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Belastung für Feuerwehrleute wächst

Belastung für Feuerwehrleute wächst

Brandschützer leben gefährlich. Es kommt auch bei den Zweibrücker Helfern immer wieder zu Verletzungen. Die betreffen nicht nur den Körper, sondern oft auch die Seele, wie Feuerwehr-Chef Harald Schmieg klar macht. Dazu kommt: Nicht allen Arbeitgebern passt das Engagement ihrer Mitarbeiter bei der Wehr.

Feuerwehrleute setzen sich großen Gefahren aus. Und nicht immer geht das gut. Fälle, in denen die Brandschützer nach einem Einsatz Verletzungen davontrugen, gibt es auch bei der Zweibrücker Wehr. Das erklärt Stadtfeuerwehr-Inspektor Harald Schmieg im Gespräch mit dem Merkur. "Es gibt Helfer, die knicken um oder stolpern, oft aus dem Grund, weil die Sichtverhältnisse am Einsatzort schwierig sind. In solchen Fällen kann es schwere Prellungen geben, aber auch Bänderrisse oder Schnittverletzungen. Es kommt aber auch vor, dass sich die Helfer leichte Rauchgasvergiftungen zuziehen." An Einsätze mit schweren Verletzungen könne er sich aber nicht erinnern, ist Schmieg erleichtert. "Ich bin immerhin seit 43 Jahren bei der Feuerwehr", erklärt er. Körperlich gingen die Einsätze meist relativ glimpflich aus. Aber man dürfe den seelischen Aspekt nicht vernachlässigen, betont der Wehrleiter.

Das bestätigte dieser Tage übrigens auch die Unfallkasse Rheinland-Pfalz, die mitteilte, dass die Feuerwehrmänner und -frauen in Rheinland-Pfalz immer häufiger nach Einsätzen unter seelischen und emotionalen Beeinträchtigungen litten (wir berichteten).

"Es ist richtig, dass nicht alle Helfer das Geschehene gleich gut verarbeiten können", sagt Schmieg. Oft würden diese, gerade, wenn es sich um Feuerwehrmänner handele, ihre Probleme aber nicht eingestehen wollen. "Es ist wohl schon so, dass man als Mann nicht gerne Schwäche zeigen und zugeben möchte, dass die Seele leidet."

Schmieg merkt aufgrund seiner langen Erfahrung aber zumeist, dass etwas nicht stimmt. Dann geht er sensibel vor, wie er betont. "Ich ordne in dem Fall ein Gruppengespräch an, jeder soll sich öffnen und über seine Erlebnisse berichten. So kann ich verhindern, dass ein Einzelner im Rampenlicht steht und alles auf ihn blickt."

Für die Gruppengespräche stünden besonders geschulte Notfall-Seelsorger bereit, ferner gebe es bei der Feuerwehr ein Krisen-Interventionsteam - "auch dort kann ich, über Kreisgrenzen hinweg, Hilfe anfordern" so Schmieg.

Natürlich sei klar: Auch die besten Gespräche könnten das Gesehene, das Erlebte nicht ungeschehbar machen. Schmieg nennt einen besonders beklemmenden Fall: "Ich war vor etlichen Jahren bei einem Einsatz, da mussten wir tote Kinder bergen. Ich werde diese Bilder mein Leben lang nicht mehr vergessen."

Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, hatte dieser Tage analysiert, dass die Belastungen für die Feuerwehrleute permanent wüchsen, weil sie nicht mehr nur, wie früher, für das Löschen von Bränden zuständig seien. Heutzutage würden sie auch nach Stürmen und Hochwasser auf den Plan treten, bei Verkehrsunfällen zum Teil schwer verletzte Personen aus einem Fahrzeug bergen - und schlimmstenfalls, wie von Schmieg erwähnt, Tote bergen. Schmieg pflichtet bei, dass die Anforderungen enorm seien. Und dies angesichts der Tatsache, dass die allermeisten Helfer in Zweibrücken ihre Aufgabe ehrenamtlich versehen. Da ist es umso wichtiger, dass der Arbeitgeber Verständnis für das Engagement seines Mitarbeiters zeigt und nicht zürnt, wenn dieser, sobald er alarmiert wird, auf der Arbeit alles Stehen und Fallen lässt. "Die meisten Arbeitgeber haben schon Verständnis", sagt Schmieg. Aber es werde doch schwieriger. Alleine schon aus dem Grund, dass der einzelne Mitarbeiter heute nicht mehr so leicht abkömmlich sei wie früher. "Früher haben in einem Unternehmen zehn Leute eine Maschine bedient. Heute bedient ein Mitarbeiter zwei Maschinen auf einmal", zeigt er Verständnis für die Arbeitgeber. Extrem werde es aber, wenn ein Brötchengeber so verärgert über das Ehrenamt seines Mitarbeiters ist, dass er ihm deswegen kündigt. "Diesen Fall hatten wir mal. Das ist natürlich heftig. Wir haben sofort das Gespräch mit dem Betrieb gesucht", sagt Schmieg.

Als Motivation für Unternehmen in Zweibrücken, die in besonderem Maße die Tätigkeit der Feuerwehr unterstützten, plane die Feuerwehr, diese mit einem besonderen Preis zu ehren. "So können wir ihr Verständnis würdigen und sie als gutes Beispiel hervorheben", nennt Schmieg das Vorhaben der Brandschützer.

Zum Thema:

Auf einen BlickAktuell hat die Feuerwehr auf der Hauptwache in Zweibrücken rund 100 Helfer, in Rimschweiler sind es 18, in Wattweiler neun und in Mörsbach sieben. Bis auf fünf Personen handelt es sich dabei um Ehrenamtler. Nicht alle der genannten Helfer sind laut Feuerwehr-Chef Harald Schmieg eine feste Konstante; manche schieden aus oder pausierten, um dann wiedereinzusteigen. Es gebe bei der Hauptwache einen "harten Kern" von 60 bis 70 Helfern, so Schmieg. eck