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Barbara Franke legt mit "Hautnah" ein neues Buch vor

Zweibrücker Lyrik : Wenn aus einer „fixen Idee“ ein Gedicht wird

Die Zweibrücker Autorin Barbara Franke hat ihr siebtes Buch auf den Markt gebracht. Unter dem Titel „Hautnah“ vereint es mehr als 80 „Gedichte und Lyrische Prosa“.

„Hautnah“ skizziert in einem Wort, was den Leser erwartet. „Es müssen einem Sachen unter die Haut gegangen sein, damit sie es wert sind, interpretiert zu werden“, beschreibt die 76-jährige Diplompädagogin Barbara Franke ihr Ansinnen. Und die sind so vielfältig, wie das Leben selbst. Bei einem achtsamen Menschen wie Barbara Franke decken sie eine grenzenlos erscheinende Bandbreite ab, von dem „Stoff“, aus dem ihre Texte sind bis hin zu Flüchtlings- oder Beziehungsthemen.

Die Gedichte können in ganz profanen Situationen entstehen, wie etwa beim Geschirrspülen. „Da hat man so eine fixe Idee und daraus ergibt sich ein Gedicht“, lächelt Barbara Franke. So verschieden wie die Anlässe ist auch der Stil, in dem sie ihre Gedanken in Worte fasst, um sie für andere nachvollziehbar und ihre Gefühle dabei nach-spürbar zu machen. Oft sehr subtil. Das langjährige Jurymitglied in diversen Autorengruppen beherrscht die Macht des Wortes und seine Schwingungen. Oft webt sie ihre Gedankengänge die Zeilen übergreifend, lädt ihre Leser dazu ein, einmal anders zu denken, Dinge und Situationen aus eine neuen Perspektive zu betrachten.

Die Freude am Spiel der Worte ist stets verknüpft mit der Botschaft, die ihr am Herzen liegt. Inhalt vor Form. „Ich will verstanden werden, mich mit-teilen, über meine Gedichte mit anderen in Kontakt treten und eine Gemeinschaft daraus entstehen lassen“, beschreibt sie ihre Motivation. Besonders gut gelinge das bei Lesungen, nach denen man sich persönlich austauschen könne. Barbara Franke „sendet“ ihre Botschaften bald subtil und nachdenklich (machend), doch manchmal auch sehr konkret und direkt.

Aufweckend, wie etwa in „Kollateralschäden“, in denen sie die „Nebenwirkungen“ ungenannter Kriegshandlungen in Erinnerung ruft, die billigend in Kauf genommen werden. Sie findet: „Das gehört gesagt, und zwar klar!“ Menschenschicksale in Kriegsgeschehen berühren die Zweibrückerin immer wieder. Der Blick selbst auf entsetzliche und erschreckende Spielzüge des Lebens mag herausfordernd sein für den Leser. Doch immer wieder lädt die Autorin auch dazu ein, im Alltag inne zu halten, achtsam den Augenblick zu betrachten und zu genießen.

In „Trennscheibe“ zeichnet sie mit wenigen Worten einen versunkenen Blick in den winterkalten Garten durch die trennende Fensterscheibe, der über das warme Licht der Lampe wieder zurück ins Leben findet. Die meisten Gedichte in dem neuen Werk, das mit Bildern von Johannes Franke spärlich illustriert ist, stammen aus diesem Jahr, doch einige auch aus früherer Zeit. Wie etwa „Un-Ort“, mit dem sie Gemälde ihres Ehemanns emotional interpretiert hat.

Bilder inspirieren Barbara Franke schon immer. Etliche Kunstausstellungen hat sie bereits mit ihren „Bild-Texten“ bereichert. „Mich reizt sehr, zu Bildern Texte zu schreiben“, sagt sie. Sie nimmt die Schwingung von Form und Farbe auf und überträgt diese in Wort und Sprache.

Die Verschiedenartigkeit ihrer Gedichte verleiht Barbara Frankes neuestem Werk seinen besonderen Reiz. Unter sieben Kategorien bietet sie eine grundthematische Gliederung an: Schreibelend, Brüche, Wehmut, Un-Ort, Zwei(n)samkeit, Anverwandlung, Nur ein Lächeln. Thematisch ist „Hautnah“ eine wunderbar tiefgründige Winterlektüre für ofenerwärmte und kerzenerleuchtete Kuschelabende. Gedichte, die bei jeder Wiederholung eine andere Wahrnehmung ermöglichen und „(wieder)gekaut“, nicht nur „hinuntergeschluckt“ sein wollen.

Das 111 Seiten starke Werk ist erschienen im Echoverlag und kostet 12,90 Euro. Es eröffnet den Reigen der Jubiläums-Editionen, mit denen der Zweibrücker Buchverlag der Autoren Michael Dillinger und Wolfgang-Ohler sein 40-jähriges Bestehen 2021 feiert. Es ist erhältlich bei Thalia in Zweibrücken über den Bestell- und Abholservice sowie beim Echoverlag, Bestellung mit der ISBN 978-3-924255-35-0 unter sowo-echo@gmx.de