Abendvortrag am Hochschul-Campus Zweibrücken Die Gefahr aus dem All abwehren

Zweibrücken · Raumfahrtingenieur Rainer Kresken sprach im Audimax am Hochschul-Campus Zweibrücken über Asteroideneinschläge auf der Erde und wie man sie verhindern könnte.

 Raumfahrtingenieur Rainer Kresken arbeitet am europäischen Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Dort sucht er für die Europäische Raumfahrtagentur Esa nach Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten.

Raumfahrtingenieur Rainer Kresken arbeitet am europäischen Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Dort sucht er für die Europäische Raumfahrtagentur Esa nach Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten.

Foto: Susanne Lilischkis

Ein riesiger Asteroid fliegt auf die Erde zu. Der Menschheit bleibt weniger als zwei Wochen, um seine Richtung zu ändern. Und so wird ein Ölbohrexperte ins All geschickt, um das Monster zu zerstören. Der Plot aus dem Film „Armageddon“ ist gar nicht so abwegig, wie Rainer Kresken bei seinem Vortrag im Rahmen des Studiums Generale am Hochschul-Campus Zweibrücken darlegte. Der Raumfahrtingenieur ist Teil des „Planetary Defense“-Programms der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Dort beobachtet man Himmelskörper, die der Erde einmal gefährlich nahe kommen könnten.

Mit Teleskopen auf der ganzen Welt suchen die Mitarbeiter den Himmel ab und kartografieren Asteroiden und ihre Flugbahnen. Gerade wird mit Neomir eine Raumsonde auf ihren Weg ins All vorbereitet. Mit diesem Infrarot-Teleskop, das zwischen Erde und Sonne stationiert wird, will die Esa kleinere Asteroiden aufspüren, die aufgrund des grellen Lichtes der Sonne von der Erde aus nicht zu sehen sind. Damit soll rechtzeitig vor Objekten über 20 Meter Durchmesser gewarnt werden.

Die meisten Meteoriten, die auf der Erde einschlagen, kommen aus dem Hauptgürtel der Kleinplaneten zwischen Mars und Jupiter. „Es sind 31 000 erdnahe Asteroiden bekannt“, erklärte Rainer Kresken, „1450 davon mit Einschlagswahrscheinlichkeit.“ Ein solcher Einschlag kann harmlos ausfallen. Jeden Tag gehen Tausende Gesteinsbrocken aus dem All auf die Erde nieder. Die meisten verglühen in der Atmosphäre. Einige aber schaffen es bis zum Boden und richten vor Ort teilweise heftige Verwüstungen an.

Kresken zeigte den Besuchern im Audimax einen Film, den eine Dashboard-Cam eines fahrenden Autos in der Region Tscheljabinsk im russischen Ural im Jahr 2013 aufgenommen hat: Man sieht einen fliegenden Himmelskörper mit flammendem Schweif in ein Waldgebiet niedergehen. Bei dem Einschlag des Meteoriten wurden damals mehrere Hundert Menschen verletzt. „An der Absturzstelle befand sich niemand, doch die Druckwelle des Aufpralls ließ in der Region die Fensterscheiben zerspringen. Auch wenn man nur ein paar Minuten Vorwarnzeit gehabt hätte, wäre es möglich gewesen, die Menschen zu warnen, zum Beispiel übers Radio.“

Einige andere Meteoriteneinschläge hätten wahrscheinlich auch mit der besten Vorwarnzeit nicht verhindert werden können. Zum Beispiel der Himmelskörper, dessen Einschlag auf der Erde das Nördlinger Ries formte. Der Krater misst ganze 30 Kilometer im Durchmesser. Oder der Brocken, der vor 150 Millionen Jahren in der Nähe von Yucatan einschlug und der wahrscheinlich am Aussterben der Dinosaurier beteiligt war.

Auf die Erde zurasende Objekte zu erkennen ist das eine. Doch was kann man aktuell gegen sie ausrichten? Zum einen bietet sich die Tractor Methode an, wie Rainer Kresken erklärte. Hier wird mithilfe der Schwerkraft ein Objekt von einer Raumsonde aus der Gefahrenzone gezogen. Das kann allerdings Jahrzehnte dauern.

Bei der kinetischen Abwehr, also dem Versuch, ein Objekt von seiner Flugbahn abzubringen, gibt es erste Erfolge. Ziel der Dart-Mission von Nasa und Esa ist es zu erkunden, wie die Bahn eines Asteroiden durch den Einschlag einer Raumsonde geändert werden kann. Der Start von Dart fand am 24. November 2021 statt. Die Sonde schlug am 26. September auf dem Doppelasteroiden Dimorphos ein und veränderte dessen Umlaufbahn um seinen Zwilling Didymos um ganze 32 Minuten – geplant waren 73 Sekunden.

Rainer Kresken zeigte sich zufrieden mit der Mission, doch man müsse weiter forschen. Dass dies nötig ist, belegt der 300 Meter große Asteroid Apophis, der im April 2029 extrem knapp an der Erde vorbei rasen wird. Forscher nehmen das zum Anlass, über die Abwehr kosmischer Geschosse zu diskutieren.

Raumfahrtingenieur Kresken machte deutlich, dass die Zeit eine ganz erhebliche Rolle spielt, wenn man die Gefahr aus dem All abwenden möchte: „Wir brauchen dringend Vorwarnzeit. Das bedeutet aber auch, man muss eine Sonde vorrätig haben, am besten schon in der Umlaufbahn. Das ist eine politische Aufgabe. Das kostet Geld. Aber das Geld ist auf jeden Fall gut investiert.“

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