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Armutsgefahr in Zweibrücken unter Bundesschnitt

Armutsgefahr in Zweibrücken unter Bundesschnitt

Auf den ersten Blick gibt es in der Südwestpfalz überdurchschnittlich viele arme Menschen. Doch berücksichtigt man das relativ niedrige Preisniveau, liegt die Region laut einer Studie unter dem Bundesschnitt.

16,7 Prozent der Zweibrücker gelten nach offizieller Definition als einkommensarm. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Damit liegt die Rosenstadt im Bundesvergleich knapp über dem Durchschnitt, der bei 15,4 Prozent liegt. Für den Kreis Südwestpfalz und Pirmasens gibt das Institut jeweils die gleichen Werte an wie für Zweibrücken . Im Saarland liegt der Wert mit 17,3 Prozent etwas höher.

Als einkommensarm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zu Verfügung hat. Das sage allerdings nur bedingt etwas über die tatsächlichen sozialen Verhältnisse der Betroffenen aus, so das IW: "Um wirklich beurteilen zu können, wie verbreitet Armut in Deutschland ist, muss man wissen, was die Menschen sich von ihrem Einkommen leisten können. Das wiederum ist eine Frage der Kaufkraft und damit des Preisniveaus ", teilt das Institut mit. Das IW hat deshalb die Werte für Einkommensarmut um die unterschiedlichen Preisniveaus in den Städten und Kreisen bereinigt - aus Einkommensarmut wird damit Kaufkraftarmut. "Das regionale Armutsmuster verändert sich durch diese Neuberechnung erheblich", so das Institut. So sind in Zweibrücken und im Kreis Südwestpfalz nach dieser Rechnung weniger Menschen arm als im Bundesschnitt: Der IW gibt für beide Gebietskörperschaften eine Kaufkraftarmut von 14,6 Prozent an (Bundesweit: 15,3 Prozent). Das Saarland liegt mit 15,7 Prozent etwas über dem Durchschnitt. Grundsätzlich gilt laut IW-Studie, die sich auf Zahlen von 2014 stützt, dass die Einkommens- und vor allem die Kaufkraftarmut in Städten deutlich höher ist als auf dem Land. So führen Bremerhaven (28,5), Gelsenkirchen, (28,4) und Köln (26,2) die Liste an. Das Fazit des IW: "Städte machen also arm. Doch das ist es nicht allein: Zugleich sind tendenziell arme Bevölkerungsgruppen in der Stadt überproportional stark vertreten." Dazu zählten etwa Menschen mit Migrationshintergrund, von denen bundesweit knapp ein Viertel (24,4 Prozent) als kaufkraftarm gelten. Aber auch Alleinstehende, Alleinerziehende und Arbeitslose - allesamt Risikogruppen für Armut - sind häufiger Stadt- als Landbewohner.