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Berührend beeindruckende Vorstellung

Berührend beeindruckende Vorstellung

Einen beeindruckenden Abend erlebten die Besucher der Festhalle. „Der Ghetto Swinger“, die Geschichte um den jüdischen Musiker Coco Schumann, der durch seine Musik in den Konzentrationslagern den Holocaust überlebt hat, machte als Musical Station.

Die Handlung um den halbjüdischen Heinz Jacob "Coco" Schumann beginnt im Berlin der 1930er Jahre. Swing und Jazz werden in vielen Kneipen und Cafés gespielt und der junge Coco ist von der Musik fasziniert. Er gerät in die Szene der Swing Kids, jener verbotenen Bewegung, welche den Jazz als Protest gegen die Nazis stellen. Coco Schumann landet irgendwann im Konzentrationslager Theresienstadt. Dort wird er Mitglied der "Ghetto Swingers", einer musikalischen Truppe, die zur Unterhaltung der Lageraufseher spielen muss, aber auch den KZ-Insassen durch die Musik Hoffnung macht. Auch in Auschwitz spielt Schumann um sein Leben und er erkennt, dass die Musik ihm das Überleben sichern kann. Am Ende trifft Coco Schumann nach Kriegsende in Berlin seine alten Kollegen wieder und gemeinsam beginnen sie wieder zu musizieren. Was in wenigen Worten umschrieben wird, fasziniert die Besucher in der, leider nur halb vollen, Festhalle zwei Stunden lang und schickt sie auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Beginnend mit der Leichtigkeit eines, von der Musik faszinierten jungen Mannes in den dreißiger Jahren und zu Kriegsausbruch bis hin zur emotionalen Reise in die Konzentrationslager und den musikalischen Überlebenskampf. Gil Mehmert, welcher die Autobiografie des, heute in Berlin lebenden, Coco Schumann inszeniert hat, ist es gelungen, die emotionale Zeitreise des Musikers theatral umzusetzen. US-Gesangslegende Helen Schneider als Erzählerin, Cocos Mutter, Großmutter und in weiteren weiblichen Rollen brilliert nicht nur durch ihren Gesang, auch die jeweiligen Rollen verkörpert sie mit Bravour. Konstantin Moreth überzeugt in der Rolle von Coco Schumann und schafft es, das Publikum emotional mit auf diesen Lebensabschnitt des heute fast 90-jährigen Coco Schumann zu nehmen. Hinzu kommt ein professionelles Ensemble, das in verschiedenen Rollen, teils grotesk aber auch einfühlsam die Nazizeit darstellt und durch Swing, Jazz aber auch bedrückende Musikstücke der Handlung einen passenden musikalischen Rahmen verleiht. Wer anfangs bei Swing mitwippt, spürt anderthalb Stunden später die drückende und lähmende Zeit der Konzentrationslager .