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Beirat für Migration und Integration der Stadt Zweibrücken

Überrascht über Aussagen von ADD und Zweibrücker Stadtverwaltung : Integrationsbeirat: Flüchtlingskinder besser verteilen

Werden Flüchtlingskindern in Zweibrücken in einer Grundschule geballt? Das hatte der Integrationsbeirat in seiner jüngsten Sitzung kritisiert . Dagegen erklärten die Schulbehörden (Stadtverwaltung und ADD) auf Merkur-Anfragen, Zahlen zu Flüchtlingskindern in Schulen gar nicht zu erfassen – sondern lediglich zu Kindern mit Migrationshintergrund und mit Sprach-Förderbedarf.

Aber auch da gebe es keine Ballung. So schrieb die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (wir berichteten): „Es ist keineswegs so, dass alle ,Migrantenkinder’ an die Pestalozzischule geschickt werden – auch für die Stadt Zweibrücken gelten die Regeln des Schulbezirks.“

Der Pfälzische Merkur hatte aus der Beiratssitzung die stellvertretende Vorsitzende Tatjana Medenko zitiert, die Zeitung Die Rheinpfalz einige Tage später inhaltlich gleichlautend aus einem Gespräch mit Elke Hilgert, ebenfalls stellvertretende Beiratsvorsitzende.

Auf Merkur-Nachfrage zeigt sich Medenko nun verwundert über die Antworten der Behörden. Denn sie widersprächen den praktischen Erfahrungen des Integrationsbeirats und anderer engagierter Bürger mit Flüchtlingskindern. Medenko: „Wir gehen in die Familien rein, wir arbeiten viel mit Kindern besonders aus Syrien. Die sind fast alle in der Pestalozzischule – auch wenn sie ganz woanders in der Stadt wohnen.“ So wohne ein Kind direkt gegenüber der Thomas-Mann-Schule, gehe aber in die Pestalozzischule. Und in der Schwalbenstraße, wo die Stadt sehr viele Flüchtlinge untergebracht habe, gingen alle den Beiratsmitgliedern bekannten syrischen Kinder in die Pestalozzischule statt in die (laut Merkur-Berechnung) zu Fuß drei Mal so schnell erreichbare Thomas-Mann-Schule.

Um die eigenen Erfahrungen auch mit Zahlen belegen zu können, hätten sie, Hilgert und der syrische Beirats-Vorsitzende Kamiran Mohamad vereinbart, in den Sommerferien bei allen Flüchtlings-Familien abzufragen, wo ihre Kinder zur Schule gehen, berichtete Medenko.

Sie betonte – wie schon in der Beiratssitzung –, die Pestalozzischule leite sehr gute Arbeit bei der Integration. Angesichts der gestiegenen Flüchtlingskinder-Zahlen fände der Beirat es aber besser, die Kinder gleichmäßig auf die Zweibrücker Schulen zu verteilen. Im Beirat hatte Medenko als Beispiel genannt, dass ein kurdisches Kind, das zuhause nur deutsch und kurdisch spreche, plötzlich auch arabisch rede – weil es das auf dem Schulhof gelernt habe. Im Gespräch mit dem Merkur am Dienstag blickte Medenko auch auf ihre eigenen Erfahrungen zurück: „Als ich nach Deutschland gekommen bin, sind die Kinder auf die Schulen verteilt worden.“ Wenn nicht nur im Unterricht, sondern auch auf dem Schulhof deutsch gesprochen werde, klappe die Integration viel besser: „Ich habe in drei Monaten deutsch gesprochen. Das ist besser für die Zukunft.“