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Alternativen zu Martinsumzügen in Zweibrücken

St. Martin : Feuershow statt Laternenumzug

Wie die Kindertagesstätten in Zweibrücken in diesen Tagen trotz Corona-Beschränkungen St. Martin feiern.

„Langsam, Schritt für Schritt, ich leuchte Euch!“ Daniela Krüger, Leiterin der städtischen Kita Hand in Hand in Mörsbach geleitete die Kinder in der Dunkelheit im Licht ihrer Taschenlampe hinunter auf die unterste Ebene des dreigeschossigen Gartens. Aufgeregt tuschelten die Kleinen miteinander. Auf dicken Pappen, um vor der Bodenkälte geschützt zu sein, und dick vermummt nahm die erste der beiden Gruppen zwischen den Schaukeln Platz.

„Dort oben ist Feuer!“ Erregt zeigten Finger auf die mittlere Ebene. Einige zuckten ängstlich zurück, doch die Erzieherin beruhigte: „Das Feuer kommt nicht hier zu uns. Es ist weit genug entfernt.“ Endlich nahm auch die zweite Gruppe nach dem Gänsemarsch durch den dunklen Garten ihre Plätze ein. Und dann ging es los mit der großen Überraschung, die sich das Mörsbacher Kita-Team und der engagierte Förderverein als Trostpflaster für den ausgefallenen Martinsumzug hatten einfallen lassen.

„Ihr dürft es nur nicht nachmachen. Wir wünschen Euch viel Spaß mit unserer Feuershow“, leitete einer der Waldläufer den Auftritt einer Kleingruppe aus „Luminis Ignis“ (Wallhalben) ein. Zu dem Titel „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen wanden sich Feuerschnüre wie Leuchtschlangen, schlossen sich zu schwebenden Kreisen, tanzten lodernde Fackelleuchter vor den faszinierten Kindern auf. Wie gebannt schauten alle auf die Flammenspiele, vergessen jede Angst. „Das wird nächstes Jahr eine schwere Entscheidung“, lachte Daniela Krüger. Für gewöhnlich wird Sankt Martin in Mörsbach fast als Dorffest gefeiert mit ehemaligen Kita-Kindern und der gesamten Dorfbevölkerung – inlusive gemeinsamem Umzug. „Wir wollten mehr machen, als nur das St. Martin-Spiel der Schulabgänger-Kinder und Würstchen zum Abendessen“, freut sich die Kita-Leiterin über die großzügige Unterstützung des Fördervereins, denn „gerade die Kinder und die Familien sind durch Corona extrem in Mitleidenschaft gezogen, weil so vieles ausfällt.“

Auch die übrigen Kitas im Zweibrücker Stadtgebiet haben nach Alternativen für die so beliebten Martins-Umzüge geschaut, die sonst in dieser Woche mit selbst gebastelten Laternen, den altbekannten Liedern und der traditionellen Geschichte den Festtagsreigen im Jahr geprägt hätten. Da eine Durchmischung der verschiedenen Gruppen nach Möglichkeit unterbleiben soll, wird in vielen Einrichtungen gruppenweise gefeiert.

So auch im katholischen Kindergarten Hl. Kreuz. Anstatt große Laternen zu fertigen, haben die Kinder kleine Glasternchen mit bunten Leuchtpapierschnipseln verziert. Jede Gruppe baut mit Holzklötzen ihre eigene Martinsstadt und spielt die Legende mit entsprechenden Puppen nach. Jeweils zu zweit, teilen die Kinder ein Martinsbrot miteinander, das die Erzieherinnen gebacken haben. „Der Martins-Umzug rundet sonst immer unsere ganze Woche rund um das Thema ab, das fehlt sehr“, bedaudert das Team in Hl. Kreuz. Besonders, dass die Kinder nicht selbst singen sollen, sondern Lieder lediglich von der CD hören oder als Rollenspiel darstellen.

Lösungen finden auch die protestantischen Kolleginnen. In vielen Kitas wird das Laternenfest mit selbst gebastelten Leuchten  morgens mit einem Zug durch den Garten begangen. Vielfach ebenfalls gruppenweise. In den Stuhlkreisen wird die Martinsgeschichte nachgespielt und nach der „Fackel-Polonaise“ durch den Garten gibt es dann die obligatorischen Martinsbrezeln sowie Kinderpunsch.

Höhepunkt für die Kinder in der Meisenstraße in Ixheim ist in diesem Jahr das Kamishibai, ein großes Erzähltheater. Die Kita Röntgenstraße feiert mit einem Miniumzug im abgedunkelten Gemeindesaal der Versöhnungskirche, damit die Laternen auch sichtbar leuchten können. Anschließend überraschen die Erzieherinnen die Kinder mit einem Martinsfeuer im Korb und schauen dabei gemeinsam an, wie Holz brennt. Martinslieder, Kinderpunsch und Brezeln sichern die Tradition ebenso wie andernorts.

Auch in der Wallstraße wird in dem großzügigen Außengelände das Martinsfeuer im Korb entfacht. Doch obwohl überall die Kinder unter sich bleiben, oft gruppenweise getrennt, und Eltern diesmal keinen Zutritt haben, geben sich die Teams die größte Mühe, um die rechte Martinsfreude zu erreichen. „Wir machen das Beste daraus!“ Darin sind sich alle einig. Das gilt auch für Reifenberg. Einen Martinsumzug wird es zwar nicht geben, doch die Reiter der Chaydahedo-Ranch werden mit vier bis fünf Pferden verteilt durchs Dorf reiten.