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Sparen in Zeiten von Niedrigzinsen: „Auf Dauer ist nichts mehr auszuschließen“

Sparen in Zeiten von Niedrigzinsen : „Auf Dauer ist nichts mehr auszuschließen“

Der VR-Bank-Vorstandschef Paul Heim zu den Folgen der Niedrigzinspolitik für die Menschen in der Region.

(glö) Die Bankenwelt ist in Aufruhr, viele Verbraucher sind in Aufregung: Die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank, mit der die Negativzinsen auf 0,5 Prozent angestiegen sind, lässt auch unliebsame Auswirkungen auf die Bankkunden in Deutschland befürchten. Müssen künftig auch Kleinsparer Geld zahlen für ihr angelegtes Geld? Steigen die Kontogebühren weiter? Werden gut verzinste Anlageprodukte von den Banken gekündigt? Diese und weitere Fragen geistern durch die Medien. Unsere Zeitung hat mit dem Vorstandsvorsitzenden der VR-Bank Südwestpfalz, Paul Heim, darüber gesprochen, was auf die Bankkunden in der Region zukommt.Wie skurril sich die Situation rund um Kredit- und Anlagegeschäft entwickelt hat, macht Heim deutlich: „Wir sind schon soweit, dass wir Geld dazubekommen, wenn wir es nehmen.“ Eine solche Entwicklung mache deutlich, dass in der Bankenbranche nichts mehr funktioniere wie früher: „Gute Margen bei den Kreditzinsen, gute Rendite bei den Anlagen, das gilt längst nicht mehr.“ Und da liege auch der Grund dafür, dass sich alles verändert habe: „Die Margen schrumpfen ständig.“ Was dann in der Konsequenz bedeute, dass die Banken allgemein andere Wege finden müssen, um Erlöse zu generieren und wirtschaftlich zu arbeiten.

Das beginne bei den Kontoführungsgebühren, die viele Jahrzehnte quersubventioniert waren, als die Margen bei den anderen Bankgeschäften das noch zuließen. „Kontoführung ist eine Dienstleistung, die enorme Kosten nach sich zieht, denn im Hintergrund laufen viele Leistungs- und Kontrollprozesse ab“, so der VR-Bank-Vorstand, der alleine auf die Kosten für die Rechenzentren aufmerksam macht. Aber auch Geldautomaten müssten finanziert werden. „Diese Leistungen haben einen Wert, dem wir gerecht werden müssen, das kommt immer mehr zum Tragen“, sagt Heim. Mit den erst kürzlich neu eingeführten Gebührenmodellen für die Kontoführung habe die VR-Bank Südwestpfalz der Entwicklung Rechnung getragen. Daher stehe aktuell keine Änderung wie bei anderen Banken in Deutschland an. Aber Heim ist auch schonungslos ehrlich: „Wir beobachten die Entwicklungen ständig, und auszuschließen ist auf Dauer überhaupt nichts.“

Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob die VR-Bank Südwestpfalz die Negativzinsen für Geldanlagen an ihre Kunden weitergibt. Eingestiegen ist die Genossenschaftsbank schon in dieses Thema bei den Geschäftskunden. „Ab einer gewissen Größenordnung werden Einlagen bepreist“, informiert Heim. Es gebe einen Sockelbetrag, der frei ist, aber bei größeren Summen müssen die Firmenkunden dafür zahlen, dass sie Geld angelegt haben. Allerdings seien die Negativzinsen mit den Geschäftskunden besprochen worden: „Wir setzen da auf Beratung im Vorfeld, um den Kunden auch andere Anlagemöglichkeiten aufzuzeigen und die Negativzinsen zu verhindern oder zu minimieren.“

Noch kein Thema sind die Negativzinsen derzeit für Privatanleger bei der VR-Bank, so Heim, aber bei der aktuellen Entwicklung auf dem Geldmarkt will er grundsätzlich nichts ausschließen. Momentan versuche die Genossenschaftsbank, solche Maßnahmen auf anderen Wegen zu verhindern, indem weitere Einsparungen vorgenommen werden. So seien die Öffnungszeiten im Servicebereich noch einmal verändert worden.

Und natürlich versuche die VR-Bank, so der Vorstandsvorsitzende, ihren Kunden alternative Geldanlagen aufzuzeigen. Stolz ist Heim auf ein vollkommen neues Sparprodukt der Genossenschaftsbanken, das VR-Goldsparen. Statt Geldbeträge auf einem Sparkonto zu horten, können Sparverträge abgeschlossen werden, mit denen für die Bankkunden Gold gekauft wird. Heim: „Wenn der Sparbetrag hoch genug ist, kann der Kunde sogar einen kleinen Goldbarren oder eine Goldmünze für zuhause bekommen.“

Übrigens, eine Auswirkung der aktuellen Geldpolitik ist auch, dass Bankkunden ihr Geld in Schließfächern deponieren, statt Gefahr zu laufen, dass sie Negativzinsen zahlen. Auch bei der VR-Bank Südwestpfalz sind die Schließfächer weitgehend ausgebucht.