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Bauausschuss in Zweibrücken lehnt Einschränkung von Schotter-Gärten ab

Grünen-Chef bedauert Nein zu Anti-Steingärten-Antrag : „Die Tierwelt leidet“

Bauausschuss lehnt Einschränkung von Schotter-Gärten ab. Norbert Pohlmann (Grüne) zeigt sich enttäuscht und fordert Umdenken.

Das Artensterben treibt Norbert Pohlmann um. Immer mehr Tier- und Pflanzenarten verschwinden von der Erdoberfläche. Die meisten Menschen sind sich einig: Es besteht Grund zur Sorge. Doch wenn es darum geht, aus dem Artensterben konkrete Handlungsanweisungen abzuleiten, ist es mit der Einigkeit rasch vorbei.

Diese bittere Erfahrung musste Pohlmann, Fraktionschef der Grünen und Spitzenkandidat seiner Partei bei den Wahlen für den Stadtrat, jetzt im Bauausschuss machen. In der jüngsten Sitzung des Gremiums (wir berichteten) stellte er den Antrag, die Stadt möge künftig dafür Sorge tragen, dass die Gärten von Hausbesitzern in Zweibrücken künftig zu begrünen sind. Es habe sich in den vergangenen Jahren gerade bei neu bebauten Grundstücken der bedenkliche Trend entwickelt, die Gärten „nur punktuell oder gar nicht zu bepflanzen und stattdessen großflächig Kies, Splitt oder anderes Schüttmaterial aufzubringen.“ Pohlmann sagte ferner, die Stadt habe die rechtlichen Grundlagen dafür, den Grundstückseigentümern dies aufzutragen. Es gehe ihm nicht darum, die Bürger zu gängeln, aber angesichts des Artensterbens sei es von enormer Bedeutung, grüne Gärten anzulegen, in denen sich Insekten und Schmetterlinge ansiedeln könnten; in den modern gewordenen Steingärten veröde das Leben und das Artensterben werde forciert.

Aber seine Worte fielen nicht auf fruchtbaren Boden. Mit zwei Stimmen für den Antrag und zehn dagegen erlitt Pohlmann eine Niederlage. Die Begründung im Bauausschuss: Die Bürger sollten nicht vorgeschrieben bekommen, wie sie ihre Gärten zu gestalten hätten. Und dann sei Artenvielfalt ja auch eher etwas für landwirtschaftliche Flächen, grüne Gärten statt Steingärten – das mache den Bock nicht fett.

Pohlmann widerspricht dem vehement. In einer Pressemitteilung nennt er die Entscheidung im Bauauschuss „bedauerlich und kurzsichtig“. In Bayern würden die Uhren anders gehen, erklärt der Grünen-Fraktionschef. Dort hätten sich 1,8 Millionen Bürger per Volksbegehren dafür eingesetzt, mehr für den Artenschutz zu tun. „Der Zweibrücker Stadtrat traut sich hingegen nicht, klare Vorgaben zu formulieren“, ärgert sich der promovierte Biologe.

Er richtet mahnende Worte an die Entscheidungsträger und die Bürger: „Die Tierwelt leidet unter der zunehmenden Oberflächenversiegelung, Vögel verlieren ihre Nistplätze, Insekten, die im Erdreich leben und Vögeln als Futtergrundlage dienen, haben keinen Lebensraum mehr“, macht Pohlmann deutlich. „Begrünte Gärten bieten Insekten, Kleinvögeln und anderen Tieren Nahrung und Rückzugsräume. Zugleich haben grüne Gärten einen positiven Einfluss auf das Mikroklima, weil das Aufheizen von Stein oder Beton vermieden wird“, nennt der Grüne Vorteile. Nun hofft Pohlmann auf ein Umdenken.

Hoffnung hegen auch seine beiden Parteifreunde Susanne Bendig und Felix Schmidt – und zwar auf die Realisierung einer Biosphärenbrücken (wir berichteten zuletzt am 8. Mai). Bendig, Spitzenkandidatin der Grünen bei den Wahlen zum Rat der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, trommelt für die Realisierung dieser Biosphärenbrücke, die Natur und Tourismus der beiden Biosphärenreservate Pfälzerwald-Nordvogesen und Bliesgau neue Impulse geben und quasi das verbindende Element zwischen beiden Reservaten darstellen soll.

Bendig betont: „Der Schutz von Arten und Ökosystemen bedeutet auch Vorsorge für das menschliche Dasein; zudem können mit der Biosphärenbrücke die Einzugsgebiete von Hornbach und Schwarzbach deutlich aufgewertet werden“. Aber durch das Projekt müsse ein Mehrwert für die Natur entstehen, fordert sie. Einfach nur Schilder aufstellen zur touristischen Vermarktung sei zu wenig.

Felix Schmidt, Kreisvorstandssprecher der Grünen und auf Platz 2 der Grünen-Bezirkstagsliste, erklärt, dass die Fraktion der Grünen im Bezirkstag sich nachdrücklich für eine Weiterentwicklung der Biosphäre Pfälzerwald-Nordvogesen einsetze.

Norbert Pohlmann. Foto: Jo Steinmetz

„Die Verbindung von Biosphärenregionen ist sinnvoll. An der französisch-saarländischen Grenze stoßen das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen und Bliesgau bereits aufeinander, nur im Süden der Südwestpfalz gibt es hier eine Lücke.“ Es gelte, diese Lücke zu schließen.