Inflation setzt auch Zweibrücker Tafel zu Die Tafel als Rettungsinsel in stürmischer See

Zweibrücken · Die Tafel in Zweibrücken versorgt 500 Bedürftige. Inflation, Energiekrise, Krieg in der Ukraine – die Auswirkungen spüren auch die Helfer. Es wird schwieriger, Lebensmittel-Spenden zu beschaffen.

Tafel-Helferin Beata Eidemüller (hinter der Plexiglas-Scheibe) versorgt auf diesem Foto vom April eine Frau aus der Ukraine mit Lebensmitteln.

Tafel-Helferin Beata Eidemüller (hinter der Plexiglas-Scheibe) versorgt auf diesem Foto vom April eine Frau aus der Ukraine mit Lebensmitteln.

Foto: Mathias Schneck

Es gibt in Deutschland etliche Menschen, die mit sehr wenig zurechtkommen müssen. Und wenn dieses „sehr wenig“ noch mehr zusammenschrumpft, weil die Preise für Alltägliches durch die Decke gehen, dann wird es ganz schwierig.

Gut, dass es die Tafel in Zweibrücken gibt. Sie ist für die Menschen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, eine Rettungsinsel in stürmischer See.

Annette Peetz und ihre rund 30 Mitstreiter bei der Tafel sehen die Not zunehmend wachsen. 2023 sind es 20 Jahre, in denen es die Einrichtung in Zweibrücken gibt. Arbeit war stets genug da. Doch in den vergangenen Jahren ist es besonders herausfordernd geworden. Die Tafel musste gar im April einen Aufnahmestopp verkünden, der letztendlich ab Juli zum Tragen kam. Mittlerweile konnte dieser strenge Stopp aber wieder aufgehoben werden.

„Die Lage hat sich etwas entspannt“, sagt Peetz auf Anfrage unserer Zeitung. 220 Kunden – das war der Spitzenwert im Sommer. „Aktuell sind wir bei bis zu 150 Kunden“, sagt Peetz, die gemeinsam mit Edda Benien 2003 die Zweibrücker Tafel aus der Taufe hob. Ein wichtiger Grund sei, dass einige Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine weggezogen seien, manche kämen auch nicht mehr, etwa, weil sie inzwischen Arbeit haben und sich selbst besser versorgen könnten.

 Die „Zweibrücker Tafel Heilig Kreuz“ feiert 2023 ihr 20-jähriges Bestehen. Von Anfang an dabei sind Edda Benien und Annette Peetz.

Die „Zweibrücker Tafel Heilig Kreuz“ feiert 2023 ihr 20-jähriges Bestehen. Von Anfang an dabei sind Edda Benien und Annette Peetz.

Foto: Mathias Schneck

„Früher haben wir drei Monate gewartet – kam in der Zeit ein Kunde nicht mehr, haben wir seinen Platz vergeben an einen Nachrücker. Diese Zeit haben wir auf vier Wochen verkürzt.“ Hinter den aktuell bis zu 150 Kunden stehen natürlich auch Familienangehörige, Peetz beziffert die Zahl derer, die von der Tafel direkt und indirekt versorgt werden, auf 600 Menschen. „Wir prüfen stets die Bedürftigkeit ganz genau“, sagt Peetz, niemand, der er es nicht nötig habe, solle sich „hineinmogeln“.

Die Tafel-Leiterin sagt, durch den Zuzug der Flüchtlinge aus der Ukraine habe sich das Durchschnittsalter der Bedürftigen, die die Tafel aufsuchen deutlich gesenkt. Weil es sich vielfach um junge Mütter mit Kindern handelt. „Das Durchschnittsalter lag vor der Ukraine-Krise bei 60 Jahren, aktuell sind unsere Kunden im Schnitt 40 Jahre alt“, verdeutlicht sie die Veränderung.

Peetz ist froh: „Die Ukrainer und die Russlanddeutschen, die auch zu unseren Kunden zählen, kommen gut miteinander zurecht. Wir hatten bislang ganz selten Stress. In Einzelfällen. Einmal war ein Stinkstiefel, der Alkohol getrunken hatte, das Problem“.

Stress – den haben die Ehrenamtler vor allem mit Blick auf die Beschaffung von Lebensmitteln. „Wir merken ganz klare Veränderungen seit dem Anstieg der Inflation und der Energiekrise. Die Supermärkte kaufen weniger ein – weil die Kunden weniger einkaufen. Von daher bleibt nicht mehr so viel an Lebensmitteln, die nicht verkauft werden, für uns übrig“, schildert sie das Problem. Verschärft werde die Situation durch Bäckereien, die schließen mussten, es fielen weniger Backwaren ab.

 Oft stehen die Bedürftigen bereits vor Beginn der Lebensmittelausgabe (immer donnerstags ab 14.45 Uhr) Schlange vor der Zweibrücker Tafel in der Canadastraße 32.

Oft stehen die Bedürftigen bereits vor Beginn der Lebensmittelausgabe (immer donnerstags ab 14.45 Uhr) Schlange vor der Zweibrücker Tafel in der Canadastraße 32.

Foto: Mathias Schneck

Aber es gibt sie noch, die Spender. Dank ihrer kann die Tafel nun auch in der Vorweihnachtszeit besondere Freude bereiten. „Vor zwei Wochen hatten wir einen Stand mit gespendeten Spielsachen. Vor drei Wochen war eine Ausgabe von Kinderkleidern. Diese kamen alle privat von Bürgern.“ Peetz sagt, die Tafel verteile diese gesonderten Gaben ganz bewusst auf mehrere Wochen vor den Festtagen. „Wenn wir das alles am letzten Donnerstag vor Weihnachten machen würden, wäre das viel zu stressig.“

Das Ehrenamt der Helfer ist fordernd. Und deshalb ist die letzte Ausgabe vor den Festtagen am Donnerstag, 22. Dezember. Danach sei zwei Wochen geschlossen. „Wir müssen auch einmal Durchschnaufen“, bittet Peet um Verständnis. Ab Donnerstag, 12. Januar, ist dann wieder geöffnet. Und auf der Rettungsinsel geht es wieder frisch ans Werk.

www.zweibruecker-tafel-heilig-kreuz.de (mit Spendenkontodaten)