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Angst vor Corona-Virus: Experten aus Zweibrücken warnen vor Panik, raten aber zu Hygiene

Angst vor Corona-Virus : Panik ist übertrieben – Hygiene ein Muss

Krankenhaus-Hygiene-Expertin Marliese Fritz und Arzt Christoph Gensch über das Corona-Virus. Viel Unsicherheit bei Bürgern.

Jetzt bloß einen kühlen Kopf bewahren – und immer ordentlich die Hände waschen. So lassen sich die Aussagen von Marliese Fritz, Hygiene-Expertin am Nardini-Klinikum in Zweibrücken und Dr. Christoph Gensch bezüglich des Corona-Virus’ zusammenfassen.

Gensch sagte am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung, er nehme in der Bevölkerung eine große Verunsicherung wahr. Und das kann er eindrucksvoll mit Zahlen belegen. Am Mittwochnachmittag postete er auf seiner Facebook-Seite „Ein paar Fakten zum Corona-Virus“ – zwei Tage später, am Freitagnachmittag hatten schon zehntausende Menschen diesen Beitrag gelesen.

Der Beratungsbedarf ist also gewaltig. Gensch ist es wichtig, den Menschen zuerst einmal die Angst zu nehmen.  In Deutschland seien bislang lediglich knapp zehn Fälle bekannt, allesamt in Bayern. Diesen Patienten gehe es „den Umständen entsprechend gut“.  Gensch: „Um einmal eine Relation aufzuzeigen: In der Grippe-Saison 2017/2018 sind in Deutschland allein rund 9 Millionen Menschen wegen Anzeichen einer Grippe zum Arzt gegangen. Über 25 000 Menschen sind an den Folgen einer Grippe gestorben. In aller Regel handelt es sich dabei um ältere Menschen, deren Immunsystem bereits stark geschwächt war. Von diesen Zahlen sind wir beim Corona-Virus weit entfernt.“

Panik sei also völlig unangebracht, niemand solle auf „Verschwörungstheorethiker“ hineinfallen, die im Internet behaupten würden, die ganze Welt werde von dem Virus befallen. Angebracht sei hingegen eines: Hygiene. Das bedeute, so Gensch, zuerst einmal: Hände waschen. Regelmäßig. Gründlich.

Das macht auch Genschs Kollegin Marliese Fritz deutlich. Sie ist am Nardini-Klinikum in Zweibrücken als Hygienikerin und Chirurgin tätig. In Sachen Hygiene wird ihrem Ratschlag in der Klinik große Bedeutung beigemessen.

Fritz sagte am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung, bei dem auch Klinik-Pflegedirektor Jens Lehnhardt anwesend war, Panik sei völlig übertrieben. Es gebe in Rheinland-Pfalz keine einzige bekannte Infektion. Und vor dem Quarantäne-Lager in Germersheim (siehe Aufmacher Titelseite) müsse sich niemand fürchten, man wisse ohnehin nicht, ob überhaupt einer der dahin Evakuierten infiziert sei.

Was also tun? „Die Basishygiene zuhause ist am wichtigsten“, sagt Fritz. Pflegedirektor Lehnhardt ergänzt zustimmend: „Das Händewaschen in den heimischen vier Wänden ist am wichtigsten.“ Das werde leider allzu oft vergessen. Auch wichtig: „Niesen Sie in die Armbeuge. Benutzen Sie Einwegtaschentücher“, rät Fritz.

Das Nardini-Klinikum sei auf alle Fälle vorbereitet, auch auf die Isolierung Infizierter, notwendige Behandlungsmittel lägen bereit, es gebe genaue Anweisungen für das Personal. Aber man sei ohnehin ständig hellwach, komme ein Patient, egal mit welchen Beschwerden, finde ein „Screening“ statt, es wird abgeklopft, ob er irgendeine ansteckende Krankheit in sich trägt.

Wer glaubt, sich das Corona-Virus eingefangen zu haben, könne zu seinem Hausarzt gehen, diese seien gewappnet, beruhigt Fritz. Fühle man sich krank solle man sich überlegen, ob man nicht lieber zuhause bleibt: „Muss ich dann wirklich ins Kino? Oder die Oma besuchen?“, bittet Fritz um gegenseitige Rücksichtnahme. Und die ist, auch ohne die Angst vor einem Corona-Virus, immer eine gute Sache.