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Angst vor Coronavirus: Hamsterkäufe in Zweibrücken

Angst vor Coronavirus : Hamsterkäufe in Zweibrücken

Unternehmer Dieter Ernst: Enorme Nachfrage vor allem nach Konserven, Mehl, Zucker und Desinfektionsmitteln.

Der Hamster macht sich gerne die Backentaschen voll – man kann ja nie wissen, ob die Zeiten schlecht werden. Etliche Zweibrücker tun es dem drolligen Tierchen derzeit nach. Nicht, dass sie sich die Backentaschen vollstopfen. Vielmehr stopfen sie sich die Einkaufstaschen voll. Sie „hamstern“, wie das umgangssprachlich genannt wird. Grund ist die Sorge vor dem Coronavirus. Die treibt derzeit deutschlandweit etliche Menschen dazu, sich Vorräte anzulegen.

Dieter Ernst betreibt mit dem Edeka-Markt am Hilgard-Center die wohl wichtigste entsprechende Einkaufsadresse in der Rosenstadt. Er sagte am Dienstag auf Merkur-Anfrage: „Auch in Zweibrücken gibt es Hamsterkäufe. Am vergangenen Freitag ging es los. Da war es extrem. Auch am Samstag.“ Überraschend ist es nicht, welche Artikel die Bürger hamstern. „Mehl, Zucker, Konserven. Im Tiefkühlbereich die Fertiggerichte“, zählt Ernst auf.

Auch Hygieneartikel und Toilettenpapier seien stark gefragt gewesen. Inzwischen habe sich die Lage etwas beruhigt, berichtet der Unternehmer. „Der Montag war zwar stärker als sonst ein normaler Montag ist – aber es war nicht mehr so extrem wie Freitag und Samstag.“

Was hält Ernst eigentlich von der Aussage von Handelssprechern, dass es keinen Grund gebe, sich vor Engpässen zu sorgen, weil die Lieferantenkette stabil sei? „Nun ja, im Moment sind die Lager der Großhändler gut gefüllt. Aber wenn diese Nachfrage weiter so anhält, dann gibt es Probleme“, fürchtet der Einkaufsmarkt-Chef.

Klassischerweise gilt ja das Gesetz: Die Nachfrage entscheidet auch über den Preis. Müssen die Kunden fürchten, dass die derzeit starke Nachfrage nach Fertiggerichten, Zucker oder Mehl die Preise dafür nach oben treibt? „Im Moment nicht“, sagt Ernst. Aber wie sich das für die Zukunft entwickele, könne man derzeit nicht abschätzen, entsprechende Preisverhandlungen mit den Lieferanten müssten dann noch geführt werden.

Nicht nur bei Edeka Ernst ist derzeit ein Hamstern zu beobachten. Auch bei der zweiten wichtigen Einkaufsadresse für die Zweibrücker, dem Globus in Einöd, war am Dienstagabend deutlich zu sehen, dass sich die Bürger eindecken. In der Abteilung für Kosmetikprodukte und Hygieneartikel waren die Regale mit Kleinprodukten für Desinfektionsmittel und Antiviren-Tücher leer. „Alles weg“, raunte eine Kundin ihrer Begleiterin zu. Am Regal mit den entsprechenden Artikeln war ein Zettel angebracht. Auf dem war die Rede von derzeitigen Lieferschwierigkeiten und dass Globus sich bemühe, so rasch wie möglich Ersatz zu beschaffen. Ein weiterer Zettel daneben mahnte: Die Desinfektionsartikel würden nur in haushaltsüblichen Mengen verkauft – für den Fall, dass sich jemand die Backentaschen zu voll machen möchte.

Dieter Ernst, Leiter des Marktes Edeka Ernst. Fotos: Lutz Fröhlich Foto: Lutz Fröhlich

Auch der Drogeriemarkt dm (wie Edeka Ernst am Hilgard-Center gelegen) musste am Dienstagabend Kunden auf der Suche nach Desinfektionsmitteln enttäuschen. Die Regale mit den Kleinprodukten waren dort ebenfalls leergefegt.