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"An meiner Rolle ändert sich nichts"

"An meiner Rolle ändert sich nichts"

Herr Pallmann, wie groß war die Erleichterung bei Ihnen, als Sie den Insolvenzantrag am Sonntag zurückziehen konnten?Hartmut Pallmann: Die Frage kann ich so nicht beantworten. Da ist keine Erleichterung bei mir

Herr Pallmann, wie groß war die Erleichterung bei Ihnen, als Sie den Insolvenzantrag am Sonntag zurückziehen konnten?Hartmut Pallmann: Die Frage kann ich so nicht beantworten. Da ist keine Erleichterung bei mir.

Werden Sie künftig in Ihren Kompetenzen in irgendeiner Form beschnitten?

Pallmann: Meine Rolle bleibt so, wie sie ist: Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer.

Und seit gestern ist Ihre Firma wieder flüssig?

Pallmann: Ja, wir sind wieder liquide. Das war Voraussetzung, um den Insolvenzantrag zurückzuziehen.

Ist damit auch die ausstehende Stadtwerkerechnung beglichen?

Pallmann: Ich habe heute mit Werner Brennemann gesprochen, dem Geschäftsführer der Stadtwerke. Die ausstehenden Rechnungen sind bis April bezahlt. Ab Ende Mai werden wir mit keiner Zahlung rückständig sein.

Und wann erhalten die Mitarbeiter ihr März-Gehalt?

Pallmann: Das wird jetzt auch überwiesen.

Wie kam denn genau der Kontakt zum neuen 25-Prozent-Investor Siempelkamp zustande?

Pallmann: Siempelkamp ist einer unserer größten Kunden, er hat teilweise zehn Prozent von unserer Jahresproduktion aufgenommen. Im Dezember 2011 haben wir noch zusammen ein Großprojekt in Weißrussland abgewickelt. Die Mitarbeiter kennen sich untereinander, wir beschäftigen selbst welche, die vorher bei Siempelkamp gearbeitet haben. Die Verhandlungen mit der Firma waren die zwischen Gesprächspartnern, nicht die zwischen Fremden.

Siempelkamp gilt als guter Kunde ihrer Ex-Hausbank Commerzbank. Rechnen Sie sich hier einen Vorteil für Pallmann aus?

Pallmann: Mit Siempelkamp an der Seite ist es mit Sicherheit auch für die Commerzbank möglich, dass wir die bis zum 31. März bestandene Kreditlinie in dieser Höhe weiterführen.

Gefürchtet wurde, dass ein Investor es auf Ihre Patente abgesehen haben könnte...

Pallmann: Die Patente stehen im Eigentum von Pallmann Maschinenfabrik. Sie ist die einzige, die diese Patente nutzt. Es ändert sich auch nichts durch Siempelkamp als neuem Gesellschafter. Der kann die Patente nicht nehmen und verkaufen oder anderweitig nutzen.

Neben Siempelkamp soll es andere Investoren geben - wie viel Anteile an Pallmann haben Sie nun abgegeben?

Pallmann: Das stimmt nicht ganz. Es beteiligt sich nur die Firma Siempelkamp als Investor. Es gibt viele Partnerfirmen, mit denen wir seit vielen Jahren Geschäfte machen. Die haben uns übers Wochenende Geld zur Verfügung gestellt. Wir haben da nicht nur 2,6 Millionen Euro von Siempelkamp bekommen, sondern wesentlich höhere Summen und etwa auch jede Menge Zahlungspläne mit Lieferanten vereinbart. Zu den Firmen, die uns in der Not beigestanden haben, werden wir mittelfristig die Geschäftsbeziehungen ausbauen.

Wie schwierig ist es für Sie, dass Sie Teile Ihrer Firma abgeben?

Pallmann: Die Aufnahme von Gesellschaftern ist gar kein Problem, in die Richtung hatten wir schon gedacht. Dazu muss man folgendes sagen: In unserem Umfeld in Deutschland ist eine familiengeführte Personengesellschaft wie wir generell aus Bankensicht gefährdet. Als Kapitalgesellschaft wird man da anders bewertet. Daher hatten wir mit unserem Finanzberater Helpling Finance ein Konzept entwickelt, wonach wir in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden. Dazu benötigt man eine Geschäftsführung mit einem Fremdgeschäftsführer und einen Beirat, den wir uns vor Jahren zugelegt hatten. Er sollte die Geschäftsführung professionell beraten und kontrollieren. Ihn wollten wir später in einen Aufsichtsrat umwandeln. Das Konzept von Helpling Finance setzen wir um.

Wie gehen Sie hier vor?

Pallmann: Wir wollen wachsen und erstellen derzeit mit einer anderen Beraterfirma unsere Unternehmensplanung bis 2017. Wenn man Investitionen tätigt, dann braucht man einen Planungshorizont. Der ist auch Grundlage für mitfinanzierende Banken. Strategische Planung, Finanzplanung, alles liegt vor beziehungsweise wird mit Siempelkamp nochmals überarbeitet.

Was wird sich bei Pallmann denn in Zukunft ändern?

Pallmann: Strategisch werden wir Holz auf dem Niveau halten wie in guten Jahren, aber in den Bereichen Recycling, Prozesstechnik und Kunststoff deutlich zulegen. So werden wir insgesamt stabiler.

Wer entscheidet nun, wer ihr neuer Finanzvorstand wird?

Pallmann: Er wird bei einer Gesellschafterversammlung in Kürze bestimmt. An der Versammlung nimmt Pallmann mit 75 Prozent und Siempelkamp mit 25 Prozent teil.

Müssen die Pallmänner nach der abgewendeten Insolvenz weiter um ihre Arbeitsplätze bangen?

Pallmann: Im Rahmen der strategischen Entwicklung der Firma Pallmann sind mehrere Möglichkeiten in einem Eckpunktepapier zusammengefasst, wie die Personalkosten verringert werden können. Die Belegschaft steht auch dahinter. Das wird im ein oder anderen Fall auch zu Kündigungen führen.

Das ausführliche Interview gibt's

www.pfaelzischer-

merkur.de/interview