1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Axel Prahl in der Festhalle Zweibrücken

Axel Prahl in der Festhalle : Großer Durst, große Liebe, große Familie

Axel Prahl zeigt sich beim Auftritt in der Festhalle als passabler Sänger und charmanter Unterhalter.

Tatort-Kommissar Axel Prahl ist neben der Schauspielerei auch ein guter Sänger und Songschreiber. Das bekamen am Freitagabend die 300 Zuhörer in der Festhalle unter Beweis gestellt. Warum er aber mit seiner Fernseh-Popularität so gar nichts zu tun haben will, blieb unklar.

Das Wort „Tatort“ fiel an dem Abend zuletzt bei der Ankündigung des Stars durch Rosenkönigin Annika Allgeier. Als später Prahls musikalischer Leiter Danny Dziuk ansetzte, er habe auch schon mal mit Jan Josef…, fiel Prahl ihm ins Wort: Diesen Namen wolle er heute nicht hören. Gemeint war natürlich Tatortkollege Liefers, mit dem Prahl in der Serie eine gewisse Hassliebe verbindet. Vielleicht wollte der Sänger diesen Umstand auch auf der Bühne demonstrieren, vielleicht will er aber auch einfach nicht als Tatort-Star, sondern als Musiker wahrgenommen werden, sobald er sich von seiner hervorragenden Band, dem Inselorchester, begleiten lässt.

Das Gastspiel fand im Rahmen des diesjährigen Euroclassic-Festivals statt, das unter dem Motto „Nordlichter“ steht. Prahl passt da hervorragend hinein, stammt er doch aus Ost-Holstein. Das Märchen vom Fischer und seiner Frau verpackte er in eine musikalische Variante auf Plattdeutsch und ließ das Publikum „Mantje mantje timpe te“ mitsingen.

Prahl startete auch, wohl um dem Motto gerecht zu werden, mit einigen Seemannsliedern. Als man schon befürchtete, das ginge vielleicht den ganzen Abend so weiter, bekam er aber noch mal die Kurve und zeigte seine große Stilvielfalt: Einige traurige Balladen gab es da, ansonsten Rock, Funk und sogar karibische Rhythmen.

Einen französischen Chanson sang er rauchend und Rotwein trinkend. Die Flasche Bier aus einer heimischen Brauerei bekam er aber gleich zu Anfang. „Man kann sich dran gewöhnen“, meinte er dazu und warnte zugleich: „Falls Sie mal nach Würzburg kommen: Trinken Sie Wein!“

Die Zuschauerzahl war natürlich durch die Coronavorschriften begrenzt, das Konzert somit ausverkauft. „Die Familie ‚Besetzt‘ war hier in Zweibrücken ganz schön produktiv“, kaulauerte Prahl deswegen in Anbetracht der vielen mit Schildern freigehaltenen Stühle.

Thematisch packte der TV-Star auch eine große Bandbreite aus: Neben den Sauf- und Seemannsliedern gab es da typische Mutmach-Songs, mehrere Songs über das Liebesleid („Wieso bist du immer noch da“, „Da brennt noch Licht“), über einen verstorbenen Freund („Schön, dass du da bist“) oder übers Glück mit seiner dritten Ehefrau, mit der er seit sieben Jahren verheiratet ist („Das ist meine Frau“).

Dziuk, der auch für Annett Louisan und Stoppok Songs geschrieben hat, durfte dann einen seiner eigenen Songs bringen: „Wenn zwei zueinander passen“. „Ich dachte, du hättest das für mich geschrieben, aber dann habe ich das von Annett Louisan gehört“, beschwerte sich Prahl im Scherz. Im Refrain sang der Schauspieler liebevoll die zweite Stimme – das erzeugte wirklich den Eindruck, dass hier zwei zueinander passten.

Schon seit zehn Jahren koordiniert Dziuk das neunköpfige Inselorchester, dessen Musikerinnen und Musiker immer wieder ihr großes Können unter Beweis stellen konnten. Dabei hinterließen Saxofonist Tom Keller, Gitarrist Johannes Feige und Geiger Rainer Korf den stärksten Eindruck. Prahl selbst ist wie schon erwähnt ein passabler Sänger. Aber er wäre allein mit seinen Gesangsfähigkeiten sicher nicht dorthin gekommen, wo er jetzt ist. Bei ihm sorgen natürlich die starke Persönlichkeit, der knorrige Charakter, die norddeutsche Dickköpfigkeit und ein großer Charme für die Unterhaltung des Publikums. Und eine gewisse Bekanntheit durch den Tatort sollte beim Ticketverkauf auch geholfen haben.

Am Ende erhob sich die Festhalle zu Standing Ovations. „Es tut mir leid“, meinte Prahl, als er nach der ersten Zugabe noch mal zurückkam. „Aber da vorne hat jemand ‚Zugabe‘ gerufen und wir nehmen auf jeden Einzelnen Rücksicht.“ Also gab es noch ein weiteres Extrastück, ehe die Musiker nach zweieinhalb Stunden die Bühne endgültig verließen.