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Anklage gegen Messerstecher aus der Marienstraße

Drama in der Marienstraße : Anklage gegen Mann, der Sacha L. erstochen haben soll

Die Bluttat schockte Zweibrücken: Am 16. August war ein 40-Jähriger von einem 34-Jährigen in einer Wohnung in der Marienstraße erstochen worden.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Zweibrücken Anklage gegen den 34-jährigen ehemaligen Neonazi erhoben. Nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlages.

In der Anklageschrift wird dem 34jährigen Angeschuldigten vorgeworfen, am Abend des 16. August gegen 23.40 Uhr den 40-jährigen Sacha L. mit einem Messerstich getötet zu haben. Dieser Tat war ein lautstarker Streit des Angeschuldigten mit seiner Mutter vorausgegangen. Obwohl sich diese entfernte, „äußerte sich der Angeschuldigte weiterhin lautstark, so dass die Nachbarschaft die Streitigkeiten mitanhören musste“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Dieser Ausbruch veranlasste das spätere Tatopfer und zwei weitere Zeugen, zur Wohnung des Angeschuldigten zu gehen, um ihn zu beruhigen. Nachdem das nicht gelang und der Angeschuldigten die zunächst geöffnete Wohnungstüre wieder schloss, trat das spätere Tatopfer die Wohnungstüre ein und betrat die Wohnung.

In der Küche der Wohnung versetzte der Angeschuldigte dem Geschädigten mit einem Küchenmesser einen derart tiefen Stich in die linke Brustseite, dass er sich zwar noch vor die Wohnung schleppen konnte, dort aber zusammenbrach und von den hinzugerufenen Rettungskräften nicht mehr gerettet werden konnte. Er starb in den Armen eines Freundes. Todesursächlich war Verbluten, unter anderem hatte der Stich den Herzbeutel getroffen.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war das Verhalten des Angeschuldigten nicht durch Notwehr gerechtfertigt. Zwar lag grundsätzlich eine Notwehrlage vor, denn das spätere Tatopfer hatte sich unter Zerstörung der Wohnungstüre und damit mit Gewalt Zutritt zur Wohnung des Angeschuldigten verschafft.

Allerdings war die von dem Angeschuldigten gewählte Abwehrhandlung nicht das mildeste Mittel zur Abwehr des Angriffs. Er setzte ohne vorherige Androhungen ein Küchenmesser ein und versetzte dem Geschädigten einen heftigen Stich in eine wie er wusste besonders empfindliche Körperpartie.

Der Angeschuldigte, der erklärt hat, sich nicht an den Stich erinnern zu können, befindet sich weiter in Untersuchungshaft. Die Vergangenheit des mutmaßlichen Täters als Mitglied des Nationalen Widerstandes Zweibrücken hat offensichtlich für die Staatsanwaltschaft keinen Zusammenhang mit dem Verbrechen.
Das Landgericht Zweibrücken hat nun über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

Die Bluttat hatte eine Welle von Trauer und Wut in Zweibrücken und seinem Heimatort Contwig ausgelöst. Etwa 70 Biker aus der ganzen Umgebung hatten ihm gemeinsam mit der Motorradstaffel des DRK Contwig, bei der er Mitglied gewesen war, das letzte Geleit zum Friedhof in Contwig gegeben. Bei einem Benefizkonzert auf dem Ernstweilerhof und über soziale Medien waren rund 20 000 Euro für die Familie des zweifachen Vaters und Hobbymusikers gesammelt worden.