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Arbeitsmarkt 2019: Schlechterer Trend in Zweibrücken als im Westpfalz-Schnitt

Arbeitsmarkt entwickelt sich auseinander : Schon seit Februar: Arbeitslosigkeit sinkt in Westpfalz und steigt in Zweibrücken

Die Agentur für Arbeit sieht den Arbeitsmarkt in der Rosenstadt allerdings nicht in der Krise. Für die negative Entwicklung dieses Jahr gegen den regionalen Trend gebe es mehrere Erklärungen.

Der Arbeitsmarkt in Zweibrücken hat sich in den ersten acht Monaten dieses Jahres deutlich schlechter entwickelt als im Westpfalz-Durchschnitt. Das zeigt eine Auswertung der Monatsstatistiken der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens durch den Pfälzischen Merkur.

Bereits im Januar 2019 ging die Arbeitslosigkeit in Zweibrücken gegenüber dem Januar 2018 weniger stark zurückg als in der Westpfalz. Von Februar bis August dann war die Entwicklung sogar noch gegensätzlicher: Monat für Monat gab es in der Westpfalz weniger Arbeitslose als im gleichen Vorjahresmonat – während in Zweibrücken die Arbeitslosigkeit jedes Mal stieg. Dabei ging die Schere zuletzt immer weiter auseinander (siehe auch Infografik): Im Juli sank die Zahl der Arbeitslosen in der Westpfalz um 1,3 Prozent, während sie in Zweibrücken um 11,7 Prozent stieg. Im August waren es in der Westpfalz 0,1 Prozent weniger und in Zweibrücken 11,9 Prozent mehr Arbeitslose.

Der Merkur hat deshalb bei Stadtverwaltung, IHK und Arbeitsagentur nach den Ursachen gefragt.

Auf die Anfrage an die städtische Wirtschaftsförderin Anne Kraft antwortet Stadt-Pressesprecher Heinz Braun: „Uns ist auch aufgefallen, dass die Zahlen in Zweibrücken gestiegen sind.“ Allerdings solle man dies aufgrund der „relativ geringen Basis“ nicht überbewerten. Die Stadt habe für die gegenläufige Entwicklung zur Westpfalz „keine wirklich nachvollziehbare Erklärung“, so Braun, „vielleicht handelt es sich ja auch nur um ein Zufallsereignis“. Von einer Krise jedenfalls sei nichts zu spüren: „Wir können nicht feststellen, dass irgendwo in Zweibrücker Betrieben verstärkt Leute entlassen worden sind. Wir haben auch den Eindruck, dass die Unternehmen noch problemlos und gut laufen.“ Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit diesen August in Zweibrücken könne damit zu erklären sein, „dass im August 2018 überproportional viele Stellen besetzt wurden und die Entwicklung am Zweibrücker Arbeitsmarkt sehr positiv war – das hat sich jetzt offensichtlich konsolidiert“, sagt Braun.

Jaana Schnell, Leiterin des auch für Zweibrücken zuständigen IHK-Dienstleistungszentrums Pirmasens, berichtet, für die Industrie- und Handelskammer seien „keine branchenspezifischen Gründe erkennbar“ für die schlechtere Entwicklung in Zweibrücken.

Kann die westpfälzische Agentur für Arbeit in Kaiserslautern aus ihren Datensätzen und Erfahrungen ermitteln, was die Ursachen für diese in Zweibrücken viel schlechtere Entwicklung als in der Nachbarschaft ist? Agentur-Sprecher Mark Rheinheimer verweist auf diese Frage zunächst wie die Stadt auf die viel bessere Entwicklung im Vorjahr: „Im Jahr 2018 hatte der Arbeitsmarkt in Zweibrücken eine beachtliche Entwicklung genommen. Rechtskreisübergreifend (d.h. bei Agentur für Arbeit und Jobcenter, Anm. d. Red.) ist die Zahl der arbeitslosen Menschen im Jahresdurchschnitt von 1254 (2017) auf 1024 (2018) gesunken. Die Lage in den Unternehmen war deutlich positiver als vorausgesagt und die Menschen konnten davon entsprechend profitieren.“

Und wie Braun und Schnell erwähnt auch Rheinheimer, dass „bei der Betrachtung eines kleinteiligen Arbeitsmarktes wie im Falle der Stadt Zweibrücken mit etwas mehr als 1000 Menschen in der Arbeitslosigkeit immer zu berücksichtigen ist, dass kleine Zahlen schnell große prozentuale Veränderungen hervorrufen können“.

Allerdings stellt der Agentur-Sprecher auch einige Gründe für die schlechtere Entwicklung 2019 in der Rosenstadt fest. Rheinheimer schreibt: „Mit den vorhandenen Risiken in der Weltwirtschaft haben auch die Unternehmen in Zweibrücken zu arbeiten. Gerade bei der Frage nach Einstellungen ist eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten. Das Arbeitsstellenangebot ist nach wie vor vielfältig, jedoch nicht mehr in dem Ausmaß des vergangenen Boomjahres.“ Auch sei festzustellen, dass weniger Stellen im Helferbereich zur Verfügung stehen: „Gerade der Rückgang an Helferstellen stellt das Jobcenter vor Herausforderungen. Helferstellen sind oft eine Chance für den Einstieg von Menschen aus der Grundsicherung nach längerer Arbeitslosigkeit. Ebenso die Zeitarbeit, die in verschiedenen Unternehmen, auch über der Landesgrenze, merklich zurückgefahren wurde.“ Hier spielt also auch die besondere Nähe Zweibrückens zum Saarland eine Rolle.

„Beim Blick in den Rechtskreis der Grundsicherung, in dem das Jobcenter für die Menschen tätig ist, zeigt sich aber auch, dass deutlich weniger erwerbsfähige Leistungsberechtigte und Bedarfsgemeinschaften gezählt werden, als das noch vor einem Jahr der Fall war“, erklärt Rheinheimer.

Der Agentur-Sprecher macht allerdings auch deutlich, dass die höheren Arbeitslosenzahlen in Zweibrücken nicht nur mit der Wirtschaftslage zu tun haben, sondern auch damit, dass dieses Jahr mehr Menschen in Zweibrücken dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen: „Die Jobcenter stellen auch fest, dass die schon seit längerer Zeit in Betreuung befindlichen zugewanderten Menschen in der Arbeitslosigkeit ankommen. Diese waren über längere Zeit in Sprach- und Integrationskursen, die nun nach und nach enden. Damit verbunden ist der Anstieg bei den ausländischen Arbeitslosen.“ Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen sei auch im Bereich der von der Agentur betreuten Arbeitslosenversicherung gestiegen. Rheinheimer verweist diesbezüglich aber auch auf gute Nachrichten: „Die geflüchteten Menschen kommen mehr und mehr in der Beschäftigung – auch in Zweibrücken – an. Im Februar waren 80 mehr als sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie noch vor einem Jahr.“

Beim Anstieg der kurzfristig Arbeitslosen lasse sich keine Altersgruppe ausmachen, die besonders betroffen wäre, erläutert Rheinheimer. Zu- und Abgänge in Erwerbstätigkeit bewegten sich im August 2019 auf dem Niveau des Vorjahresmonats. „Menschen, die im vergangenen Jahr an Weiterbildungen und Qualifizierungen teilgenommen haben, sind derzeit auch zu Teilen arbeitslos und mit der besseren Qualifikation auf der Suche nach einer neuen Anstellung.“

Der Arbeitsmarkt in Zweibrücken und der gesamten Westpfalz entwickelt sich in den vergangenen Monaten deutlich unterschiedlich. Foto: SZ/PM-Infografik

Der Agentur-Sprecher schließt: „Insgesamt gibt es am Zweibrücker Arbeitsmarkt keine bedenklichen Hinweise. Die Unternehmen sind sich der wirtschaftlichen Situation mit den bekannten Unwägbarkeiten bewusst. Die Beschäftigungssituation ist nach wie vor stabil. Gerade der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zum Jahresende mit einem Plus von vier Prozent war bemerkenswert. Entlassungen sind uns in größerem Umfang nicht angezeigt und so bleibt es bei der leicht zurückhaltenden Stimmung an einem insgesamt gefestigten Markt.“