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Bewaffneter Drogenhandel: Landgericht Zweibrücken verurteilt Bauhelfer

Zweibrücker Angeklagter: Waffen „nur Deko“ : Marihuana-Blüten im Eimer, Butterfly-Messer unterm Fernseher

Landgericht Zweibrücken verurteilt 29-Jährigen wegen Drogenhandels und Waffenbesitzes zu fünf Jahren Haft – und Entzug.

Er wollte weder lange ins Gefängnis noch in den Maßregelvollzug: Dennoch hat die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken einen 29-jährigen Bauhelfer am Donnerstag wegen bewaffneten Drogenhandels und Besitzes verbotener Gegenstände zu fünf Jahren Haft verurteilt und seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Der Zweibrücker hatte gleich zu Beginn der Verhandlung alle Taten, so wie sie ihm von Staatsanwältin Lena Bonn vorgeworfen worden waren, zugeben. Ja, er habe mit Drogen gehandelt, wenngleich auch „nur im Freundeskreis“. Und ja, er habe dafür knapp ein Kilogramm Marihuana-Blüten in zwei Eimern oder bereits in Tütchen portioniert in seiner Wohnung aufbewahrt, die am 16. März 2021 von der Kriminalpolizei durchsucht worden war. Auch das dabei sichergestellte Verpackungs- und Aufbereitungsmaterial sowie die beiden Feinwaagen seien sein Eigentum und die ebenfalls entdeckten 1050 Euro der Erlös aus den seinerzeit aktuellen Rauschgiftgeschäften gewesen.

Die bei der Durchsuchung in einem Wohnzimmer- beziehungsweise auf einem Fernsehschrank entdeckten je zwei Stahlruten und Wurfsterne sowie je einen Schlagring und ein Butterfly-Messer seien allerdings nicht zum Gebrauch bestimmt, sondern lediglich „reine Deko“ gewesen, antwortete der Angeklagte auf eine entsprechende Frage von Richter Michael Schubert. Woraufhin sich der Vorsitzende die Bemerkung nicht verkneifen konnte: „Da gibt es offenbar sehr unterschiedliche Vorstellungen, was Wohnzimmer-Dekorationen anbelangt.“ Zumal „ein Butterfly-Messer – zusammengeklappt – doch recht unspektakulär“ aussehe. Weiterhin gab Schubert zu bedenken, dass der Tatbestand des bewaffneten Drogenhandels laut geltender Rechtsprechung bereits dann erfüllt sei, wenn die verbotenen Gegenstände auch nur in der Nähe der Betäubungsmittel abgelegt sind. In einem solchen Fall drohe eine Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren.

Auslöser für jene überraschende Wohnungsdurchsuchung am 16. März 2021 waren übrigens die Ermittlungsergebnisse aus einem anderen Verfahren in Sachen Drogenhandel: In ihm hatte sich ein 34-jähriger, inzwischen verurteilter Contwiger verantworten müssen, auf dessen Handy eine Kommunikation gefunden worden war, die auf „geschäftliche Beziehungen“ zu dem jetzt angeklagten 29-Jährigen hingedeutet hätten, berichtete am Donnerstag ein Kripo-Beamter.

Und so sah denn Staatsanwältin Bonn in ihrem Plädoyer den vorgeworfenen Tatbestand des bewaffneten Drogenhandels als erfüllt an – nicht zuletzt wegen der „geständigen Einlassung des Angeklagten“. Dessen Version aber, die in seiner Wohnung gefundenen Waffen seien nur „Deko“, bezeichnete die Anklägerin als „Schutzbehauptung“. Sie beantragte fünf Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug. Zudem pflichtete sie dem psychiatrischen Gutachter bei, der dem 29-Jährigen einen Hang zu Drogen und Alkohol „an der Grenze zur Suchterkrankung“ attestiert und deshalb dessen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt empfohlen hatte.

Der Verteidiger des 29-Jährigen, der Zweibrücker Rechtsanwalt Markus Freyler, ging indessen von einem minder schweren Fall aus und beantragte, seinen geständigen und im Übrigen bislang völlig unbescholtenen Mandanten zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen.

Wohingegen Richter Schubert in seiner Urteilsbegründung darauf hinwies, dass auch der Besitz von nur einem der sechs bei dem Angeklagten gefundenen verbotenen Gegenstände ausgereicht hätte, um den Tatvorwurf des bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu begründen. Und schließlich sei in diesem Fall die bei Drogen justiziable nicht geringe Menge von 7,5 Gramm Wirkstoffgehalt „ganz erheblich überschritten“ worden.