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Schwebel-Briefwechsel: Auf Du und Du mit den großen Humanisten

Schwebel-Briefwechsel : Auf Du und Du mit den großen Humanisten

Briefe von Melanchthon & Co an den Reformator Johann Schwebel im 16. Jahrhundert.

„Gruß Dir, lieber Johannes“, so beginnt der große Humanist und Reformator Philipp Melanchthon einen Brief an den Zweibrücker Johann Schwebel. Alle Humanisten duzten sich, schrieben in geschliffenem Latein, „elegantissimus“, so eben auch die 100 Briefe an Schwebel, die jetzt mit Unterstützung des historischen Vereins Zweibrücken veröffentlicht wurden, herausgegeben von Bernhard Bonkhoff, übersetzt von Walter Burnikel, Altphilologe im Ruhestand, und übertragen ins Digitale von Anita Bischoff.

Jetzt liegt das Buch: „100 Briefe von Johann Schwebel“ flexibel gebunden, „auf schönem Papier“, 254-seitig vor, Kostenpunkt: 15 Euro. Schwebel kam 1523 nach Zweibrücken, brachte 1533 eine verbindliche evangelische Kirchenordnung für das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken heraus. „Briefe zu verschicken war damals ein kleines Kunststück, es gab keine Post, die Briefe wurden durch Boten überbracht. Oft findet sich unter den Briefen der Satz: „Ich schreibe in Eile, der Bote wartet auf Antwort“. Bonkhoff berichtet bei der Buchvorstellung in der Alexanderskirche am Sonntagvormittag vom Umgang mit Flüchtlingen in der damaligen Zeit, das Thema eines der Briefe, das zurzeit auch die Heutigen vermehrt angeht. „Straßburg war eine freie Stadt, jeder Flüchtling wurde zunächst aufgenommen, welchen Glaubens und aus welchen Beweggründen auch immer er kam. Die Aufnahme sei eine fromme Pflicht gewesen. Doppelte Staatsbürgerschaft war also kein Problem. Es sei denn, die Überprüfung ergab, dass der Ankömmling ein Aufrührer war, ein Gefährder sozusagen“. Themen werden in den Briefen angesprochen, die also auch heute wieder oder immer noch eine große Rolle spielen. Anita Bischof las zwei Epistel vor, die vermehrtes Interesse fanden. Schulz spielte auf der Orgel ein Werk aus der Zeit. Die Buchvorstellung wurde so zu einem Rundumerlebnis.

Der pensionierte Pfarrer Bonkhoff schrieb die weitreichende Einleitung dieses wichtigen Werkes der Kirchen- und Landesgeschichte. Die Briefe stammen aus turbulenter Zeit. Herzog Ludwig war gestorben, Herzog Wolfgang noch minderjährig, Regent Ruprecht, schon Protestant, regierte an seiner Stelle. Aus den Briefen ist auch viel über dieses Umfeld zu erfahren. Ausführliche Anmerkungen und ein erläuterndes Register vervollständigen die Themen. Zum ersten Mal jetzt in deutscher Sprache und kommentiert.