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Bäckerei und Konditorei Schmidt in Zweibrücken stellt ihren Betrieb ein

Plötzliches Aus für beliebten Zweibrücker Traditionsbetrieb : Nach über 70 Jahren: Bäckerei Schmidt schließt

Bei vielen Zweibrückern herrscht tiefe Betroffenheit über die überraschende Aufgabe des Geschäftsbetriebs diesen Mittwoch.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Mittwochvormittag in Zweibrücken die Nachricht, dass eines der traditionsreichsten und beliebtesten Unternehmen der Stadt für immer schließt. Dabei deutete für vorbeilaufende Passanten nichts darauf hin, dass der Mittwoch der letzte Arbeitstag für die Bäckerei und Konditorei Schmidt sein sollte: Am Schaufenster hing (selbst noch am Donnerstag) keinerlei Hinweis auf das Aus. Doch via Facebook berichteten immer mehr Kunden entsetzt von der Schließung: In der Gruppe „Zweibrücken, unsere Stadt“ wurden unter der Überschrift „Bäckerei Schmidt hat heute letzten Tag geöffnet. Wieder ein Stück Tradition verloren“ großes Bedauern über die Schließung und viele, viele Erinnerungen ausgetauscht.

„Dann gönnt euch nochmal alle was. War eben da, ein letztes Mal eine letzte Brezel“, schrieb etwa ein Mann. Diesem Beispiel folgten offensichtlich derart viele Zweibrücker, dass „die besten Brezeln der Pfalz (so ein anderer Mann) schon am Mittag ausverkauft waren.

Was viele gar nicht glauben wollten (zumal bis zur Corona-Krise immer viel Betrieb zu sein schien), bestätigten die Inhaber am Mittag auf Merkur-Nachfrage: Mit dem Ladenschluss am Mittwoch schließt der Betrieb für immer. Zu den Gründen will sich Familie Schmidt erst in der kommenden Woche äußern und verriet zunächst nur, dass die Entscheidung recht kurzfristig gefallen sei.

Über sieben Jahrzehnte lang war die Bäckerei die Adresse für frische Backwaren und Konditorprodukte in Zweibrücken. Neben der Hauptstelle mit der Backstube in der Nähe des Alexanderplatzes betrieb die Bäckerei Schmidt eine Außenstelle mit kleinem Café am Hallplatz. Diese Filiale war schon seit einigen Wochen nicht mehr auf – wobei Außenstehende sich da noch keinen Sorgen gemacht hatten, da man als alleinigen Grund die Corona-Krise vermutet hatte, währen der lange kein Café-Betrieb erlaubt war.

Zur Geschichte der Bäckerei Schmidt: 1948 oder 1949 (hierzu gibt es unterschiedliche Angaben) wurde der Betrieb von Ludwig Schmidt in der Fruchtmarktstraße eröffnet. 1957 zog die Bäckerei ins eigene Haus an den heutigen Standort in der Hauptstraße 13 um. Ludwigs Sohn Bernd Schmidt übernahm den Betrieb 1972 mit der Zusatzberechtigung, Konditoren auszubilden, Bernd Schmidt. Ein Jahr später übernahm er das „Rosencafé“ in der Fruchtmarktstraße von Friedwolf Liebold, weil die Kapazität in der Hauptstraße zu klein geworden war (das Rosencafé wurde Anfang 2012 geschlossen). 1975 richtete Schmidt den „Brezelstand“ vor seiner Bäckerei in der Hauptstraße ein, 2004 kam die Filiale mit Café an der Ecke Hauptstraße/Hallplatz hinzu. Mitte der 200er-Jahre zog sich Bernd Schmidt aus dem aktiven Geschäft zurück, das seitdem von seinen Kindern und seiner Frau geführt wird.

Bernd Schmidt hatte seine Lehre im Café Sommer in Stuttgart absolviert und brachte aus Schwaben viele Rezepte mit nach Zweibrücken, unter anderem das der Brezel, die sich besonders als Butterbrezel hier zum Kultobjekt entwickelte. 2006 berichtete Schmidt in einem Merkur-Artikel, dass er täglich etwa 700 Stück verkaufe. Auch bei vielen offiziellen Anlässen der Stadt wurden die Brezeln serviert.

Eine kleine Auswahl der vielen bewegenden Zitate zu der Schließung aus der Diskussion in der oben erwähnten größten Zweibrücker Facebook-Gruppe:

„Das ist echt sehr traurig, denn die leckeren Kuchen und Kaffeestückchen waren einfach Spitze.“

„Echt jetzt? Und wo bekomme ich den leckersten Marzipanplunder ever in Zukunft her?“

„Schade, sehr schade … da ging schon meine Mutter immer hin mit mir an der Hand, wenn sie ,in die Stadt’ kam.“

„Nein, wo bekomme ich jetzt die allertollsten Zimtschnecken her, wenn ich mal in Zweibrücken bin?“

„Dann gibt es keine leckere Kuchen und Kaffeestückchen mehr.“

„Eine der wenigen Bäckereien, die noch frisch gebacken haben. Den Mitarbeitern alles Gute für die Zukunft.“

„Es wird wohl keinen Zweibrücker geben, der dort nie eine Brezel gegessen hat.“

„Ich finde es immer wieder sagenhaft, wie die Entrüstung hochbrodelt, wenn wieder ein Geschäft zumacht. Wer von denen allen, die hier jammern, hat regelmäßig dort eingekauft? Oder vielleicht doch lieber wegen ein paar Cent Ersparnis doch bei irgendeiner Fabrikkette oder im Supermarkt?“

„Meine Lieblingstorte: Käsesahne mit Johannisbeeren. Bei uns Zuhause kein Geburtstag ohne Schmidtekuchen.“

„Die Stadt verliert ihre besten Brezeln. Das ist wie Zweibrücken ohne Rosengarten.“

„Das ist schade! Zweibrücken ohne gute Butterbrezel.“

„Ja, die Butterbrezeln waren die Besten! Eine der besten Bäckereien, die es noch gab.“

„Sehr schade ... dort gab’s den besten Rhabarberkuchen ... hab schon oft versucht, den Guss nachzubacken, leider ohne Erfolg. Auch wenn ich schon lange aus Zweibrücken weg bin, die Erinnerung daran bleibt.“

„Die flammenden Herzen ... was hab ich die geliebt.“

„Da gab’s den weltbesten Käsekuchen.“

„Vielleicht bekommt man jetzt das Käsekuchen Rezept, würde mich riesig freuen.“

„Sehr schade, der Kranzkuchen war immer sooo lecker. Mein Schwiegervater hat ihn, als wir noch in Oranienburg bei Berlin gewohnt haben, gekauft, verpackt, bis Mittag zur Post, und am anderen Tag konnten wir den Kranzkuchen zum Kaffee „verschlingen“ (einige Stücke).“

„Ich habe heute Morgen noch schnell ein Sortiment gekauft.“

„Die Torten waren super und die Brezeln sind ja quasi Legende, schade, aber die Bäckereien hatten es ja vor Corona schon sehr schwer durch die ganzen Discountbrötchen und nun hat Corona noch voll hineingehauen.“

„Das ist sehr schade. Wo wir in Urlaub gefahren sind, musste der Plunderkranz mit. Ich habe mir schnell noch einen gekauft und eingefroren.“

„Mir tut‘s leid ... hatten super Ware ... bin aber schon sehr lange von Zweibrücken weg ... habe früher immer bei Bäckerei Schmidt eingekauft ... Butterbrezeln für die Arbeit ... und das schon vor 50 Jahren.“

Nicht nur einige der Reaktionen auf Facebook zeigen, dass die Bäckerei Schmidt auch ein großer Anziehungspunkt für Ex-Zweibrücker war, die nur noch ab und an zu Besuch in ihrer Heimatstadt sind. 2013 etwa berichtete der Merkur über die in die USA ausgewanderte Susanne Daniels und fragte, was sie (außer Angehörigen und alten Freunden) am meisten vermisse: Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Immer und immer noch die Bäckerei Schmidt. Die Mohrenköpfe, Rhabarberkuchen und Butterbrezeln – schon als Schülerin an der Bushaltestelle haben wir die immer gegessen.“ Wobei sie damals schon bedauerte: „Jedes Mal, wenn ich komme, hat etwas zu, was mir gefallen hat, und dafür ist etwas Neues auf.“

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