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Beirat für Migration und Integration Zweibrücken

Beirat für Migration und Integration : Kulturstühle als Platz für jeden

Das DRK und der Beirat für Migration und Integration Zweibrücken organisierten unter dem Motto „Kulturstühle“ ein hoch erfolgreiches Aktionswochenende für alle Generationen und Nationalitäten. Kinder und Erwachsene gestalteten bunt bemalte Stühle, die ihren Platz in der Gesellschaft symbolisieren.

Im Zweibrücker Mehrgenerationenhaus war „richtig was los“: Auf dem mit Folie ausgelegten Boden standen wunderschöne, massive Holzstühle aus einer Spende, die das Team des DRK in mühevoller Arbeit abgeschleift hatte. Sie warteten darauf, in dem Kreativprojekt „Kulturstühle“ von DRK und DRK-Migrationsberatung, unterstützt vom Beirat für Migration und Integration Zweibrücken, bemalt und künstlerisch gestaltet zu werden.

In freudvoller Gemeinschaftsarbeit quer durch Generationen und Nationen sollten sie symbolisieren: „Jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft!“ Bei den Kindern gab es kein Halten mehr, mit Feuereifer stürzten sie sich ans Werk. „Ich durfte ein bisschen helfen“, lacht die Perserin Benar Hussein zu der Malarbeit, die ihre Tochter Rayan (9) im Familienverband mit Mama und der kleinen Schwester Roza (4) vollendete. Gemeinsam wurden pastellige Regenbogenfarben gemischt und der Stuhl entsprechend gestaltet.

„Die Kinder haben Spaß gehabt und waren konzentriert bei der Sache“, stellte Sarah Minor, Leiterin der Beratungsstelle für Migranten in der Schwalbenstraße, abschließend fest. Ihr ist wichtig, es „zusammen mit den Menschen zu machen und nicht für die Menschen, sie selbst entscheiden zu lassen, woran sie Freude haben“.

15 Kinder aus unter anderem Syrien, Rumänien, dem Irak, sowie aus Deutschland waren der Einladung gefolgt. Sie hatten zum Teil wirkliche Kunstwerke mit Leuchtturm unter der Sonne oder blühenden Wiesen und Wolkenhimmeln auf die Stühle gezaubert. „Jeder von euch ist besonders und wir wollen eine Welt, die ganz bunt ist, deshalb haben wir die Stühle bemalt“, erinnerte Sarah Minor „ihre“ Kinder und deren Familien am Schluss. Die Werke zum Beispiel mit Meer und Leuchtturm unter der Sonne, mit Blumenwiese, Sonne und Wolkenhimmel neben der Deutschlandflagge, sind aktuell im Schaufenster der Mehrgenerationenhauses zur Landauer Straße hin zu bewundern.

Während einen Tag später, mit Rücksicht auf Früh- und Spätschicht, rund 15 Erwachsene es den Kindern im DRK-Migrationsberatungszentrum in der Schwalbenstraße gleichtaten, ließen sich andere im voll besetzten Foyer der Volkshochschule Zweibrücken von Bright Donkor faszinieren. „Ein Leben zwischen Schwarz und Weiß“ hatte der Zweibrücker sein erstes Buch betitelt. Darin erzählt der 30-jährige Ghanaer, der bei Zweibrücker Pflegeeltern aufgewachsen ist, von seinen Lebenserfahrungen als dunkelhäutiges Kind und Jugendlicher in der Welt der Weißen. In einer Zeit, in der in der Klasse höchsten zwei Kinder mit ausländischen Wurzeln saßen.

Er berichtet von den Berührungsängsten seiner Altersgenossen vor dem „Schwarzen“, den Ausgrenzungen seiner Klassenkameraden, und den Anfeindungen durch die Lehrerschaft, begonnen im Kindergarten und quer durch alle Schulen, bis hin zu seinem aktuellen Erfolg.

„In meinem ersten Diktat hatte ich 23 Fehler, kam auf die Sonderschule – heute habe ich ein Buch veröffentlicht!“ Schnell wird deutlich: Ohne die unerschütterliche Liebe seiner Ziehmutter und seines Ziehvaters, die ihm immer wieder Mut zugesprochen, ihn gestärkt, verteidigt, genau so angenommen haben, wie er ist, wäre es für den sensiblen Jungen, der so gerne umarmen und Zuneigung erfahren wollte, zu keinem so guten Ende gekommen.

„Von dieser Schule bin ich einmal geflogen“, erinnerte er mit Blick auf die Räumlichkeiten. Eine besondere Art der Heimkehr und der Heilung, die er beim Verfassen seines Buches in einem Coaching-Seminar erfahren hat. In einem Wechsel aus Buchlesung und freier Erlebniserzählung nimmt Bright Donkor sein Publikum mit in „seine“ Welt, machte seine Gefühl nachvollziehbar.

Quer gemischt waren die gut 50 Zuhörer auch in ihrer Altersstufe, von seinem besten Freund über Schüler bis hin zu interessierten Erwachsenen.

In der anschließenden, lebhaften Diskussion stellte sich unter anderem die Frage: Als was fühlst du dich? „Hier bin ich die Russin, in Russland die Deutsche“, beschreibt Tatjana Medenko, Vorstandsmitglied im Beirat für Mirgration und Integration, als Deutschrussin ihr Dilemma.

Bright Donkor gab besonders den jungen Menschen mit auf den Weg: „Hörst du auf dich, deine Gefühle und Bedürfnisse, kannst du alles schaffen.“ Nicht nur die Schüler fühlten sich von dem gelernten Verkäufer, der künftig als Autor leben will, ermutigt.

Als Geschenk und begleitendes Symbol für seine künftigen Lesungen erhielt er einen der eigens für ihn gefertigten Kulturstühle in schwarz-weiß.