliotheca Bipontina Zweibrücken

Nora Leis referiert in der Bibliotheca Bipontina : Zweibrückens hippologisches Erbe

Die Bibliotheca Bipontina lädt heute Abend ein zu einer spannenden Reise durch die Historie der Reitkunst, bei der sich die hippologischen Schätze des Landesbibliothekszentrums in einem Vortrag entdecken lassen. Referentin Nora Leis verbindet dabei die generationenübergreifende Leidenschaft der Herzöge von Zweibrücken für das Pferd und die Literatur.

„Das Landgestüt Zweibrücken war nicht etwa der Beginn der Pferdekultur in Zweibrücken, sondern die logische Folge des seit Generationen übergroßen Interesses am Pferd und seiner Verwendung.“ Das hat Nora Leis bei den Studien zu ihrer Masterarbeit über den Bestand der facettenreichen Sammlung an zum Teil einzigartiger Pferdeliteratur im Landesbibliothekszentrum (LBZ) Bibliotheca Bipontina herausgefunden. Ein hippologisches Erbe, das Zweibrücken seit Jahrhunderten zu einer bedeutenden Pferdestadt macht, die Stadt bis heute prägt und ihr einen besonderen Status verleiht.

In ihrem Vortrag am heutigen Donnerstag, 26. August, um 19.30 Uhr in der Bibliotheca Bipontina berichtet die 30-jährige, frisch examinierte Referendarin für Deutsch und Geschichte aus Bexbach über die Hintergründe und Erkenntnisse ihrer Examensarbeit. Die Dressurreiterin verband dabei persönliches mit beruflichem Interesse. „Ich habe mit Oskar einen Zweibrücker geritten, der mütterlicherseits gleich von den beiden berühmten Trakehnerhengsten aus der Zeit von Schloss Karlsberg, Imperieur und Dampflok, abstammt und als Sohn von dem Englischen Vollbluthengst Occamonte xx Nachkomme eines Landbeschälers der neueren Zeit ist“, erzählt sie hörbar stolz.

Mit leuchtenden Augen berichtet sie von den großartigen Funden, die sie im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit in dem historischen Altbestand der ehemaligen Fürstenbibliothek machte. Insgesamt 39 Kunstwerke hippologischen Inhalts werden teilweise im Tresor der Bipontina aufbewahrt, neben Sekundär-Literatur aus dem 16. bis 18. Jahrhundert auch extrem seltene Erstausgaben.

Eine davon ist die Reitlehre von Minou, von der im Jahr 1612 nur ganz wenige Werke gedruckt wurden. „Eine Rarität und ein ganz großer Schatz“, betont Nora Leis. Sie strahlt: „Es ist schon ein besonderes Gefühl, Bücher in die Hand nehmen zu dürfen, die einst dem Herzog gehört haben.“ Selbstverständlich mit Schutzhandschuhen. Sie sei „super dankbar, dass ich die Chance hatte und solch alte Bücher anschauen durfte“.

Was sie erstaunt: Insbesondere Herzog Georg Wilhelm zu Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld besaß nicht nur einzelne Werke, sondern alle Reitlehren und die gesamte Pferde-Fachliteratur der damaligen Zeit. Ein Beweis für das enorme Interesse, denn trotz knapper Kassen sei im Herzogtum Zweibrücken viel Geld ins Pferd geflossen. Damit erwarben sie ein umfangreiches hippologisches Wissen. Die unterschiedlichen Buch-Einbände – repräsentatives Leder mit goldenem Wappendruck, wie bei der mit Kupferstichen reich bebilderte Reitlehre von Antoine de Pluvinell (1552-1620, Reiten wie die Könige) oder das von Hand kolorierte Gebiss-Buch von Keutzberger, oder lediglich Hüllen in günstigem Pergament (Kopert) zeigten, welche Aufgabe die Bücher hatten. „Die in Kopert gehüllten waren Praxisbücher. Darin finden sich Heuhalme, Pferdehaar und sogar tote Fliegen. Die lagen bestimmt im Stall daneben“, schlussfolgert die Forscherin.

Ein Buch über Pferdemedizin ist als Arbeitsbuch voll geschrieben mit Ergänzungen, Anmerkungen oder Rezepten. Ihre Power-Point-Präsentation gewährt Einblicke in wertvolle literarische Kunstwerke, die den normalen Kunden der Bipontina versagt bleiben. Doch von einem Teil der historischen Literatur existieren Nachdrucke, die entweder vor Ort oder per Fernleihe entliehen werden können und auf denen zum Teil die heutigen Reitlehren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN beruhen.

Interessant fand Nora Leis auch die Entwicklung im Umgang mit dem Pferd. War die erste Reitlehre des Italieners Rico Grisone (1550) noch auf Gehorsam, den Drill und das Abrichten der Militäpferde ausgerichtet, propagierte der Franzose Antoine de la Baume Pluvinel bereits einige Jahrzehnte später die Ausbildung der „Hohen Schule“ für die Höfische Reit-Kunst in der Manege. „Das Pferd muss dein Freund sein. Sei sanft zu ihm, denn nur dann könnt ihr gemeinsam tanzen.“

Interessierte an dem Vortrag „Von Pferden und Büchern – der Hippologische Bestand der Bibliotheca Bipontina“ von Nora Leis werden heute um Voranmeldung gebeten unter Tel. (0 63 32) 16 40 3 oder unter bipontina@lbz.de. Es wird ausdrücklich auf die Einhaltung der aktuell verordneten Corona-Maßnahmen hingewiesen.https://lbz.rlp.de