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Bei Drama an Himmelsbergbrücke starben 1967 vier Arbeiter

Bei Drama an Himmelsbergbrücke starben 1967 vier Arbeiter

Schweres Unglück vor 50 Jahren: Zwölf Bauarbeiter wurden 18 Meter in die Tiefe gerissen.

Die Himmelsbergbrücke in Zweibrücken ist derzeit wieder in aller Munde. Dort finden momentan umfangreiche Sanierungsarbeiten statt, das Bauwerk ist marode und muss erneuert werden. Im Rahmen dieser Sanierungsarbeiten machte die Brücke jetzt auch negative Schlagzeilen. Beziehungsweise: Das, was unter der Brücke gefunden wurde. Tausende Spritzen und Kanülen sind dort illegal entsorgt worden, von wem, steht - zumindest im Augenblick - noch nicht fest. Ein ekliger, schockierender Fund, gerade auch deswegen, weil zumindest einige der Spritzen und Kanülen benutzt worden sind (siehe Bericht gestern und heute auf Seite 17). Doch das ist kein Vergleich zu dem, was sich vor 50 Jahren beim Bau der Brücke abspielte.

1967, als die Brücke gebaut wurde, ereignete sich nämlich ein schweres Unglück. Hartmut Sutter (71, pensionierter Redakteur des Pfälzischen Merkur), erinnert sich noch gut an das Drama. Das war damals ein großer Auflauf", blickt Sutter zurück. Es war der Vormittag des 14. Juli 1967, also vor fast exakt 50 Jahren.

Es war gerade 9.12 Uhr, zwölf Bauarbeiter standen auf dem Gerüst der 28 Meter langen Brücke, es galt, Betonarbeiten zu verrichten. Plötzlich dann der Schock: Das Gerüst kann das Gewicht, das auf ihm lastet, nicht halten, die Konstruktion bricht zusammen: Zwölf Bauarbeiter werden 18 Meter in die Tiefe gerissen. Gewaltige Mengen Staub werden aufgewirbelt, der Lärm ist ohrenbetäubend. Die umstehenden Menschen, völlig unter Schock stehend, müssen erst einmal warten, bis sich der Staub verzogen hat. Dann offenbart sich ihnen ein Bild des Schreckens: Vier Bauarbeiter, einer aus Herschberg, einer aus Einöllen und zwei aus Lothringen haben das Unglück nicht überlebt. Die anderen acht Arbeiter haben schwere Verletzungen erlitten.

"Nur Minuten später war der Einsturz schon das Gesprächsthema in der Hauptstraße", sagt Sutter. Die Gerüchte von zehn Toten und Sabotage habe die Runde gemacht. Wie viele Zweibrücker eilte Sutter zum Himmelsberg. Neben den Menschen "mit betroffenen Mienen" seien bereits DRK, THW, Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr im Einsatz gewesen. Auch ein Oberstaatsanwalt sei vor Ort gewesen. Ein halbes Jahr zuvor war im Januar 1967 die aus dem Jahre 1875 stammende Brücke aus einem Sandsteingewölbe gesprengt worden. Die Brücke musste der neuen Bundesstraße 10 weichen. Statt der 20 Meter messenden Brücke über die Bahnlinie wurde für die neue Straße eine 28 Meter lange Brücke für Fußgänger notwendig. Für Autofahrer wurde nach Aussage Sutters eine Brücke an der Seilerstraße errichtet.

"Das war einer der schlimmsten Arbeitsunfälle nach dem Krieg in Zweibrücken, wenn nicht gar der schlimmste", vermutet Sutter.