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Autorennen mit Polizeistreife: Gericht verwirft Berufung

Zweibrücken/Pirmasens : Angehender Koch liefert sich Autorennen mit Polizeistreife

Die Jugendkammer des Landgerichts Zweibrücken hat am Donnerstag die Berufung eines 19-Jährigen aus Thaleischweiler verworfen, der im Januar wegen eines verbotenen Autorennens verurteilt worden war.

Er hatte sich in der Nacht zum 29. April 2019 in Zweibrücken mit seinem Opel ein Autorennen geliefert – und das ausgerechnet gegen einen Streifenwagen der Polizei Zweibrücken. Weil er dabei nicht nur viel zu schnell unterwegs war, sondern auch eine rote Ampel auf der Landstraße L 471 an der Dorndorf-Kreuzung kurz vor Contwig überfuhr, war der 19-jährige Koch-Azubi aus Thaleischweiler im Januar vom Jugendrichter des Amtsgerichts Pirmasens verwarnt und zu einem Verkehrserziehungskurs sowie neun Monaten Fahrerlaubnisentzug verurteilt worden.

Vor allem wegen des drohenden langen Verlusts seines Führerscheines war der junge Mann gegen den Richterspruch vorgegangen. Deshalb hat sich am Donnerstag die Jugendkammer des Landgerichts Zweibrücken noch einmal mit dem verbotenen Kraftfahrzeugrennen befassen müssen. Im Ergebnis verwarf die Kammer zwar die Berufung des 19-Jährigen, reduzierte aber immerhin die Sperrfrist für die Fahrerlaubnis des jungen Mannes um drei auf nunmehr sechs Monate. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Und der werdende Koch durfte noch im Saal 1 des Landgerichts seinen Führerschein abgeben.

In seiner Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende Richter Michael Schubert fest, der Sachverhalt habe sich in der Beweisaufnahme bestätigt. Demnach habe der 19-Jährige – aus dem Zweibrücker Stadtzentrum kommend – zunächst an der Kreuzung Landauer Straße/Saarland-/Molitorstraße mit seinem Opel einen „Kavalierstart“ hingelegt, nachdem die Ampel auf Grün gesprungen war. Dabei sei er kurz hinter der Kreuzung auf die Linksabbiegerspur der Gegenfahrbahn geraten. Dieser Umstand und die starke Beschleunigung des Kleinwagens habe die Aufmerksamkeit der Besatzung eines Streifenwagens geweckt. Die beiden Streifenwagenbeamten nahmen aber sofort die Verfolgung des Opel auf, um dessen Insassen zu kontrollieren. Doch das Auto fuhr den Beamten davon – mit bis 100 Kilometern pro Stunde, wie eine an der Verfolgungsjagd beteiligte 32-jährige Polizistin schätzte.

Dem Opel auf den Fersen fuhr der Streifenwagen am Freibad auf den L 471-Zubringer, wo der Opel laut Aussage des zweiten, 29-jährigen Beamten, der das Polizeiauto steuerte, mit bis zu 120 Kilometer pro Stunde „sehr flott“ unterwegs gewesen sein soll: „Ich habe das Gaspedal ganz durchgetreten, um an ihm dranzubleiben.“ Er habe das Haltesignal „Stopp Polizei“ eingeschaltet und mehrmals die Lichthupe betätigt, um den Opelfahrer zum Anhalten zu bewegen. Vergebens. Erst als der Kleinwagen die rote Ampel an der Dorndorf-Kreuzung überfuhr, habe er das Blaulicht eingeschaltet, worauf der Opel endlich anhielt – nach 2,7 Kilometern rasanter Fahrt durch halb Zweibrücken. Von dem Beamten zur Rede gestellt, soll der junge Mann, der mit seiner Freundin unterwegs war, fast entschuldigend gesagt haben: „Ich dachte, Sie wollten mit mir etwas schnell fahren.“ Den Streifenwagen, dabei blieb der 19-Jährige auch am Donnerstag, will er nicht als solchen erkannt haben. Er und seine Freundin hätten in den Rück- und Seitenspiegeln nur einen Audi A4 wahrgenommen, der ihnen seit dem Anfahren an der Ampel in der Landauer Straße gefährlich dicht aufgefahren sei. „Die Fahrt hätte so gar nicht stattgefunden, wenn mich die Polizei nicht bedrängt hätte“, behauptetet der 19-Jährige. Dabei sei er leider auch über die rote Ampel „gerollt“.

Damit der Polizei die Schuld an der wilden Hatz zu geben, wollte Staatsanwalt Christian Horras jedoch nicht gelten lassen. Er fragte in diesem Zusammenhang den 19-Jährigen eher rhetorisch: „Und wenn es nun nicht die Polizei gewesen wäre, was hätte das an Ihrer Fahrweise geändert?“ Darauf der 19-Jährige: „Hinterher ist man immer schlauer. Es war wohl die dümmste Reaktion von allen.“