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„Aktive Stadt – Lebendiges Zentrum“: Bestandsanalyse im Bauausschuss Zweibrücken vorgestellt

Stadtplanungs-Büros erarbeiten neues Entwicklungskonzept für Zweibrücker Innenstadt : „Da würden andere Städte Sie beneiden“

Frankfurter Stadtplaner loben das viele Grün und die Plätze in der Zweibrücker City. Sie sehen aber auch Schwächen und erarbeiten ein Entwicklungskonzept für die Innenstadt. Dafür werden ab nächster Woche Bürger befragt.

Die Zweibrücker Innenstadt soll weiter aufgewertet und so zukunftssicher werden. Die Frankfurter Stadtplanungs-Büros Kokonsult und Tobe erarbeiten deshalb ein „Integriertes Entwicklungskonzept“ für Zweibrücken – gefördert durch das Programm „Aktive Stadt – Lebendiges Zentrum“.

Diesbezüglich hat Zweibrücken schon einiges zu bieten, lobte nach einer „städtebaulichen Analyse“ Tobe-Inhaber Torsten Becker jetzt im Bauausschuss. So habe Zweibrücken „eine tolle lineare Struktur der Innenstadt mit Querung durch den Schwarzbach. Hauptstraße (Fußgängerzone) und angrenzende Plätze seien klar gegliedert, alles wirke „sehr wohltuend, angenehm, der öffentliche Raum ist in sehr gutem Zustand“. Becker weiter: „Was uns als Außenstehende sehr begeistert hat, ist die Verbindung mit den Grünflächen – so etwas ist alles andere als selbstverständlich. Da würden andere Städte Sie drum beneiden!“ Hier sehe er deshalb auch einiges noch zu wenig genutztes touristisches Potenzial. Und man wolle auch Vorschläge entwickeln, wie Zweibrücken die Grünachse „deutlich besser“ an die City anbinden könnte, zum Beispiel am Goetheplatz, damit mehr Leute „nach dem Kaffeetrinken in der Stadt noch in den Grünbereich gehen“.

Auch im Hinblick auf die Erderwärmung sei diese große grüne Lunge ein großes Plus, dadurch werde Zweibrücken auch als Wohnstadt attraktiver (wofür auch Konzepte entwickelt werden sollen): „Ich wohne in Frankfurt, da waren die letzten Sommer wirklich unerträglich.“

Trotzdem sehen die Stadtplaner auch beim Grün Handlungsbedarf in Zweibrücken. Becker: „Teils ist die Innenstadt stark versiegelt, vor allem Innenhöfe. Und es gibt Straßen teils ohne einen Baum.“

Mehr Potenzial sieht der Experte auch durch die Hochschule. Zwar sei gut, dass sie „junge Publikum“ nach Zweibrücken bringe – doch „die Studenten auf dem Plateau“ und die Innenstadt lebten noch zu sehr nebeneinander her: „Die Anbindung, die Vernetzung, wird ein Thema unserer weiteren Untersuchung sein.“

Die Bestandsanalyse zeige aber auch ein paar klare Schwächen der Zweibrücker Innenstadt. Es gebe „großflächige Strukturen ohne Wohnnutzung in City-Randlagen, dadurch sei „die Innenstadt isoliert zum restlichen Stadtkörper“. Es gebe einige Leerstände, deren Zahl durch den Online-Handel noch steigen könnte. Angesichts der vielen Leerstände am äußeren Ende sieht Becker für die Fruchtmarktstraße „eine Abwärtsspirale als Risiko“. Die südliche Fruchtmarktstraße solle man deshalb mit in das Untersuchungsgebiet aufnehmen, schlug Becker vor. Außerdem den gesamten Bereich Exe/Helmholtz-Gymnasium. Herausnehmen aus dem Ende 2018 vorläufig vom Stadtrat beschossenen U-Gebiet könne man dagegen die Parkbrauerei und Tadano, da es für den ersten Bereich schon ein festes Konzept gibt und im zweiten kein Handlungsbedarf mehr besteht (weil der Kranbauer wieder in ruhigem Fahrwasser ist).

Beckers Vorschlag, den Einkaufsbereich in der Innenstadt „T-förmig auf Hauptstraße und Fruchtmarktstraße zu konzentrieren“, stieß bei Ulrich Schüler (FDP) auf Kritik: „Die Alte Ixheimer Straße als Einfallstraße Zweibrückens ist für das Stadtbild extrem wichtig.“ Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) gab zu bedenken, von den Planern nicht vorgeschlagene Änderungen des Untersuchungsgebietes könnten schwer zu erreichen sein, weil es ja schon einen Förderbescheid des Landes für ein bestimmtes U-Gebiet gebe.

Der Alexanderplatz der Rosenstadt Zweibrücken, im Hintergrund die Alexanderskirche. Foto: Lutz Fröhlich
Viel Grün gibt es nicht nur am Rand der City, sondern auch auf dem Hallplatz. Foto: Lutz Fröhlich
Der Herzogplatz, links mit dem Zweibrücker Rathaus. Foto: Lutz Fröhlich

Grundsätzlich gab es aber fraktionsübergreifend viel Lob für die bisherige Arbeit der beiden Planer-Büros. Auch dafür, dass sie viele Zweibrücker in ihre Arbeit einbeziehen. So startet nächste Woche „eine Beteiligung der Gesamtbevölkerung“, sagte Wosnitza. Unter dem Titel „Mitte ZW“ könnten sich alle Bürger einbringen, „wie man sich die Innenstadt vorstellt“. Hierzu würden Karten in den Geschäften ausgelegt. Torsten Becker stellte dem Ausschuss zudem Ergebnisse einer Befragung von 28 Zweibrücker „Akteuren“ aus Wirtschaft, Einzelhandel, Sozialem, Hochschule, Vereinen und Verwaltung vor. Die Innenstadt werde „als Herz der Stadt, Leben, Heimat empfunden“, Einzelne sähen aber auch „Leere und tote Hose“. 38 Prozent (ein relativ hoher Wert) fänden die Innenstadt „sehr wichtig“. Als Stärken oft genannt wurden der baulich sehr gute Zustand, Plätze, Rosengarten, Schloss und Fußgängerzone. Stören würden Leerstände, uneinheitliche Öffnungszeiten und zu wenig Kultur für junge Menschen. Auf der Wunschliste stehen auch ein besseres ÖPNV-Angebot und Klimaschutz.