1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Konzert in Festhalle: Anspruchsvoll für Publikum und Musiker

Konzert in Festhalle : Anspruchsvoll für Publikum und Musiker

Das Arev-Trio hatte sich für sein Konzert in Zweibrücken bewusst schwerere Klassik-Kost ausgesucht.

Anspruchsvolle Kunst bot das diesjährige Benefizkonzert, zu dem der Lions-Club Homburg-Zweibrücken gemeinsam mit dem Städtischen Kulturamt und Villa Musica am Sonntagabend in den Wintergarten der Festhalle eingeladen hatte. Zwei Stunden lang ließen sich etwas mehr als 100 Musikfreunde von dem jungen, internationalen Arev-Trio und seinen vielfach preisgekrönten Solistinnen – der Chinesin Verena Chen (Violine), Sarina Zickgraf (Viola) und der US-Amerikanerin Indira Rahmatulla (Violoncello) – begeistern.

Trotz des teilweise klassischen Programms mit dem Trio G-Dur von Ludwig van Beethoven (1770-1827) und dem Divertimento Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), erwartete die Zuhörer kein Abend, um sich entspannt in die höchst virtuos interpretierte Musik hinein zu vertiefen und darin zu schwelgen. Mit dem Streichtrio des Deutsch-Russen Alfred Schnittke (1934 bis 1998), forderten die drei Vollblutmusikerinnen sowohl sich als auch ihr Publikum heraus. „Wir wollen einen Kontrast zu den eher gefälligen Klassikern schaffen und auch für uns selbst in unserer Musik wachsen“, erklärte die aus Freiburg stammende Bratschistin, Sarina Zickgraf.

So hatte sich das Trio in seinem neuen Programm für die „Laudatio“ entschieden, die Alfed Schnittke 1985 zu Ehren des 100. Geburtstages von Alban Berg als sein einziges Streichtrio in Auftragsarbeit geschrieben hatte. In zwei langsamen Sätzen im Moderato und im Adagio, vereinte Schnittke alle Musikstile der Gegenwart und der Vergangenheit im Sinne einer Zeitspirale. Sie sollten sich zu einer „polystilistischen Moderne“ zusammenfügen und reichen in der Bandbreite von Assoziationen vom Schubert-Ton über Anklänge an späten Schostakowitsch bis hin zu bohrend dissonanten Klägen.

Das Motiv „Happy Birthday to you“, erklang gleich zu Beginn in zarten Sphärenklängen und zog sich durch das gesamte Stück. Hier offentbarte sich noch einmal die grandiose Virtuosität der drei jungen Musikerinnen, die mit vollem Körpereinsatz und ganz vertieft in die Musik, ihren Streichinstrumenten eine phänomenale Klangvielfalt entlockten. Ständig auf Blickkontakt, stimmten sie sich über Pausen und Einsätze ebenso feinfühlig ab, wie über ausdrucksstarke Akzente. Der langgezogene Klagegesang der Bratsche wurde aufgenommen von der Violine. Das folgende, rhythmische Furioso brach ab mit einer Generalpause.

Begannen die Zuhörer, in weichen, melodischeren Partien zu baden, wurden sie unsanft und lautstark aufgeweckt durch thematische, rhythmische Umbrüche und schrille Dissonanzen. Pathetisch entwickelte sich im zweiten Teil ein nachdenkliches Duett von Geige und Bratsche über einem Cello-Bordun. Grandios gelang es den Musikerinnen, die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Partien heraus zu arbeiten. „Das war schwere Kost, aber grandios gespielt“, kommentierte Sabine Neumann in der Pause. Auch Kerstin Pick war voll des Lobes. Die Zweibrückerin war restlos begeistert von den „super Künstlerinnen“ und der lebendigen, anspruchsvollen und abwechslungsreichen Musikauswahl. Besonders das moderne Stück fand die Sängerin im Zweibrücker Kammerchor spannend.

Mit dem beschwingten, eher heiteren, Divertimento in sechs meist raschen Sätzen von Wolfgang Amadeus Mozart erlaubte das Trio seinen Zuhörern anschließend, in der Musik zu schwelgen. Während ein Teil des Publikums genussvoll die Augen schloss und sich ganz auf das Hören konzentrierte, hatten andere sichtlich Freude an dem engagierten, fein abgestimmten Spiel der Musikerinnen, die sich ganz ihrer Musik hingaben. Tosender Applaus belohnte das Trio für sein einzigartiges Konzert.