Auf Augenhöhe mit dem Bürger

Wer sind die Menschen, die in unserem Wahlkreis für den Landtag kandidieren? In einer Serie porträtiert der Pfälzische Merkur die sechs Direkt-Kandidaten. Heute: Martin Eichert von den Freien Wählern.

Wenn es so etwas wie ein politisches Erweckungserlebnis für Martin Eichert gibt, dann dieses: Berthold Martin, der in Eicherts Vorgarten ein Wahlplakat für sich aufstellt. Das war 2003 und Martin war im Wahlkampf. Er wollte Ulrich Metzger als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallhalben ablösen. Was ihm in der Stichwahl schließlich gelang. Die Freien Wähler (FW) stellten den neuen Verwaltungschef und gewannen einen neuen Mitstreiter: Martin Eichert.

Seither sind viele Winde über die Sickinger Höhe geweht. Manches haben sie mitgerissen, etwa die unabhängige Verbandsgemeinde Wallhalben. Martin Eichert ist der Alte geblieben. Er lebt weiter in dem Haus in Schauerberg, vor dem Berthold Martin damals seinen Auftritt hatte. Das Grundstück haben der aus dem Donnersberg-Kreis stammende Eichert und seine Frau, eine Einheimische, 1996 gekauft. "Ein altes Haus abgerissen, ein neues hingestellt", fasst er knapp zusammen. Zur Besichtigung ist die blassgelb gestrichene Behausung an diesem Nachmittag nicht freigegeben. Die Dame des Hauses bereitet die Familienfeier für den 14. Geburtstag von Sohn Luca vor. Es gibt Rindergulasch und Kuchen.

Also sitzt Eichert im Bürgerhaus direkt nebenan. Groß, gemütlich, aber doch recht leer. "Der Lieblingsort des Bürgermeisters ist das Bürgerhaus", sagt er. Doch die einzige persönliche Note hier ist gar keine persönliche, sondern eine politische: Er hat ein paar FW-Plakate auf die Sitzbänke gestellt, Kugelschreiber auf den Tischen verteilt. Nach dem Termin würden die natürlich wieder eingesammelt, sagt er. Seine Partei will er, Ortsbürgermeister in der zweiten Amtsperiode, aus seiner Arbeit im Ort möglichst heraushalten. Und was nutzten Schlagworte aus einem Parteiprogramm schon in der täglichen Arbeit in Schauerberg? Wenig, sehr wenig. Und weil Karl Marx ' Erkenntnis, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, auch heute noch richtig ist, klingt manche politische Analyse oder Handlungsempfehlung nach angewandter Erfahrung als Ortsbürgermeister. Zum Beispiel, dass am Stocken der Verhandlungen über die S-Bahn-Reaktivierung nach Homburg nicht das Finanzielle schuld sei, sondern das arrogante Auftreten der Rheinland-Pfälzer - weniger Wedeln mit dicken Schecks, mehr demonstrative Wertschätzung.

Trotzdem hat Eichert es auf sich genommen, die Farben seiner Partei bei der Landtagswahl zu vertreten. Nicht zum ersten Mal. Bereits 2013 ließ er sich - ohne durchschlagenden Erfolg - für den Bundestag ins Rennen schicken. Sein persönlicher Antrieb für die Kandidatur, sagt er, " ist der Frust". "Irgendwann muss Schluss sein mit der Verschuldung."

Eichert weiß, dass der Einzug in den Landtag für ihn - vorsichtig formuliert - nicht einfach wird. "Ich bin Randlage. Ich kann mich für Zweibrücken nicht so darstellen, wie zum Beispiel ein Stéphane Moulin, der im Stadtrat sitzt", sagt er. "Ich bin kein Messias, auf den Zweibrücken gewartet hat."

Zum Thema:

Martin Eichert, 52, ist Vermessungsingenieur und arbeitet als Sachgebietsleiter beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westpfalz in Kaiserslautern. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Ehrenamtlich ist er in zahlreichen Vereinen aktiv, etwa bei der Feuerwehr und im Gesangverein. Eichert ist in der zweiten Legislaturperiode als Ortsbürgermeister von Schauerberg (Thaleischweiler-Wallhalben). jam