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Altes Finanzamt in Zweibrücken soll jungen Gründen von Betrieben Platz bieten

Platz für Betriebsgründer : Junge Gründer in altes Finanzamt

Oberbürgermeister Wosnitza will neuen Versuch unternehmen, wieder Leben in den Gebäudekomplex zu bringen.

Die Rosenstadt mausert sich immer mehr zu einem beliebten Ort für Betriebsgründer. Da der Platz, an dem diese ihre Kleinbetriebe starten können, eng wird, gibt es Überlegungen der Stadt, das alte Finanzamt dafür bereitzustellen. Das erklärte Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wosnitza zeigte sich erfreut über die jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes in Bad Ems; dieses hatte herausgestellt, dass Zweibrücken in Sachen Betriebsgründungen landesweit einen Spitzenplatz einnimmt (wir berichteten).

Die Gründe für diesen Erfolg sieht der Oberbürgermeister vor allem in der Hochschule auf dem Kreuzberg. „Die Gründerszene in Zweibrücken ist wirklich stark. Wir haben eine sehr gründungsfreudige Hochschule – das ist natürlich ein wichtiger Impuls“, bilanzierte Wosnitza.

Etliche junge Menschen würden nach Abschluss ihres Studiums an der Zweibrücker Hochschule den Plan verfolgen, als Selbständige ihren Weg zu gehen – ob als Unternehmensberater, Wirtschaftsinformatiker oder in anderen wirtschafts- und technikbezogenen Dienstleistungsbereichen.

Leider gibt es einen Wermutstropfen: „Wir haben keine geeigneten Büroflächen“, bedauerte Wosnitza. Es werde immer enger hinsichtlich des Platzangebotes. „Wir sind schon seit Monaten am Schauen, was wir mit unseren Raumressourcen noch bewerkstelligen können“, verdeutlichte er.

Aus diesem Grund sei das alte Finanzamt in den Fokus geraten. „Das ist ein Komplex, der jede Menge Platz bietet“, sagte der Oberbürgermeister. Der Gebäudekomplex an der Gymnasiumstraße könnte in größerem Umfang Gründungswillige unterbringen. Die Gewobau als städtische Tochter sei nun dabei, „die Umwandlung des Komplexes in Büros für Gründer zu prüfen“, so Wosnitza.

Die Hochschule als wichtiger Motor der Gründerszene sei in die Überlegungen eingebunden, es habe bereits erste Gespräche zwischen Stadt und Lehreinrichtung gegeben. Eine große Herausforderung bestehe darin, die beiden Adressen Hochschule und Ex-Finanzamt miteinander zu verzahnen. Nicht nur ideell, sondern auch in Bezug auf ganz simple logistische Fragen.

Wie kommt man (etwa mit dem Bus) gut an die Hochschule und zurück? Für Studierende wäre es sinnvoll, die Hallen auf dem Kreuzberg hin und wieder zu verlassen, um im alten Finanzamt Praxisluft zu schnuppern, zu sehen, was ihre einstigen Kommilitonen als Selbstständige leisten. Möglicherweise erwachsen daraus Praktika, Anregungen für Diplomarbeiten – und in den aktuellen Studierenden reift möglicherweise der Wunsch, ebenfalls ein Gründer zu werden.

Das alte Finanzamt steht seit Jahren leer. Nach dem Weggang der Behörde hatte der LBB (Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung) den Komplex im Jahr 2013 im Höchstbieterverfahren zum Kauf angeboten, als Mindestpreis waren damals 670 000 Euro aufgerufen. Das Zweibrücker Unternehmen Immobilia erhielt 2014 den Zuschlag.Immobilia-Chef Willi Gessner wollte zunächst 15 Eigentumswohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmeter und Gemeinschaftsräume dort errichten. Diese Pläne zerschlugen sich allerdings, im Herbst 2017 erwarb die Stadttochter Gewobau das Gebäude von der Immobilia zu einem nicht genannten Kaufpreis.

Die Gewobau hatte den Kauf damals damit begründet, dass dort Büroflächen, die auch für neu gegründete Unternehmen interessant sein könnten, angeboten werden könnte. Vor allem Start-ups habe man im Blick, hatte die Gewobau erklärt. Deshalb sollten die Räume mit Technik für schnelles Internet ausgestattet werden.

Nun soll unter dem neuen Oberbürgermeister Wosnitza also ein neuer Anlauf unternommen werden, die damaligen Pläne zu realisieren.