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Bewährungsstrafe gegen Drogenhändler in Zweibrücken

Urteil am Amtsgericht Zweibrücken gegen Drogendealer : Gefängnis und Entziehungsanstalt (nur) angedroht

Amtsgericht Zweibrücken verurteilt 33-Jährigen wegen Drogenhandels zu Bewährungsstrafe. 14 450 Euro werden eingezogen.

Das war aber knapp. Ein 33-Jähriger ist am Donnerstag vom Schöffengericht des Amtsgerichts Zweibrücken zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden – ausgesetzt zur Bewährung. Staatsanwalt Christian Horras hatte dem bislang unbescholtenen Angeklagten in seiner Anklage unerlaubten Drogenhandel in 20 Fällen vorgeworfen und später in seinem Plädoyer drei Jahre Haft und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beantragt.

Letztlich entsprach das Gericht dem Antrag des Zweibrücker Rechtsanwalts Uwe Zehrden, der für seinen Mandanten eine Gefängnisstrafe von „nicht über zwei Jahren“, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle, für angemessen gehalten hatte. Nun setzte der Vorsitzende Richter Stefan Pick – eher ungewöhnlich – sogar die vom Staatsanwalt geforderte Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zur Bewährung aus. Allerdings legte Pick noch 200 Stunden gemeinnützige Arbeit oben drauf, die der zurzeit arbeitslose junge Mann in nächster Zeit ableisten muss.

Der über das wohl eher milde Urteil sichtlich erleichterte 33-jährige Zweibrücker ließ auch sofort durch seinen Anwalt erklären, gegen das Urteil keine Rechtsmittel einlegen zu wollen.

Dabei wogen die Tatvorwürfe schwer. So soll der 33-Jährige in einem Fall ein Kilogramm der synthetischen und aufputschenden Droge Amphetamin auf einer Internetplattform bestellt haben. Die Lieferung war jedoch von den Ermittlungsbehörden auf dem Weg zu ihm abgefangen worden. Zudem soll er bei einem inzwischen separat verurteilten Lieferanten in Saarbrücken mehrfach Drogen in größeren Mengen gekauft haben, die die Ermittler später bei einer Wohnungsdurchsuchung bei ihm gefunden hatten – neben Amphetamin unter anderem Hunderte Ecstasy-Tabletten und Cannabis-Päckchen.

Sowohl Ankläger Horras als auch Verteidiger Zehrden werteten zugunsten des 33-Jährigen, dass er alle Tatvorwürfe eingeräumt, freiwillig Angaben zum Tathergang gemacht, sogar Lieferanten und Abnehmer genannt hatte. Mit dem Drogenhandel habe er nach einem Kontakt mit seinem späteren Lieferanten in Saarbrücken angefangen, der ihn auf einer Party gefragt haben soll, ober er „Interesse an Marihuana und Amphetamin“ hätte. Der 33-Jährige berichtete vor Gericht weiter: „Ich war drogenabhängig und habe mich darauf eingelassen.“ Das sei dann „sechs bis sieben Monate so gegangen – bis ich erwischt wurde“.

Auf eine entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden antwortete der 33-Jährige: „Ich nehme seit Anfang Juli gar keine Drogen mehr.“ Und er beteuerte, auch seiner Spielsucht inzwischen erfolgreich abgeschworen zu haben. Auch wolle er unbedingt demnächst wieder arbeiten, nachdem er im Zuge der Corona-Krise jüngst seinen Job als Maschinenbediener verloren habe, wie er erzählte.

Der 33-Jährige stimmte zu, den Ertrag aus dem Drogenhandel, den die Anklagebehörde mit 14 450 Euro bezifferte, einzuziehen. Ein Großteil der Drogen war – und auch dieser Umstand erklärt die Milde des Urteils – allerdings gar nicht erst „in den Verkehr gelangt“, wie es Staatsanwalt Horras ausdrückte.

Nun müsse der junge Zweibrücker „in die Pötte kommen“, sagte Richter Pick in seiner Urteilsbegründung, und sozusagen den Kopf selber aus der Schlinge ziehen, in dem der Verurteilte in der dreijährigen Bewährungszeit die Finger von den Drogen lasse. Der Richter sagte, er sei zwar gegen eine „Zwangstherapie“. Aber sollte es dem 33-Jährige nicht gelingen, „das Problem allein aus der Welt zu schaffen“, drohten ihm eine Gefängnisstrafe und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, warnte Pick.