Ausgewogene Mischung

Egal ob Händels „Wassermusik“, „O Isis und Osiris“ aus Mozarts „Zauberflöte“ oder Johann Sebastians Bachs „Air“: Die Mainzer Dombläser und Organist Lutz Brenner überzeugten beim Konzert in Zweibrücken.

220 Besucher erlebten am Sonntagnachmittag das Konzert der Mainzer Dombläser zusammen mit dem Organisten Lutz Brenner in der Heilig-Kreuz-Kirche in Zweibrücken . Bei der Begrüßung freute sich Kulturamtsleiter Thilo Huble darüber, dass trotz des schönen Wetters so viele Leute den Weg in die Kirche gefunden hatten. Der Auftritt fand im Rahmen des diesjährigen Euroclassic-Festivals statt. Die Besucher erlebten eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem, aus weltlicher und kirchlicher Musik sowie aus Orgel- und Bläserklängen.

Zunächst waren die Musiker nur zu hören und nicht zu sehen: Da hatten sich die fünf Bläser, Paukist Malte Rettberg und Brenner auf der Empore versammelt, um gemeinsam die "Ouverture for Trumpets" von Henry Purcell darzubieten. Die mächtige und feierliche Fanfare schien geeignet, das Publikum aus dem Nachmittagsschläfchen zu wecken. Die vier Sätze aus Georg Friedrich Händels "Wassermusik" schlossen sich da nahtlos an - Festtagsstimmung machte sich da in der Kirche breit, ehe Lutz Brenner mit seiner Bearbeitung von Johann Sebastians Bachs "Air" das Tempo wieder etwas herausnahm. Erst zu Mozarts Arie "O Isis und Osiris" aus der Zauberflöte nahmen die Dombläser vorne im Altarraum Platz und bewiesen, dass sie in der Lage sind, nahezu alles aus der Musik-Literatur im eigenen Arrangement zu spielen. Beim "Marche pontificale" des belgischen Organisten Nicolas Jaques Lemmens gingen sie wieder auf die Empore und verstärkten die ohnehin schon gewaltigen Orgelakkorde des Marsches. Anschließend durfte Brenner sein Können demonstrieren bei seiner Interpretation von Louis Viernes "Carillon de Westminster", dem Glockenspiel von Westminster, das hierzulande eher als Big Ben-Melodie geläufig ist. Das berühmte Thema wurde dabei mit sich wiederholenden Tonfolgen unterlegt, die an die viel später entstandene Minimal Music von Philip Glass erinnerten.

Die Dombläser wiederum sorgten mit drei von Enrique Crespo bearbeiteten Spirituals für Abwechslung, die allerdings im großen Hall der Kirche etwas unterging. Eines dieser Themen, nämlich "The Battle of Jericho", griff Brenner auch in seiner freien Improvisation auf, die sich nicht nur sehr virtuos gestaltete, sondern auch den Klangraum der Orgel voll ausschöpfte. Auf der Suche nach gewaltigen Akkorden wurde der Bad Emser mehrfach fündig und ließ somit die Luft häufig zittern. Der "Abendsegen" des deutschen Komponisten Engelbert Humperdinck (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen britischen Schlagersänger) beruhigte da die Hörnerven wieder, ehe mit "Feierlicher Auszug" von Richard Strauss das Konzert beendet wurde. Die Anwesenden gaben lange stehenden Applaus, so dass eine Zugabe gewährt wurde: Dabei blieben die Bläser am Altar, während Brenner und Rettberg auf der Empore weiter spielten - und zur Überraschung funktionierte das trotz des großen Abstands sehr gut.