Arztbesuch soll einfacher werden

Ärzte sollen Diagnosen via Internet stellen, Klinikdoktoren zeitweise in ländlichen Hausarztpraxen arbeiten und Patientenakten vereinheitlicht werden: Aus einer Zukunftswerkstatt im Rahmen der Stadt-Umland-Strategie sind in Sachen medizinischer Versorgung konkrete Ideen entstanden. Einige werden nun in der Praxis ausprobiert.

Die Stadt-Umland-Strategie nimmt im Bereich der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land allmählich Gestalt an. Nachdem die Bürgerbeteiligung im Januar begonnen hatte, sind inzwischen im Rahmen einer Zukunftswerkstatt konkrete Ideen entstanden, wie etwa der Ärztemangel auf dem Land bekämpft und die medizinische Versorgung optimiert werden soll. Drei dieser Ideen sollen einem Praxistest unterzogen werden, erklärt Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Gundacker.

Zum einen gehe es um das Entlassmanagement. Hier seien gewisse Standards mit Beteiligten der hiesigen Kliniken, Hausärzten und Pflegestationen verabredet worden. Prozesse sollen standardisiert und professionalisiert, Dokumente vereinheitlicht werden. So soll etwa sichergestellt werden, dass keine Informationen verloren gehen, wenn jemand etwa aus dem Krankenhaus in eine Altenpflegeeinrichtung wechselt. Auch Doppeluntersuchungen sollen so vermieden werden. Eine Schlüsselrolle soll laut Gundacker dem Hausarzt zufallen.

Das ist auch bei der zweiten Idee ähnlich. Hier geht es um eine "mobile Plattform". Die Ergebnisse zuhause durchgeführter Untersuchungen, etwa des Blutdrucks oder des Zuckerwerts, könnten die Patienten dorthin via Internet übertragen, der Hausarzt sie auswerten und bequem und schnell mit den Patienten in Kontakt treten. Das erspart womöglich die lange Fahrt in die abgelegene Praxis. "Es ist vor allem deshalb für den ländlichen Raum interessant, weil im Landkreis das schnelle Internet ausgebaut wird. Es könnte eine Lösung dafür sein, die Telemedizin ein Stück weit in die Wohnzimmer zu bringen", so Gundacker. Bei weniger akuten Erkrankungen könnte der Hausarzt nämlich seine Diagnose per Webcam stellen.

Die dritte Idee sei innerhalb des Zweibrücker Ärztenetzwerks vorgestellt worden. Demnach sollen Klinikassistenzärzte auch in Hausarztpraxen hospitieren können. So ließe sich medizinischer Nachwuchs für ländliche Praxen finden und dem Ärztemangel entgegenwirken. Außerdem könnten die eingesessenen Hausärzte leichter potenzielle Nachfolger finden.

Gundacker betont, dass sämtliche Überlegungen nichts mit dem Aus des Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken zu tun hätten, das heute seine Pforten schließt. Gundacker: "Wir hatten uns schon vor zwei Jahren darum beworben, einen moderierten Prozess durchzuführen, um die ärztliche Situation zu gewährleisten." 2014 war vom Ende der Klinik nicht die Rede.

"Wir haben das als ersten Aufschlag aus der Politik gesehen", schildert Gundacker als Fazit. Jetzt sei es an den lokalen Akteuren, die Ideen in die Tat umzusetzen. Im neuen Jahr reflektiere man, was aus den Ideen geworden ist und wo die Politik nachsteuern könne. Involviert in die Umsetzung seien etwa Thomas Frank, der Pflegedirektor des Nardini-Klinikums, Mario Sauder, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes und Dr. Dieter Sambach aus Contwig sowie das dortige Haus Sarepta.