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Baggerfahrer stößt auf dreigeschossige Westwall-Anlage

Baggerfahrer stößt auf dreigeschossige Westwall-Anlage

Das Gebäude 4004 der früheren amerikanischen Kaserne auf dem Zweibrücker Kreuzberg war schon im Juli in die Schlagzeilen geraten: Wegen unzureichender Untersuchung eines Fachbüros stiegen die Abrisskosten um 70 Prozent. Jetzt ist bei den Arbeiten eine Westwall-Anlage gefunden worden. Das geplante Gewerbegebiet wird dadurch aber nicht gefährdet.

Der Baggerfahrer des Abrissunternehmens mühte sich vergebens. Trotz großer Maschinenkraft wollte eine Wand nicht wie die übrigen fallen. Kein Wunder - handelte es sich doch um eine Betonwand, die mit Stahl stark verstärkt war und nicht um eine normal gemauerte Wand. Die Mitarbeiter des Stadtbauamts vermuteten gleich, dass es sich nicht um die Mauer einer Kaserne handeln kann.

Das hinzugezogene Landesdenkmalamt aus Mainz bestätigte am Donnerstag die Vermutung. "Bei dem Objekt handelt es sich um eine Westwall-Anlage", gab Jörg Müller, beim Bauamt für die untere Denkmalpflege zuständig, am Freitagmittag die Erkenntnis der Landesdenkmalpfleger weiter. Dabei handelt es sich um eine dreigeschossige Anlage. Den Denkmalpflegern sei im Land noch keine solche Anlage untergekommen, sagte Müller.

Und noch eine Besonderheit hatte die Anlage: Sie war vollständig in ein bis in die frühen 1990er Jahre genutztes Kasernengebäude der US-Armee integriert. "Von der Anlage hat man von außen nichts gesehen", sagte Müller. Deshalb sei die Anlage erst beim Abriss entdeckt worden. Der Keller ist etwa sieben mal sieben Meter groß. Der darauf stehende Turm, der als Kampfraum diente, ist vier auf vier Meter groß. Vom Keller bis zur Decke sind es rund neun Meter. Während der Kellerraum zugänglich war und vermutlich auch genutzt wurde, worauf Kabel und Schalter hindeuten, waren die zwei Geschosse des Turmes nicht zugänglich. "Eine Luke war wohl nach dem Krieg zugemauert worden", vermutete Müller. Anhand von Halterungen und Schriften könne man die Nutzung des Kellers nachvollziehen.

Das Landesamt habe die Anlage untersucht und dokumentiert. "Was jetzt weiter passiert, müssen wir abwarten", sagte Müller. Die Denkmalpfleger würden eine Empfehlung geben. Vorerst seien die Abrissarbeiten gestoppt. Die Anlage befindet sich am Rande der Fläche, die nach dem Abriss für Gewerbe genutzt werden könne. Das Areal an der Amerikastraße grenzt an das Gewerbegebiet oberhalb der Fachhochschule.

Bereits im Juli war das Gebäude in die Schlagzeilen geraten. Ein Fachbüro hatte zur Berechnung der Abrisskosten das Gebäude unzureichend untersucht. So stiegen die Kosten zum Ärger der Stadträte um 70 Prozent gegenüber den geplanten (wir berichteten). Zuvor hatte sich kein Interessent gefunden, der das Gebäude 4004 kaufen wollte.