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Alternativ-Bauplatz in der Hinterhand

Alternativ-Bauplatz in der Hinterhand

Für den geplanten „Wohnpark am Schloss“ gibt es einen alternativen Standort. Das erklärt Investor Helmut Gottschall, will den genauen Ort aber noch nicht verraten. Für so manches Argument der Baugegner hat er indes kein Verständnis.

So manches Argument ist "an den Haaren herbeigezogen": Das findet Investor Helmut Gottschall von der Zimmerei "Gottschall Fachwerkhaus" aus Thaleischweiler-Fröschen in Bezug auf seinen geplanten "Wohnpark am Schloss". Sein Ansinnen, auf dem Grundstück der Alten Feuerwache Wohnungen zu bauen, stößt in Teilen der Zweibrücker Stadtpolitik und vor allem beim benachbarten Helmholtz-Gymnasium auf erbitterten Widerstand (wir berichteten). Die Schule sieht dringenden Platzbedarf, würde selbst gerne auf das Gelände expandieren, das für den Bau vorgesehen ist.

Der Elternbeirat hatte Argumente genannt, warum sie den Bau des Wohnhauses ablehnt. Einige davon treiben Gottschall besonders um: Etwa, dass die künftigen Bewohner wegen des Kinderlärms eine Klageflut gegen die Schule lostreten könnten. "Das ist kompletter Quatsch. Alle Leute, die dort eine Wohnung kaufen, müssen einen notariellen Vertrag unterschreiben. In dem steht, dass sie wissen und in Kauf nehmen, dass sich eine Schule daneben befindet und Lärmbelästigung entsteht. Ein anderes Ärger-Argument aus Sicht Gottschalls: Die Schüler dürfen im Sommer die Fenster nicht mehr aufmachen, damit kein Lärm nach außen dringt. "Man kann nirgendwo in Deutschland Schulen verbieten, die Fenster zu öffnen. Das ist an den Haaren herbeigezogen", so Gottschall.

In der Diskussion sei auch der Eindruck entstanden, er plane ein Altenheim. Das stimme nicht. "Wir bauen normale Wohnungen, die altersgerecht gestaltet sind. Die jeder kann jeder nehmen. Betreuung kann man dazu buchen, es ist aber kein Muss." Außerdem sei er kein "auswärtiger Investor", wie die Elternvertretung unterstelle. "Das wäre für mich beispielsweise jemand aus China", so Gottschall. Um Informationsdefizite zu schließen, plant er ein Treffen mit Helmholtz-Direktorin Kerstin Kiehm. Dieses solle nach den Ferien stattfinden. Gottschall wolle dann seine Pläne dezidiert erläutern.

Den Investor ärgert auch das Verhalten der Zweibrücker Parteien im Bauausschuss. So habe gerade die CDU in der Sitzung im Juli keine Bedenken geäußert. "Man hat uns das machen lassen, keinen Ton gesagt, dass man das Projekt vielleicht lieber überdenken sollte. Und jetzt gibt es keine Mehrheit dafür", ärgert er sich. Ihn treffe besonders, dass er für eine fünfstellige Summe den Bebauungsplan geändert habe, von der zweckgebundenen Sondernutzung Feuerwehr zur Wohnbebauung. Hätten sich Bedenken abgezeichnet, hätte er gewartet. "Ich finde das bedenklich. Für einen Investor, der bereit ist, sieben Millionen Euro in der Innenstadt von Zweibrücken zu investieren, ist das nicht das beste Zeichen zu beginnen."

Sollten sich alle Hoffnungen auf den Umbau des Projektes am Schloss zerschlagen - obwohl die Stadt ihm bei zwei Terminen auf dem Bauamt mit Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) deutlich gemacht habe, dass die Schule nicht aufs Feuerwachen-Gelände expandieren könne - sieht Gottschall noch einen Ausweg. Man habe einen Alternativstandort in der Hinterhand. Wo genau dieser ist und wie wahrscheinlich die Umsetzung dort - das will er noch nicht verraten. Pirmann ließ auf Anfrage ausrichten, abschließende Gespräche stünden aus.

CDU- und SPD-Fraktion stimmen Projekt nicht zu

Die beiden großen Fraktionen im Stadtrat, SPD und CDU , sind aus unterschiedlichen Gründen gegen den Wohnpark am Schloss. Die CDU-Fraktion hat sich Anfang September gegen das Projekt ausgesprochen. "An unseren Gründen hat sich nicht geändert", sagt Fraktionschef Christoph Gensch auf Nachfrage. Die Fraktionsvorsitzende der SPD , Sabine Wilhelm, begrüßt zwar weiter ein solches Vorhaben. "Aber wir tun nichts gegen den ausdrücklichen Willen der Eltern, Schüler und Lehrer. Wenn es nicht gewollt ist, werden wir es nicht durchsetzen."

"Für uns stehen die Interessen der Schüler an erster Stelle", betont Gensch. Und diese würden durch das Wohnprojekt beschnitten. So sei die Fläche, auf der noch die Alte Feuerwache steht, der richtige Ort, um einen Multifunktionsraum für die Schule mit Mensa und Aufenthaltsraum zu errichten. Damit würde dem Helmholtz-Gymnasium ein Raum geboten, um sich für die nächsten zehn, 15 Jahre weiter zu entwickeln.

Durch die Errichtung der Ganztagsschule sei zusätzlicher Bedarf für die Essenseinnahme der Ganztagsschüler entstanden. Nach dem Plan der Stadt - der der Fraktion noch nicht vorliege - beschneide die Mensa die Aufenthaltsmöglichkeiten der Schüler , die das Ganztagsangebot nicht wahrnehmen. Wobei sich Gensch noch weitere Informationen vom Bauamt wünscht. Ein Gespräch sei angekündigt. "Dann können wir über den Plan diskutieren." Die CDU favorisiere zwar weiter die Lösung mit einem neuen Gebäude, "aber wir hören uns die 1B-Lösung an".

Die CDU begrüße zwar seniorengerechtes Wohnen in der Innenstadt. Allerdings sehen sie in der unmittelbaren Nachbarschaft zu einer Ganztagsschule ein großes Konfliktpotenzial.

Das Argument Lärm "zieht" bei Wilhelm hingegen nicht. "Das ist nicht stichhaltig. Die Leute wissen, wo sie hinziehen." Zudem möchte die Gesellschaft ansonsten ein gedeihliches Zusammenleben von Älteren und Jüngeren. Mit dem Vorschlag, im bestehenden Gebäude einen größeren Raum für die Mensa und Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen, käme die Verwaltung der Schule entgegen. "Dafür möchte die Stadt fast eine halbe Million Euro in die Hand nehmen."

Am Abriss der Alten Feuerwache führt nach Auffassung Wilhelms kein Weg vorbei. "Dann liegt das innerstädtische Filetstück die nächsten 20, 30 Jahre brach", vermutet sie. Denn sie rechnet nicht damit, dass es einen anderen privaten Investor gibt, der an der Stelle etwas entwickeln möchte. Von der Investition hätten sicher auch einheimische Handwerker profitiert und auch die Innenstadt. Mit Blick auf andere Bauprojekte, die in Frage gestellt werden, befürchtet Wilhelm, dass sich "investitionsfeindliches Klima" in der Stadt entwickelt.