„Aufregen hilft nichts“

Ein Schicksalsschlag hat sie aus der Bahn geworfen, aber sie sind wieder aufgestanden und machen damit anderen Leuten Mut. In der Serie „Mutmacher“ stellt der Pfälzische Merkur solche Menschen vor. Heute: Martin Horn, dessen Bein seit einem Unfall unterhalb des Knies amputiert ist.

Martin Horn wirkt gelassen, während er an seinem Getränk nippt und seine Geschichte erzählt. Was er so scheinbar nebenbei sagt, wirkt aus seinem Mund, als ginge es nur mal eben um einen Sonntagsausflug. Dabei berichtet er von einem Vorfall, der sein Leben verändert hat. Der heute 45-Jährige war noch ein junger Mann, der als Tischler in einer Schreinerei gerade erst im Berufsleben angekommen war, als ein Unfall alles veränderte. Im Lager seines damaligen Betriebes fiel erst ein sechs Meter hohes Regal auf ein Zweites, bevor sich insgesamt drei Tonnen Last über ihm ausbreiteten. Warum das passierte, ist bis heute unklar. Mit Blaulicht ging es ins Krankenhaus. Dort stellte man fest: Beide Beine waren gebrochen, die Arme schwer verletzt, "ein Totalschaden bis Brusthöhe", berichtet Martin Horn. Acht Wochen lang dauerte es, bis er überhaupt wieder aus dem Koma wach wurde und feststellen musste, dass ihm ein Stück seines Beines fehlt. Für seinen Unterschenkel unterhalb des Knies gab es keine Chance mehr. Doch Martin Horn weiß, "es hätte viel schlimmer kommen können, wie Rollstuhl, oder Tod". Darum nahm er es, wie es eben war, und beschloss das Beste daraus zu machen. "Ich hatte die Möglichkeit, mich aufzuregen oder zu akzeptieren, dass es so ist", erklärt er. Diese Einstellung versuchte er später in Rehaaufenthalten auch anderen Patienten mit auf den Weg zu geben. "Aufregen hilft nichts, es wächst nicht mehr nach", fasst er sachlich zusammen. Für Martin Horn, der zuvor Fußball spielte, war klar: Mit dem Sport muss es weitergehen. Zum Jammern war er nicht der Typ, nicht vor dem Unfall, und auch nicht danach. Also verfolgte er ehrgeizig sein Ziel. Ein ganzes Jahr verbrachte er im Krankenhaus. Danach meldete er sich bei der Behinderten-Sportgruppe an und holte sich die Erlaubnis, auch mit Prothese wieder Fußball spielen zu dürfen. Dafür erhielt er eine Spezialprothese, auch um seine Mitspieler nicht zu verletzen. "Dann habe ich einfach wieder gespielt", erzählt er weiter. Doch beinahe scheint es, als habe ihn all das erst so richtig angestachelt, mehr aus sich rauszuholen. Darum verabschiedet er sich recht schnell wieder aus der Behinderten-Sportgruppe, denn "da ging mehr".

So entdeckte er wenig später die Leichtathletik für sich und trainierte sechs Mal pro Woche mit Nichtbehinderten - und qualifizierte sich unter anderem für die Olympischen Spiele für Behinderte in Sydney und Atlanta. Niemand weiß, ob er all dies auch ohne den Unfall gemacht hätte, resümiert Martin Horn selbst. "Es geht eigentlich alles", erzählt er und findet, dass er keinen wirklichen Nachteil wegen seiner Prothese hat. Sport ist darum ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, den er täglich auslebt. Ob Tennis, Squash, Snowboarden oder Skifahren, es gibt kaum etwas, das nicht geht. Nur für Meisterschaften ist Martin Horn heute nicht mehr zu haben, das liegt allerdings weniger an seiner Prothese, als vielmehr an seinem Alter, wie er grinsend zugibt.

Martin Horn sagt heute: "Mut ist, wenn man etwas versucht, an das man nicht glaubt, dass es funktionieren könnte."

Anderen, denen Ähnliches widerfährt, würde er zu folgender Einstellung raten: "Es geht immer weiter."

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