Ausstellung im Zweibrücker Mannlichhaus Vom Lebendigwerden der Materie

Zweibrücken · Betina Knerr und Isabelle Schmidt-Baumgärtner stellen ihre Werke im Zweibrücker Mannlichhaus aus.

 Laudator Gerhard Kaiser (rechts) führte bei der gut besuchten Vernissage im Zweibrücker Mannlichhaus in die Skulptur-Arbeiten von Isabell Schmidt-Baumgärtner ein. Ihr Werk „Der zentrierte Mensch“ ist links neben ihm zu sehen. Ausgestellt ist auch Malerei von Betina Knerr – bis Ende November immer samstags ab 14 Uhr.

Laudator Gerhard Kaiser (rechts) führte bei der gut besuchten Vernissage im Zweibrücker Mannlichhaus in die Skulptur-Arbeiten von Isabell Schmidt-Baumgärtner ein. Ihr Werk „Der zentrierte Mensch“ ist links neben ihm zu sehen. Ausgestellt ist auch Malerei von Betina Knerr – bis Ende November immer samstags ab 14 Uhr.

Foto: Susanne Lilischkis

Eine etwas ungewöhnliche Ausstellungseröffnung erlebten die Besucher am vergangenen Samstag im Zweibrücker Mannlichhaus. Zur Eröffnung der Schau mit Werken von Betina Knerr und Isabell Schmidt-Baumgärtner lud Laudator Gerhard Kaiser das Publikum zu einer Gedenkminute für den kürzlich verstorbenen Egon Kirmse ein. „Ohne ihn würde es das Haus nicht geben“, so Kaiser, „er hat die Zweibrücker Kunstszene geprägt und über 100 Künstler ausgestellt. Zweibrücken trauert um einen engagierten und verdienstvollen Bürger.“

In seiner von Zitaten und Referenzen an die Philosophie und die lateinische Sprache gespickten Rede interpretierte er das Werk der Bildhauerin Isabell Schmidt-Baumgärtner, die in der Region vor allem für ihre Pferdeskulpturen bekannt ist. Sie arbeitet mit Ton, der ohne Glasur, dafür mit Oxiden gebrannt wird. Das gibt ihren Werken eine raue Schönheit. Beim Werkstoff Ton kommen immer auch Gedanken über die Schöpfungsmythen der Menschheit auf. „Die tote Materie bedarf einer Beseelung – griechisch ‚Pneuma‘, der Hauch. Das führt dazu, dass Totes zum Leben erwacht. Aber es bedarf auch einer Kraft, die der Materie sagt, was sie werden soll – eine Information“, bemerkte Gerhard Kaiser. Diese Information, die in Form setzende Kraft sei der menschliche Geist. Als Künstler erfasse man das Wesen der Dinge und lasse alles Zufällige beiseite.

Diese Abstraktion sieht Gerhard Kaiser in den Werken von Isabell Schmidt-Baumgärtner. Man benötige dafür Geduld, Beobachtungsgabe und Lebenserfahrung, man müsse hinter die Oberfläche schauen können. Besonders angetan hatte es ihm die Skulptur „Der zentrierte Mensch“.

„Man sieht hier eine erdverbundene Körperlichkeit und Schwere und einen in den Himmel, auf das Geistige gerichteten Blick. Die Skulptur erinnert mich an die Idole der Kykladenkultur.“ Beim Brennen der Figur mit Eisenoxid gab es eine Verunreinigung, die dazu führte, dass goldene Sprenkel auf die Skulptur aufgebrannt wurden. Die Verbindung des zentrierten Menschen zur Musik demonstrierte Gerhard Kaiser, indem er die Tonform mit einem Kugelschreiber anschlug: „Die Frequenzen werden immer höher, je weiter oben man anschlägt, man könnte eine ganze Komposition dazu erfinden.“

Franz Walter, der in die Werke von Betina Knerr einführen wollte, fehlte leider krankheitsbedingt, auch die Künstlerin selbst lag mit Grippe im Bett. So übernahm es Isabell Schmidt-Baumgärtner, Knerrs Bilder vorzustellen: „Betina hat die Bilder gemalt, nachdem sie ein halbes Jahr auf dem Jakobsweg gewandert war, von Metz bis Cap Finistère. In dieser Zeit hat etwas stattgefunden. Denn sie, die immer nur die Farben rot, schwarz und weiß benutzt hat, hat angefangen, die ganze Farbpalette in ihren Werken zu verwenden.“ Die Künstlerin malt abstrakt und ohne festgelegtes Ziel – vielmehr entstehen die Werke in einem freien Schaffensprozess.

Die Ausstellung ist noch bis Ende des Monats jeden Samstag im Mannlichhaus zu sehen. Betina Knerr beabsichtigt, an allen Samstagen dort zu sein, um ihre Werke den Besuchern gerne vorzustellen. Ab Samstag, 11. November, öffnet die Galerie samstags ab 14 Uhr.