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Anzeigen gegen und von Helexier beschäftigen Justiz in Zweibrücken

Landgericht Zweibrücken urteilt zugunsten Nardini-Klinikum – Zudem mehrere Strafanzeigen : Klagewelle wegen Helexier

Drei Strafanzeigen bei Staatsanwaltschaft sowie Polizei bezüglich der „Himmelsberg Fachklinik“. Landgericht: Helexier muss Nardini-Klinikum Schadenersatz zahlen.

Das höllische Hickhack an der noch immer nicht von der Stadt Zweibrücken genehmigten „Himmelsberg Fachklinik“ geht munter weiter. Diverse Klagen sind bereits eingereicht – von der Betreiberfirma Helexier und ihren Widersachern – und weitere werden folgen. Mit Sicherheit.

Denn am Freitag hat Helexier am Landgericht Zweibrücken eine Schlappe erlitten. Dort entschied die Erste Zivilkammer, dass die vom Zweibrücker Nardini-Klinikum auf Herausgabe des ihm gehörenden Links-Herzkatheter-Messplatzes verklagte Helexier GmbH nicht nur die Kosten des Verfahrens zu tragen, sondern auch den durch die monatelange Nichtnutzbarkeit des Gerätes entstandenen Schaden (Gewinnausfall) zu bezahlen habe. Das Angiographiegerät hatte das Nardini-Klinikum im September 2020 beim Auszug seiner „Inneren Abteilung 2“ aus dem Gebäude des früheren Evangelischen Krankenhauses dort abholen wollen – doch Helexier hatte die Herausgabe verweigert. Erst nach den klaren Hinweisen des Gerichts beim Gütetermin Mitte Februar hatte Helexier das teure Gerät herausgerückt. Gleichwohl kündigte am Freitag ein Helexier-Anwalt an, gegen das Urteil Revision einlegen zu wollen. Schadenersatz wolle man auf gar keinen Fall zahlen.

Aber nicht nur wegen dieser Angelegenheit wird Helexier wohl zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Justiz. Inzwischen sind zwei Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Zweibrücken eingegangen, wie der stellvertretende Behördenleiter, Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann, bestätigte.

In der einen Strafanzeige hat offenbar eine gekündigte Helexier-Mitarbeiterin einem Privatarzt, der bereits im Helexier-Gebäude praktiziert, und der Helexier-Geschäftsführung Körperverletzung und Betrug vorgeworfen: Der Arzt soll einer Patientin statt eines wirksamen Medikaments eine Kochsalzlösung eingeflößt und dafür trotzdem 4000 Euro Behandlungskosten berechnet haben. Der Mediziner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wies diese massiven Vorwürfe auf Merkur-Anfrage energisch zurück: „Das ist Rufmord!“ Er sehe sich „gezwungen, die zuständige Ärztekammer einzuschalten und, auch zum Selbstschutz, um Überprüfung zu bitten – notfalls im Rahmen einer Selbstanzeige, damit die Staatsanwaltschaft tätig werden muss“. Zudem werde er Strafanzeige wegen Verleumdung erstatten, kündigte der Mediziner an.

Mit der anderen bei der Staatsanwaltschaft eingegangenen Strafanzeige will Helexier wegen Hausfriedensbruchs gegen einen angeblichen Verstoß des ehemaligen Ärztlichen Direktors und Kardiologie-Chefarztes der „Himmelsberg Fachklinik“ vorgehen: Dr. Thomas Doerr hat seit Ende März Hausverbot (wir berichteten) und verschaffte sich am 6. und 7. April mit Hilfe mehrerer von ihm alarmierten Polizeibeamten und eines Sicherheitsmannes Zugang zu seinen Praxisräumen. Zwei Einsätze, die der Zweibrücker Polizeichef Matthias Mahl am Freitag bestätigte. Allerdings seien seine Beamten zwar „vor Ort“ gewesen – hätten dort aber entschieden, „dass in den zugrunde gelegten zivilrechtlichen Meinungsverschiedenheiten keine Maßnahmen zu treffen sind“. Heißt wohl: Die Beamten sind unverrichteter Dinge wieder abgezogen.

Dr. Doerr hat die Ereignisse des 6. April dramatischer in Erinnerung: „Drei hilfsbereite bewaffnete Polizisten“ seien „in der Nacht in meiner Praxis gewesen, um die sensiblen Medizindaten der Patienten zu retten“ nachdem ihm Helexier den Strom und damit seinen Server abgeschaltet hätte. Auch er habe Strafanzeige erstattet – ebenfalls wegen Hausfriedensbruchs, allerdings gegen Helexier, versicherte der Kardiologe gegenüber unserer Zeitung. Schließlich hätten „die Helexier-Leute“ nur zwei Stunden nach dem Hausverbot in seiner Abwesenheit seine Praxisräume betreten, was die Aufnahmen seiner Überwachungskameras eindeutig belegten. Doerr sagte, er habe die Anzeige bei einer Polizeidienststelle erstattet.

Helexier-Vertreter erklärten auf Merkur-Anfrage, man habe Dr. Doerr auch fristlos gekündigt. Der Zweibrücker Mediziner allerdings betonte, er habe zwar den Brief mit dem Hausverbot, jedoch noch keine fristlose Kündigung erhalten. Der Kardiologe äußerte sich am Freitag mit Galgenhumor: „Ich erwarte meine fristlose Kündigung ohne Abmahnung wegen Stimmungsschwankungen bei Helexier voller Zuversicht.“ Schließlich beabsichtige er, dagegen vorzugehen – diesmal vor dem Arbeitsgericht.