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Arbeiterwohlfahrt (Awo) Zweibrücken

Info-Veranstaltung der Awo : Beim Vererben Klippen umschiffen

Nicht nur, wer etwas zu vererben hat, sollte sich mit dem Erbrecht auskennen, sondern auch, wer etwas erbt. Das wurde bei einem interessanten Fachvortrag des Awo-Betreuungsvereins deutlich.

Vererben will gelernt sein. Das merkten kürzlich die 15 Teilnehmer an dem Vortrag „Erben und Vererben: Gründzüge des deutschen Erbrechts“ schnell. Der Betreuungsverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Zweibrücken hatte dazu in die Cafetria des Awo-Alten- und Pflegeheimes eingeladen. Referent Christopher Weis vom Betreuungsverein Südwestpfalz gelang es, seine Zuhörer mit interessanten Informationen, die er leicht verständlich und humorvoll erklärte, 90 Minuten lang zu bannen.

Immer wieder beantwortete der Jurist im Wirtschaftsrecht zwischendurch auch die persönlichen Fragen der Anwesenden verständlich und ausführlich. Er betonte: „Besonders in unklaren Verhältnissen ist es wichtig, ein Testament zu verfassen. Ein Formverstoß macht jede Verfügung jedoch nichtig“. Daher gelte es, sich bei selbst aufgesetzten Testamenten genau zu informieren, um neben der persönlichen, handschriftlichen Niederlegung mit Datum und Unterschrift auch alle sonstigen Formalitäten genau zu berücksichtigen. In vielen Fällen, bei einem größeren Vermögen und einer komplizierten Erbfolge, sei es empfehlenswert, das Testament gleich bei einem Notar aufzunehmen und zu hinterlegen.

Besondere Komplikationen bringen Patchwork-Familien mit sich, bei denen einer oder beide Partner bereits Kinder mit in die Ehe einbringen. Die Ehepartner sind nicht verwandt, weshalb dann die Kinder des Partners explizit als Erben eingesetzt werden müssten. Nach der gesetzlichen Erbfolge gingen sie im Todesfall des Elternteils sonst unter Umständen leer aus, da ihnen nicht einmal ein Pflichtteil zustehe.

Als Erste berücksichtig werden die Erben erster Ordnung: Kinder und adoptierte Kinder und deren Nachkommen, Ehegatten und Lebenspartner. Ist die verstorbene Person kinderlos und alleinstehend, erben in zweiter Ordnung deren Eltern sowie Geschwister und deren Kinder.

Bei Halbgeschwistern sei die Rechtslage ebenfalls kompliziert. Lebe niemand aus der zweiten Ordnung, wird den Stammbaum weiter empor gegangen in die dritte Ordnung, die Generation von Großeltern und nachfolgend deren Geschwister und Nachkommen. Weiter entfernte Verwandte müssten jedoch einen Erbschein beantragen, um die Erbberechtigung zu klären und das Erbe antreten zu können.

Sei kein lebender Erbe vorhanden und bestehe kein Testament zu Gunsten etwa eines gemeinnützigen Vereins, verfalle das Erbe an den Staat. In einer Ehe mit Zugewinngemeinschaft erbt der verbleibende Partner die eine Hälfte des Hauses, das oder die Kinder die andere Hälfte, verteilt nach Köpfen.

Bei einer Gütertrennung erbt der überlebende Partner den Pflichtteil von einem Viertel des Hauses, Kinder erhalten drei Viertel. Im Falle einer Erbschaft sei ratsam, sich zu informieren, ob sie Vermögen oder Schulden bringt. Innerhalb von sechs Wochen müsse ein Erbe jedoch ausgeschlagen werden, sonst gelte es als angenommen. Werde allerdings der gesetzlich Pflichtteil geerbt, seien damit ausschließlich Rechte verbunden und keine Pflichten, wie etwa Schulden. Der Pflichtteil sichert Erbansprüche. Sie gelten etwa für Frau und Kinder, wenn beispielsweise ein Mann seine Geliebte als Alleinerbin einsetzt. Schenkungen zu Lebzeiten werden auf den Pflichtteil angerechnet.

Wer einen Angehörigen womöglich lange Zeit gepflegt hat, ist priviligiert und erbt entsprechend mehr. „Es war sehr informativ“, lobten die Besucher nachdem auch die letzte Frage zufriedenstellend beantwortet war.

Auf einen Blick: Zur Berechnung der Erbschaftssteuer wird das geerbte Gesamtvermögen zu Grunde gelegt. Es gelten folgende Freibeträge: Ehepartner 500 000 Euro, Kinder 400 000 Euro, Enkel 200 000 Euro, alle weiteren Erben 20 000 Euro. Je nach Vermögen, variiert der Steuersatz zwischen 7 und 50 Prozent. Je höher das Erbe, desto größer auch der Steuersatz.