1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Benefiz-Konzert in Heilig Kreuz Zweibrücken für Togo

Benefiz-Konzert für Togo : „Lösegeld“ für einen tollen Abend

Mit ihrem grandiosen Schauspiel-Konzert erspielten Musikerinnen und Musiker aus Zweibrücken und Umgebung am Sonntag fast 6000 Euro Spendengeld für die Stiftung „Aimer la Vie“ im afrikanischen Togo.

Wenn ein Pfarrer die Konzertbesucher in seiner Pfarrei kidnappt (entführt), muss das einen triftigen Grund haben. Für Robin Wood, alias Wolfgang Emanuel, Nachfahre von Robin Hood und erster Bürgerlicher der traditionellen Adelsfamilie aus dem Sherwood Forest, jetzt ansässig im Pfälzerwald, ist klar: „Geld für die Stiftung ‚Aimer la Vie‘ im afrikanischen Togo!“

Da vielfältige Umstände einem ehrlichen Räuber und seiner Bande aus mittellosen Musikern das Leben erschweren, bleibt nur eines: ein Benefizkonzert, bei dem der Zutritt frei ist, vor dem Austritt jedoch (reichlich) „Lösegeld“ gezahlt werden muss, um Menschen mit Krankheiten und Behinderungen in Togo ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Von dem Leben dort zeugten 70 Fotos, die während der Pause des gut zweistündigen Konzertes im Zweibrücker Pfarrheim Heilig Kreuz sowie zum Schluss eingeblendet wurden.

Unter dem Motto „Kidnapping in Wind-Wood-Forest“ präsentierten engagierte Musiker mit Holzblasinstrumenten, Klavier, Cello und Stimme ein wundervolles Konzert. Pfarrer Wolfgang Emanuel, im waldgrünen Wams mit verwegenem Räuberhütchen, erzählte als Robin Wood zwischendurch immer wieder von seinen Ahnen in Sherwood Forest. Diese seien in den Pfälzerwald gezogen, als sie das Lösegeld für ihren Landsmann Richard Löwenherz zu dessen Befreiung von der Burg Trifels zunächst überwacht und anschließend gleich einkassiert hatten. Doch mittlerweile seien die Kassen leer und normale Wegelagerei lohne sich nicht mehr.

Geschrieben hat die spannende, unterhaltsame Geschichte die Zweibrücker Sopranistin und Stimmbilderin Hildegard Baum. Abgestimmt auf das gemeinsam erdachte Motto „Wald“, hat die musikalische Leiterin des Benefizkonzertes, die Flötistin Helma Terres aus Pirmasens, das musikalische Programm konzipiert. Ein stiller Waldsee als wandfüllendes Hintergrundbild entführte auch optisch in den Wald als inspirierenden Kraftort. Die herrliche Musik lud die Zuhörer dennoch dazu ein, mit geschlossenen Augen auf Reisen gehen zu trällernden Flöten-Vogelstimmen, rauschenden Blättern oder plätschernden Quellen.

Umrahmt wurde das grandiose, klassische Konzert, von Sätzen aus der Triosonate e-Moll von Georg Friedrich Telemann, zelebriert von Flöte (Helma Terres), Oboe (Walther Theisohn), Cello (Holger Vehling) und Piano Marina Kavtaradze. Passend zu dem geheimen See, intonierten Holger Vehling und Marina Kavtaradze die „Waldesruh“ von Antonin Dvorak für Cello und Klavier.

Als wohl bekanntestes Stück interpretierten Helma Terres und Marina Kavtaradze aus Peer Gynt den Tanz der Anita sowie das tief berührende Lied von Solveig – tiefsinnig und mitreißend.

Natürlich darf in einer zünftigen Räubergeschichte das „Wirtshaus im Spessart“ nicht fehlen, aus dem Beate Günter und Robin Wood zur großen Erheiterung des Publikums (und spürbar ihrer eigenen), den Chanson auf das bürgerliche Leben im Duett interpretierten.

Zu den musikalischen Höhepunkten gehörten zudem das zarte Duett der „La Flûte invisible“ von Camille Saint-Saens (Text: Victor Hugo), grandios dargebracht von Beate Günther, Helma Terres mit ihrer Flöte fast aus dem Off halb hinter dem Bühnenvorhang und untermalt von Marina Kavtaradze.

Nachdenklich wurde es bei Benjamin Brittens „Metamorphosen“ (Oboe), bei der etwa Pan auf seiner Schilfrohrflöte blies, die einst seine angebetete Sphinx gewesen war. Mit dem Sonnenuntergang von Richard d‘Oyly Carte (The Setting Sun) beschlossen Sängerin, Flötistin und Pianistin den überaus gelungenen Abend.

Das Schauspiel-Konzert mit der verwegenen Geschichte und dem Räuberwein aus der Vorderpfalz in der Pause kam bei den rund 80 Gästen durchweg gut an. „Es war wunder-wunderschön“, klang es hier und dort. Nicht nur Monika Emmert fand Pfarrer Emanuel als Robin Wood „einfach spitze“. Sie lobte, ebenso wie Annelore Peterseim, zudem das enorme Engagement der Profimusiker, die ehrenamtlich für den Guten Zweck musizieren. Die Methodistin fühlte sich sehr angesprochen von der Rede von Père Augustin von der Stiftung „Aimer la Vie“ in Togo. Er habe spüren lassen, mit wie viel Liebe und Fröhlichkeit das Projekt, das Pfarrer Wolfgang Emanuel seit Jahrzehnten tatkräftig unterstützt, getragen sei.

5906 Euro Spendengeld kamen an dem Abend für die Stiftung „Aimer la Vie“ zusammen. Erst im Frühjahr hatte Wolfgang Emanuel 22 000 Euro an die Caritas in Togo überweisen können, die vollumfänglich der Stiftung „Aimer la Vie“ zu Gute kommen. Davon werden Menschen in der eigenen Stiftungseinrichtung ernährt, gepflegt und rundum liebevoll versorgt. Falls jemand das Konzert verpasst hat und gerne spenden möchte, kann er dies über das Konto der Pfarrei Hl. Elisabeth Zweibrücken tun – IBAN DE42 5425 0010 0098 0192 43. Wichtig dabei ist das Kennwort „Aimer La Vie“.